LONDON (IT BOLTWISE) – Ein KI-System hat einen Angriff auf das vorgeschlagene HAWK-Signaturschema aufgedeckt, der die effektive Schlüsselstärke für den kleinsten Parameterbereich halbiert. Die Suche nach einem verwertbaren Schlüssel kostete laut Angaben rund 60 Stunden Rechenzeit und etwa 100.000 US-Dollar. Während bestehende Bitcoin- und Ether-Signaturen davon nicht direkt betroffen sind, verstärkt das Ergebnis den Druck, kryptografische Migrationstermine für post-quantenresistente Verfahren ernsthaft zu planen. Zusätzlich hat die KI Angriffe auf ein geschwächtes AES-Setup sowie Teilverbesserungen bei Poseidon abgeleitet.

Der nächste Stress-Test für die sogenannte Post-Quanten-Kryptografie kommt nicht aus dem Quantenlabor, sondern aus einem KI-gestützten Kryptanalyse-Workflow. Im Kern geht es um HAWK: ein vorgeschlagenes Digitalsignaturverfahren, das in einer späteren Umstellung die heute genutzten Signaturschemata in Web- und Zahlungsumgebungen ersetzen soll. Laut den vorliegenden Angaben entdeckte ein Modell aus dem Umfeld von Anthropic eine Angriffsstrategie, die die effektive Schlüsselstärke für den kleinsten HAWK-Parameterbereich in etwa halbiert. Das klingt zunächst nach einer rein akademischen Stellschraube; bei Signaturen entscheidet aber schon eine scheinbar kleinere Änderung über die Größenordnung des Aufwands, bis ein Schlüssel praktikabel kompromittiert werden kann.
Technisch betrachtet funktioniert eine Digitalsignatur so, dass ein Signatur-Algorithmus eine Nachricht an einen konkreten privaten Schlüssel „bindet“ und jede Verifikation zeigt, dass die Signatur genau aus diesem Schlüssel-Kontext stammt. Bitcoin nutzt zwar ein anderes Signaturprinzip für Transaktionen, und auch Ether setzt auf elliptische Kurvensignaturen; beide Systeme waren in der beschriebenen Untersuchung ausdrücklich nicht das Ziel. Der relevante Punkt liegt vielmehr darin, dass HAWK als Kandidat überhaupt die Eigenschaft erfüllen muss, auch gegen verbesserte klassische Angriffe ausreichend reserviert zu sein – selbst wenn der große Bedrohungsimpuls von Quantencomputern kommt. In der Nachricht wird dazu konkret: Für den kleinsten Parameterbereich sank der erwartete Aufwand zur Schlüsselrückgewinnung von etwa 2^64 Operationen auf etwa 2^38 Operationen. Größere Schlüssel bleiben demnach angreifbar nur mit unpraktischen Kosten; dennoch macht die notwendige „Kompensation“ über größere Parameter HAWK weniger attraktiv, weil der Performance-/Kosten-Vorteil dann größtenteils aufgezehrt wird.
Für die Markt- und Netzwerkplanung ist zusätzlich entscheidend, dass diese Erkenntnisse zeitlich in eine Phase fallen, in der Kryptowährungsprojekte ihre Migrationspfade konkretisieren. Auf Bitcoin-Ebene wird in der Quelle zwischen zwei Vorschlägen unterschieden: BIP-360 zielt darauf, quantumresistente Adressen vorzubereiten, und greift dafür auf drei von NIST standardisierte Algorithmen zurück. Dazu kommt ein Design-Mechanismus mit mehreren vorgesehenen Optionen, damit Nutzer im Fall eines später entdeckten Bruchs nicht vollständig festgenagelt sind. Demgegenüber argumentiert BIP-361 als Begleitvorschlag, dass das Zeitfenster für eine Migration kleiner werde, weil sich kryptografische Angriffe fortlaufend verbessern können – in der Nachricht wird hierfür eine bis zu 20-fache Steigerung der Angriffswirkung erwähnt. Die HAWK-Ergebnisse passen damit in eine Linie: Nicht Quantenleistung, sondern die Geschwindigkeit klassischer Kryptoanalyse rückt als Taktgeber näher an die Engineering-Planung heran.
Auch für Entwicklerinnen und Entwickler ist das Begleitmaterial der Meldung relevant, weil es zeigt, wie breit das KI-gestützte Vorgehen in unterschiedlichen Primitive-Formen ansetzen kann. Neben HAWK wird eine zweite Resultatlinie genannt: Verbesserungen für einen bewusst geschwächten AES-Setup, der in Wallet-Dateien oder anderen Schutzmechanismen der Branche als Blockchiffre vorkommt. Dabei werden Faktoren von etwa 200 bis 800 für die Verbesserung genannt – ein Hinweis darauf, dass die Methode nicht nur „an einem einzelnen Punkt“ ansetzt, sondern ein Muster findet, wie Parameter oder Annahmen das Sicherheitsniveau messbar beeinflussen. Noch spannender ist die dritte Schiene: Bei Poseidon, einem Hash-Verfahren, das in vielen Zero-Knowledge-Proof-Systemen eine Rolle spielt, beschreibt die Quelle zwar auch eine Verbesserung, aber auf einem niedrigeren Niveau – unter der Größenordnung von „zehnfach“ gegenüber der Referenz. Damit wird zugleich sichtbar, dass KI-Entdeckungen nicht überall die gleiche Wirkung entfalten: Der Angriffsraum ist je nach Struktur und Abhängigkeitskette unterschiedlich.
Bemerkenswert ist zudem der Ablauf innerhalb des KI-Prozesses selbst. Laut Bericht hat Claude das AES-Problem anfangs zunächst abgelehnt und dabei „Genuine Hard“-Argumente verwendet; erst nach weiteren kurzen Prompts kam die Verbesserung zustande. In der Quelle heißt es außerdem, dass dabei extrem viele Tokens in Output über mehrere Tage hinweg produziert wurden und dass die Verifikation der Ergebnisse anschließend nicht trivial war: Zwei Forschende hätten dafür fast einen Monat gebraucht, bevor die Ergebnisse als belastbar eingeordnet werden konnten. Für die Praxis ist diese Trennung wichtig. Ein KI-System kann rechnerisch Vorschläge liefern, aber die Sicherheitstechnik steht und fällt mit der unabhängigen Validierung, weil kleinere Modellfehler, falsche Annahmen oder unvollständige Begründungen in Kryptografie schnell zu falschen Schlussfolgerungen führen. Gerade deshalb ist die Koordination mit den HAWK-Autoren im Juni sowie eine abgestimmte Veröffentlichung über eine NIST-nahe Kommunikationsschiene ein Signal dafür, dass hier eine nachvollziehbare Disclosure-Praxis eingehalten werden soll.
Auf die unmittelbare Kette für Krypto-Engineering übersetzt sich das in zwei Punkte: Erstens bleiben Bitcoin- und Ether-Signaturen in der beschriebenen Untersuchung unberührt, weil sie von elliptischen Kurvensignaturen gestützt werden und die genannten Angriffe diese Zielgruppe nicht adressierten. Zweitens wird die Aufmerksamkeit auf die generische Frage gelenkt, wie schnell Sicherheitsannahmen altern, wenn klassische Kryptoanalyse durch KI-gestützte Automatisierung beschleunigt wird. Die Meldung nennt als Kontext zusätzlich, dass eine Datenschutz-Blockchain (Zcash) einen Upgrade-Zyklus aktiviert hat, der auf wiederherstellbare Shielded-Pools setzt, falls Quantencomputer verfügbar werden. In so einer Phase wirken KI-gestützte Angriffe wie ein zusätzlicher Prüfriemen: Sie testen nicht nur die Quantenresistenz, sondern auch die Robustheit gegen besser strukturierte klassische Angriffsstrategien – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Migration länger dauert oder mehr Parameterwechsel nötig macht, als ursprünglich angenommen.
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