LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Umfrage des Pew Research Center zeigt deutliche Unterschiede darin, wie Israelis und Palästinenser die US-Militär- und humanitäre Unterstützung bewerten. In Israel sagt fast die Hälfte, die USA leisteten die „richtige“ Menge an Militärhilfe, während Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem überwiegend „zu viel“ angeben. Gleichzeitig kippt das Bild bei der humanitären Hilfe für Gaza: In Israel wird sie mehrheitlich als zu hoch eingeschätzt, Palästinenser bewerten sie dagegen überwiegend als unzureichend. Die Erhebungen fanden je nach Region zwischen Ende März und Anfang Mai 2026 statt – teils noch während des Konflikts um Iran.

Pew-Umfrage: Israelis sehen US-Militärhilfe gespalten, Palästinenser lehnen sie deutlich ab
Pew-Umfrage: Israelis sehen US-Militärhilfe gespalten, Palästinenser lehnen sie deutlich ab (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Debatte um die US-Unterstützung für Israel und die Hilfe für die palästinensischen Zivilisten in Gaza bekommt mit einer aktuellen Befragung eine neue, fein aufgelöste Datenlage. Im Zentrum steht dabei nicht die Frage, ob Hilfe überhaupt stattfindet, sondern wie viel Unterstützung als angemessen gilt. Das Pew Research Center hat dafür Einstellungen in Israel sowie im Westjordanland und in Ostjerusalem erhoben und die Antworten zugleich so formuliert, dass sie direkt mit „zu viel“, „nicht genug“ oder „gerade richtig“ messbar sind. Damit lässt sich ablesen, wie unterschiedlich dieselben außenpolitischen Entscheidungen je nach Perspektive im Alltag bewertet werden.

Technisch betrachtet handelt es sich um eine klassische, aber methodisch anspruchsvolle Meinungsumfrage im Konfliktumfeld: Insgesamt wurden 1.001 Personen in Israel und 1.038 Personen im Westjordanland und in Ostjerusalem befragt. Die Feldarbeit lief je Region in einem definierten Zeitfenster, und die Interviews fanden in Hebräisch und Arabisch statt. Laut Bericht wurden die Gespräche in Israel zwischen dem 5. April und dem 6. Mai 2026 geführt; im Westjordanland und in Ostjerusalem begann die Erhebung bereits am 30. März und dauerte bis zum 28. April 2026. Auffällig ist die zeitliche Lage: Die Feldphase startete, als der Konflikt um Iran noch andauerte, und setzte sich nach einer ersten Waffenruhe-Erklärung am 7. April fort. Das spielt für die Interpretation eine Rolle, weil Antworten in solchen Phasen häufig stärker von unmittelbaren Nachrichtenlagen beeinflusst werden.

Bei der US-Militärhilfe an Israel zeigt sich in Israel zunächst ein bemerkenswert ausgeglichenes Bild: Rund 48% der israelischen Erwachsenen sagen, die USA leisteten die „richtige“ Menge an Militärhilfe. 20% bewerten die Unterstützung als „zu viel“, 23% als „nicht genug“. Allerdings zerfällt die Sicht deutlich nach Bevölkerungsgruppen: Unter jüdischen Israelis meint eine Mehrheit von 57%, die Menge sei richtig; lediglich 7% sehen „zu viel“. Umgekehrt fällt der Blick auf die jüdischen Befragten stärker auf Unterschiede nach politischer Orientierung: Wer die Regierungskoalition rund um Ministerpräsident Benjamin Netanyahu unterstützt, ist laut Bericht häufiger der Meinung, die USA stellten „nicht genug“ Militärhilfe bereit (35%) als diejenigen, die diese Unterstützung nicht teilen (19%). Auch das Alter wirkt: Unter den jüngsten jüdischen Israelis (18 bis 34 Jahre) sagen fast vier von zehn (39%), die USA lieferten zu wenig; bei älteren liegt diese Einschätzung deutlich niedriger.

Gerade diese Bruchstelle zwischen politischen und demografischen Gruppen wird bei israelischen Arabern noch schärfer. Die überwältigende Mehrheit von 72% sagt, die USA leisteten Israel „zu viel“ Militärhilfe – und zwar unabhängig vom Alter. Der Bericht unterstreicht damit eine Asymmetrie: Während jüdische Israelis laut Datenlage die USA deutlich positiver sehen, gilt das nicht im gleichen Maß für arabische Israelis. Konkret nennt der Bericht 96% positives Feedback zur Unterstützung der USA unter jüdischen Israelis versus 19% bei arabischen Israelis. Ebenso unterscheidet sich die Einschätzung der US-Politik in anderen Dimensionen: Die Zustimmung, Trump könne bei Weltangelegenheiten „das Richtige“ tun, fällt bei jüdischen Israelis (79%) deutlich höher aus als bei arabischen Israelis (13%). Außerdem ist die Bewertung von Trumps Handhabung des Gaza-Konflikts unter jüdischen Israelis (57%) wesentlich höher als bei arabischen Israelis (14%). Diese Verknüpfung macht klar, dass die Militärhilfe nicht nur als isoliertes Thema wahrgenommen wird, sondern in ein breiteres Bild von Vertrauen und politischer Zielrichtung eingebettet ist.

Im Westjordanland und in Ostjerusalem kippt die Bewertung für die US-Militärhilfe an Israel dagegen fast vollständig in eine Richtung. Dort sagen 69% der Palästinenser, die USA stellten „zu viel“ Militärhilfe bereit. Nur 3% sehen die Menge als „gerade richtig“, 1% bewerten sie als „nicht genug“. Rund ein Viertel gibt an, unsicher zu sein. Damit entsteht ein klares Meinungsgefälle zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten – und innerhalb Israels wiederum zwischen jüdischen und arabischen Perspektiven. Der Bericht ordnet die Studie als Teil einer länger laufenden Reihe zu israelischen Einstellungen ein, betont aber auch einen methodischen Punkt: Es war laut Angaben das erste Mal in mehreren Jahren, dass das Pew Research Center die palästinensische Öffentlichkeit im Westjordanland und in Ostjerusalem befragte. In den vergangenen Jahren habe man wegen Sicherheitsbedenken keine Feldarbeit in der Region Westbank oder Gaza durchführen können; eine Befragung in Gaza selbst blieb demnach weiterhin nicht möglich. Das ist für die Interpretation wesentlich, weil das Meinungsbild nicht vollständig aus allen Teilen des betroffenen Territoriums gespiegelt wird.

Noch deutlicher als bei der Militärhilfe werden die Unterschiede bei der humanitären Unterstützung für Gaza. Das Pew Research Center beschreibt, dass die USA humanitäre Hilfe sowohl über bilaterale Kanäle als auch über die UN-Organisation UNRWA an palästinensische Zivilisten in Gaza liefern. Zusätzlich habe es zuvor Unterstützung über eine inzwischen nicht mehr existierende Organisation gegeben. Für das Jahr 2025 nennt der Bericht etwa 496 Millionen US-Dollar an ausländischer Unterstützung, die direkt an das Westjordanland und nach Gaza ausgezahlt wurden; ein großer Teil davon wird als humanitäre Hilfe charakterisiert. In Israel äußern sich die Befragten dann auffällig kritisch: Rund 52% sagen, die USA leisteten „zu viel“ humanitäre Hilfe für Gaza; nur 18% bewerten die Menge als „richtig“ und 19% als „nicht genug“. Besonders ausgeprägt ist dies bei israelischen Juden: 64% sehen „zu viel“. Bei israelischen Arabern sind es dagegen nur 8%, während 67% sagen, die USA lieferten zu wenig humanitäre Hilfe für palästinensische Zivilisten.

Auch hier spielen politische Loyalitäten und Alter eine Rolle. Laut Bericht sind bei israelischen Juden diejenigen, die Netanyahus Regierungskoalition unterstützen, überdurchschnittlich häufig der Ansicht, die USA stellten „zu viel“ humanitäre Hilfe bereit (76%). Bei Befragten, die diese Unterstützung nicht teilen, liegt der Anteil bei 50%. Unter jüngeren israelischen Juden (18 bis 34) sagen zudem etwa drei Viertel (74%), die USA lieferten zu viel; bei älteren Gruppen nennen sechs von zehn oder weniger diese Bewertung. Auf der palästinensischen Seite ist das Meinungsbild dagegen überwiegend gegen ein „zu viel“ gerichtet: Im Westjordanland und in Ostjerusalem sagen 70% der Palästinenser, die USA stellten „nicht genug“ humanitäre Hilfe für Zivilisten in Gaza bereit. Weitere 23% sind unentschlossen, während sehr wenige „zu viel“ (1%) oder die „richtige“ Menge (2%) angeben. Damit zeigt die Umfrage nicht nur zwei verschiedene Bewertungen derselben Akteure, sondern auch zwei unterschiedliche Interpretationen dessen, was als Ausgleich gelten könnte: Während in Israel ein Teil der Bevölkerung humanitäre Hilfe als überdimensioniert einordnet, wird sie im Westjordanland überwiegend als unzureichend erlebt.

Dass die Studie außerdem auf die Bewertung der langfristigen „Two-State“-Perspektive abzielt – Frieden zwischen Israel und einem unabhängigen palästinensischen Staat als mögliches Koexistenzmodell – macht die Ergebnisse strategisch relevant. Die Frage nach Hilfeleistungen ist in solchen Konflikten selten rein technischer Natur; sie steht fast immer für Grundfragen von Sicherheit, Anerkennung und Zukunftsoptionen. Für Entscheidungsträger und Medien bedeutet das: Wer nur auf einzelne Prozentwerte schaut, greift zu kurz. Die Kombination aus zeitlicher Erhebungsphase während eines Iran-bezogenen Kriegsumfelds, der differenzierten Messlogik („zu viel“, „nicht genug“, „gerade richtig“) und der starken Aufteilung nach Gruppen zeigt, wie sehr sich Wahrnehmungen im selben geopolitischen Kontext auseinanderbewegen. Gerade für Unternehmen und Organisationen, die humanitäre oder sicherheitsnahe Programme unterstützen, wird damit klar, dass Kommunikations- und Erwartungsmanagement nicht „one size fits all“ funktionieren kann, sondern stark vom Publikum abhängt.


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