LONDON (IT BOLTWISE) – Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Christian Schuchardt, drängt auf deutlich höhere dauerhafte Fördermittel von Bund und Ländern. Er macht klar, dass Kommunen Hitzevorsorge wie Entsiegelung, Stadtgrün und Wasserretentionsflächen mit den bisherigen Strukturen nicht allein finanzieren können. Schuchardt spricht von Milliardensummen bundesweit und kritisiert, dass Förderprogramme bislang nicht für eine umfassende Umsetzung reichen. Unterm Strich soll die Finanzierung von kommunalen Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepten planbar werden.

In den Städten rückt die Frage vom „Wie machen wir’s?“ immer stärker in den Hintergrund, weil die Finanzierung die eigentliche Bremse setzt: Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, fordert Bund und Länder dazu auf, Klimaanpassungsmaßnahmen der Kommunen deutlich stärker als bislang zu unterstützen. Sein Ausgangspunkt ist dabei nicht nur die lokale Betroffenheit durch Hitze, Starkregen oder trockene Sommer, sondern die Größenordnung der nötigen Investitionen über Jahre hinweg. Er beschreibt Klimaanpassung als Daueraufgabe „für Jahrzehnte“ und knüpft daran eine klare Forderung nach stabilen Rahmenbedingungen, damit Kommunen nicht jedes Haushaltsjahr bei Null beginnen müssen.
Technisch betrachtet entsteht Klimaanpassung in Kommunen nicht als einzelne Maßnahme, sondern als Bau- und Betriebsprogramm: Entsiegelungen senken Oberflächentemperaturen und verbessern die Versickerung, Stadtgrün wirkt durch Verdunstungseffekte, und Wasserretentionsflächen schaffen Puffer bei Starkregenereignissen. Genau diese Bausteine nennt Schuchardt als Beispiele dafür, worum es geht, wenn kommunale Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte umgesetzt werden sollen. Entscheidend ist dabei, dass solche Projekte typischerweise mehrere Planungshorizonte verbinden: Die Flächen müssen ausgewählt, rechtlich abgestimmt, baulich umgesetzt und anschließend über Jahre unterhalten werden. Ohne verlässliche Mitfinanzierung entsteht in der Praxis eine Projektspirale aus Verzögerungen, geänderten Prioritäten und teureren Nachsteuerungen.
Schuchardt spricht in dem Zusammenhang „unterm Strich“ von Milliardensummen bundesweit, die investiert werden müssten. Die Zahl ist weniger als exaktes Budget-Statement zu verstehen, sondern als Hinweis auf die Dimension dessen, was in den kommunalen Haushalten bislang oft nur eingeschränkt abbildbar ist. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die bisher üblichen Finanzierungsstrukturen nicht ausreichen: Mit den „herkömmlichen“ Wegen der Mittelbereitstellung ließen sich weder Umfang noch Geschwindigkeit realisieren. Damit verschiebt sich die Debatte weg von kurzfristigen Förderfenstern hin zu einem System, das dauerhafte Programme über mehrere Legislaturperioden ermöglicht.
Auch die Markt- und Umsetzungsseite spielt hinein: Wenn Kommunen auf Förderprogramme angewiesen sind, die zeitlich oder in der Reichweite begrenzt sind, werden Kapazitäten in Landschafts- und Bauprojekten häufig erst dann hochgefahren, wenn Mittel tatsächlich abrufbar sind. Das kann zu Projektstau führen und bei knappen Personal- und Materialressourcen die Kosten über die Jahre erhöhen. Schuchardt ergänzt diese Perspektive um einen zweiten Engpass: Aufgrund der „dramatischen Finanzlage“ der Kommunen fehlten Investitionsmittel vor Ort. Anders gesagt: Selbst wenn bundes- und landesweite Programme existieren, kann die Lücke zwischen Förderlogik und kommunaler Zahlungsfähigkeit dazu führen, dass Planung zwar läuft, der Spatenstich aber nicht im gewünschten Tempo gelingt.
Der Kern seiner Argumentation ist deshalb die Forderung nach planbarer Mitfinanzierung: Kommunen sollten erreichen, dass die Umsetzung von kommunalen Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepten dauerhaft und verlässlich von Bund und Ländern mitgetragen wird. Bestehende Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene reichten „für diese umfassende Umsetzung“ nicht aus, sagt Schuchardt. In der Folge wird die Organisation der Investitionen selbst zum politischen und administrativen Thema: Wenn Förderprogramme nicht ausreichen, braucht es entweder neue Finanzierungsinstrumente oder eine grundlegende Anpassung der bestehenden Logiken, damit Konzepte nicht nur genehmigt, sondern langfristig betrieben werden können.
Historisch betrachtet ist dieses Muster aus mehreren politischen Zyklen bekannt: Zuerst wird ein Instrumentarium geschaffen oder ausgebaut, dann zeigen sich in der Umsetzung Lücken bei Verfügbarkeit, Kontinuität und Anschlussfähigkeit. Bei der Klimaanpassung kommt hinzu, dass viele Maßnahmen lokal-physisch gebunden sind und daher weniger „warteschlangenfähig“ sind als etwa reine Beratungs- oder Pilotprojekte. Je länger die Finanzierung nicht skaliert, desto eher verschieben sich Pflichtaufgaben in die Zukunft, was wiederum die Projektkosten und die Risiken für Bevölkerung und Infrastruktur erhöht. Genau darauf verweist Schuchardt, wenn er Klimaanpassung als existenzielle Zukunftsaufgabe einordnet und die Städte auf die Notwendigkeit größerer, stabiler Bundes- und Landesbeiträge verweist.
Für Unternehmen und Projektierer in der kommunalen Umsetzung bedeutet das: Planungssicherheit ist mindestens so wichtig wie die technische Machbarkeit. Wer Straßenumbauten, Entsiegelungsmaßnahmen, Gründach- und Begrünungskonzepte oder die Gestaltung von Retentionsflächen umsetzt, braucht verlässliche Ausschreibungs- und Finanzierungszeitpunkte. Wenn Bund und Länder die Mitfinanzierung dauerhaft und planbar ausgestalten, steigt die Chance, dass Kommunen Programme nicht nur starten, sondern durchziehen – mit klarer Priorisierung, koordinierter Bauabfolge und weniger Nachkalkulation. In der laufenden Debatte entscheidet sich damit auch, ob Klimaanpassung in Deutschland in eine stabile Umsetzungsroutine übergeht oder weiter in Förderlogiken und Haushaltsrestriktionen „zweitaktig“ bleibt.
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