SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Qualcomm rechnet für das vierte Quartal mit einem Gewinn unter den Schätzungen und erwartet, dass der Apple-Umsatz stärker zurückgeht als bislang angenommen. Der Chip-Konzern stellt zugleich in Aussicht, dass sein Datenzentrums- und Non-Handset-Geschäft bis zum Geschäftsjahr 2027 den entgangenen Apple-Umsatz vollständig kompensieren soll. Gründe sind unter anderem Lieferengpässe beim Komponentenanteil für das nächste iPhone, sowie steigende Kosten entlang der Lieferkette. Ab 1. September will Qualcomm außerdem die Preise anheben, um die Margen schrittweise wieder auf ein historisches Niveau zu bringen.

Qualcomms Ausblick fällt für Investoren gleich doppelt in die bekannte Smartphone-Realität: Das Unternehmen prognostiziert im vierten Quartal einen angepassten Gewinn unter dem Marktkonsens und erwartet außerdem, dass der Umsatz mit Apple-Produkten schneller sinkt als zuvor gedacht. Gleichzeitig versucht der Konzern, die Erwartungslücke mit einer klaren Gegenstrategie zu schließen. Das Datenzentrums- und sonstige Non-Handset-Geschäft soll bis zum Geschäftsjahr 2027 den gesamten Apple-Bezug aus dem Geschäftsjahr 2026 ersetzen. Damit rückt Qualcomm in seiner Planung die Abhängigkeit von einzelnen Smartphone-Zyklen stärker in den Hintergrund – auch wenn der operative Druck im aktuellen Quartal spürbar bleibt.
Technisch und wirtschaftlich hängt der kurzfristige Gegenwind an zwei miteinander verknüpften Mechanismen: Lieferverfügbarkeit und Preislogik. Qualcomm erwartet, dass Versorgungsengpässe den Anteil der Komponenten, die für die nächste iPhone-Generation eingesetzt werden, deutlich unter die frühere Zielmarke von 20% drücken. CEO Cristiano Amon begründet das Timing mit der Lieferrealität, nicht mit der Nachfrage. Parallel kündigt Qualcomm Preisanpassungen ab dem 1. September an, um die Margen wieder in Richtung historischer Werte zu bewegen. Der Kernpunkt: Das Unternehmen sieht steigende Kosten entlang der Lieferkette, die zeitversetzt über Verhandlungen mit jedem Kunden in den Preis wandern – dieses Auseinanderlaufen von Kosten und Preissignalen wirkt laut Management kurzfristig auf die Bruttomarge.
Die Zahlen, mit denen Qualcomm diese Story unterlegt, sind konkret genug, um die Relevanz für die Quartalskommunikation zu verstehen. Für das vierte Quartal nennt das Unternehmen einen angepassten Gewinn von 2,05 bis 2,25 US-Dollar je Aktie, während Analysten im Durchschnitt 2,36 US-Dollar erwarten. Auch beim Umsatz erwartet Qualcomm eine Bandbreite von 9,7 bis 10,5 Mrd. US-Dollar gegenüber einer Schätzung von 10,02 Mrd. US-Dollar. Im Chipsegment peilt Qualcomm 8,4 bis 9,0 Mrd. US-Dollar an; der Markt liegt bei 8,49 Mrd. US-Dollar. Für das Handset-Geschäft beziffert das Unternehmen den Umsatz auf rund 5,2 Mrd. US-Dollar – gestützt durch Wachstum bei Android, aber belastet durch einen niedrigeren Apple-Umsatz.
Interessant ist dabei weniger die reine Handset-Zahl als die Art, wie Qualcomm die Margenrisiken beschreibt. Amon macht deutlich, dass Smartphone-Hersteller gezwungen waren, Preise zu erhöhen. In der Folge hätten Käufer sich stärker dem unteren Ende im Premium-Segment oder sogar älteren Modellen zugewandt, was die Margenbelastung für Qualcomm verstärkt. Dieses Muster zeigt sich auch im Vergleich der Segmententwicklung: Im dritten Quartal sank der Umsatz der Handset-Einheit um 20% auf 5,09 Mrd. US-Dollar, obwohl das Ergebnis leicht über einer erwarteten 4,96 Mrd. US-Dollar lag. Qualcomms Argumentation läuft damit auf ein klassisches Tech-Ökosystem-Thema hinaus: Preisbewegungen im Endkundensegment schlagen direkt auf Plattformpartner wie Chip-Lieferanten durch, selbst wenn Stückzahlen sich teilweise erholen.
Der strategische Teil des Updates liegt jedoch im Datenzentrum. Für das Geschäftsjahr 2027 geht Qualcomm davon aus, dass die Mehrheit der Chips nicht mehr aus Smartphone-Kategorien stammen wird. CFO Akash Palkhiwala sagte dabei, Wachstum in den Non-Handset-Geschäften solle sämtliche Apple-Umsätze aus dem Geschäftsjahr 2026 ersetzen. Gleichzeitig nennt das Unternehmen Zielwerte für den KI-getriebenen Rechenzentrumsmarkt: 5 Mrd. US-Dollar Umsatz bis zum Geschäftsjahr 2027 und 15 Mrd. US-Dollar bis 2029. Das ist weniger ein kurzfristiger Finanzhebel als ein Build-Plan für die nächste Chip-Generation – und genau deshalb betont Qualcomm Umsetzungsschritte wie die begonnene Wafer-Produktion bei zwei kundenspezifischen Deals mit Hyperscalern.
Über den Produktionsstart hinaus beschreibt Qualcomm Fortschritte in der eigenen Chip-Entwicklung, die für die Leistungsfähigkeit in Rechenzentren entscheidend sind. Das Unternehmen hat laut Management das Tape-out der ersten Generation eines High-Bandwidth-Compute-Chips abgeschlossen; dabei sollen Compute und Speicher in einem einzigen Paket kombiniert werden. Start der Auslieferung bzw. Verfügbarkeit ist für die Mitte 2027 geplant. Damit adressiert Qualcomm einen technischen Engpass, der in modernen KI-Workloads typischerweise besonders teuer wird: Nicht nur Rechenleistung zählt, sondern auch Speicherbandbreite und Paketierungs-Design, weil Datenbewegung oft zum Bottleneck wird. Im Ergebnis zeigt die Kommunikation zwei zeitliche Ebenen: kurzfristig wirkt das Smartphone-Geschäft dämpfend, langfristig soll die KI- und Datenzentrums-Roadmap die Umsatzstruktur neu gewichten.
Für die Branche bedeutet das vor allem eines: Der Wettbewerb um Rechenzentrums-Compute findet parallel zur Smartphone-Sättigung statt, und Partner müssen ihre Produktportfolios gegen Liefer- und Preiszyklen absichern. Wenn Qualcomm die Preise ab September anhebt und gleichzeitig Lieferanteile für das iPhone-Programm an neue Realitäten anpasst, wird sichtbar, wie stark die Bilanz der Chipindustrie von Timing-Entscheidungen abhängt. Zugleich wirkt die Zielsetzung, Apple im Umsatzmix bis 2027 vollständig zu ersetzen, wie eine strategische Entkopplung von einzelnen Plattformen. Ob diese Entkopplung im Markttempo aufgeht, hängt nicht nur vom Chip-Design ab, sondern auch davon, wie schnell Kunden die kundenspezifischen Designs in Produktion bringen und welche Workloads die erwartete Auslastung im Datenzentrum erreichen.
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