LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft meldet für das Geschäftsjahr 2025/26 deutlich höhere Umsätze und Gewinne. Besonders Azure wächst währungsbereinigt um 43 Prozent und erreicht erstmals erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar. Nachbörslich reagiert die Aktie zeitweise mit einem Plus von bis zu drei Prozent. Gleichzeitig rückt der Copilot-Fortschritt in den Fokus, während OpenAI als Konzentrationsrisiko im Raum steht.

Der Kursrutsch in einem schwächelnden Technologiesektor sorgt bei Anlegern oft erst einmal für Zurückhaltung. Genau in dieses Umfeld fällt Microsofts Zahlenwerk zum Geschäftsjahr 2025/26, das laut Unternehmensangaben und Unternehmensberichterstattung mit Rekordwerten bei Azure und einer deutlich verbesserten Ertragslage punktet. In der Sitzung nach Börsenschluss reagierte die Microsoft-Aktie zeitweise mit einem Anstieg von bis zu drei Prozent, nachdem der Wert seit Jahresbeginn um fast ein Fünftel nachgegeben hatte. Für viele Investoren war damit weniger die Schlagzeile entscheidend als das Muster: Wachstum in der Cloud, das sich auch in der Gewinnentwicklung widerspiegelt.
Beim Blick auf die großen Kennzahlen zeigt sich die Breite des Ergebnisschubs. Microsoft steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2025/26 um 18 Prozent auf 332 Milliarden US-Dollar. Operativ verdiente der Konzern 155 Milliarden US-Dollar, rund ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich blieb mit knapp 134 Milliarden US-Dollar ein deutlich höherer Jahresgewinn übrig als zuvor; im Bericht heißt es dabei, es handle sich um einen der höchsten Jahresgewinne der Unternehmensgeschichte. Entscheidend ist dabei weniger nur die absolute Zahl, sondern auch die Tatsache, dass mehrere operative Treiber zusammenwirken: höhere Erlöse, gleichzeitig sinkende Kosten und ein Ergebnisbeitrag aus der KI-Welt.
Im vierten Quartal lagen die Kerndaten ebenfalls über dem Vorjahresniveau: Der Umsatz stieg um 17,7 Prozent auf 90 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn kletterte auf 35,77 Milliarden US-Dollar bzw. 4,81 US-Dollar je Aktie, nach 27,23 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Als Faktoren nennt das Unternehmen unter anderem einen Buchgewinn aus der Beteiligung an der KI-Firma Anthropic sowie niedrigere Kosten im Zusammenhang mit dem ersten freiwilligen Vorruhestandsprogramm des Konzerns. Für die Bewertung bedeutet das: Der operative Fortschritt ist nicht ausschließlich bilanziell getrieben, sondern wird durch die Dynamik in den zentralen Geschäftsbereichen untermauert.
Technisch und geschäftlich am wichtigsten bleibt jedoch die Cloud. Azure wuchs währungsbereinigt um 43 Prozent und damit schneller als die im Markt erwarteten 40 Prozent; außerdem markiert die Entwicklung den höchsten Zuwachs seit 2022, wie es in der Zahlenzusammenfassung heißt. Für das gesamte Geschäftsjahr knackte Azure erstmals die Schwelle von 100 Milliarden US-Dollar Umsatz. Damit steht Microsoft zwar weiterhin hinter Amazon Web Services, hat aber laut Angaben auch einen Wettbewerber überholt: Google Cloud von Alphabet. Diese Konstellation ist für die Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur deshalb besonders relevant, weil sie zeigt, dass Investitionen in Rechenzentren und KI-Workloads nicht nur im Hype stattfinden, sondern messbar in wiederkehrende Umsätze übersetzen.
Die Segmentdaten liefern dazu ein einheitliches Bild. Im Bereich Intelligent Cloud (Azure) lag der Umsatz bei 39,31 Milliarden US-Dollar, plus 31,6 Prozent. Productivity and Business Processes (Office, LinkedIn, Dynamics) legten auf 37,85 Milliarden US-Dollar zu, plus 14,3 Prozent. More Personal Computing (Windows, Xbox, Surface) sank zwar um 4,4 Prozent auf 12,85 Milliarden US-Dollar, lag aber dennoch über dem im Konsens erwarteten Ergebnis. Zusätzlich unterstreichen Remaining Performance Obligations die Planbarkeit: Die vertraglich gesicherten, noch nicht realisierten Umsätze stiegen um 8 Prozent auf 678 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen ordnet den Zuwachs vor allem Kunden außerhalb der KI-Modellentwickler zu, was auf eine breitere IT-Nachfrage hindeutet, nicht nur auf Ausgaben von wenigen KI-Playern.
Während Azure und die Vertragsbasis die operative Story stützen, bleibt ein zweiter Block für die Analystenkommunikation zentral: das Thema Konzentration. In den Zahlen wird beschrieben, dass rund 45 Prozent der kommerziellen Auftragsbestände an OpenAI gebunden waren. Deutsche-Bank-Analysten hatten laut Bericht bereits zuvor in einer Kaufempfehlung explizit auf dieses Konzentrationsrisiko verwiesen, insbesondere im Kontext aufstrebender Open-Source-Modelle. Dass Copilot hier als Gegenargument dient, ist ebenfalls in den Kennzahlen sichtbar: Die Zahl der zahlenden Nutzer des KI-Assistenten für Microsoft 365 stieg von 20 Millionen im Juli auf über 30 Millionen. Damit verschiebt sich der Fokus von der Infrastruktur hin zu der monetarisierten KI-Nutzung im Arbeitsplatz, was für die Profitabilität langfristig bedeutsam sein kann.
Für die weiteren Jahre richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Kapazitätsverteilung zwischen Cloud-Kunden und eigener KI-Forschung. Für das kommende Wachstumsszenario rechnen von Bloomberg befragte Analysten im Geschäftsjahr 2028/29 mit einem Umsatz von rund 550 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von rund 200 Milliarden US-Dollar. Der konkrete Pfad hängt allerdings an der Mischung aus Hyperscale-Nachfrage, Enterprise-Modernisierung und der Fähigkeit, KI-Features in bestehende Produkte wie Microsoft 365 dauerhaft einzubetten. Die Analystenkonferenz soll dazu laut Zeitangabe am Mittwochabend um 17:30 Uhr Ostküstenzeit Details liefern. Aus Anlegersicht dürfte dabei weniger die eine Zahl zählen, sondern die Frage, wie robust das Modell bleibt, wenn KI-Ökosysteme sich schneller verzweigen als bisher.
Für Unternehmen ist die Meldung auch in der Praxis ein Signal: Wer auf Cloud-Services setzt, erhält mit Azure-Tempo und wachsendem Vertragsbestand eine Grundlage für Planungs- und Migrationsprojekte. Gleichzeitig zeigt die Diskussion um OpenAI, dass Abhängigkeiten in KI-Ökosystemen real sind und in Bewertungsmodellen Einfluss nehmen können. Der Copilot-Nutzeranstieg deutet zudem darauf hin, dass KI-Funktionen im Produktivalltag inzwischen skalieren können. Damit wird die Investitionsdebatte in Rechenzentren und KI-Workloads nicht nur zur Technologiethematik, sondern auch zu einem Thema für Produktumsätze und Bindung im Unternehmenssoftwaremarkt.
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