FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle DACH-Umfrage zeigt deutliche Unterschiede bei der Nutzung von Kryptowährungen zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Deutschland greifen 11 Prozent zumindest gelegentlich zu Krypto, in Österreich sind es 18 Prozent und in der Schweiz 23 Prozent. Gleichzeitig bleibt das Vertrauen in staatliche Währungen hoch, während das Interesse an digitalen Zentralbankwährungen (CBDC) in der Schweiz besonders stark ausfällt. Für Finanzdienstleister heißt das: Der Markt ist nicht „anti-digital“, aber sicherheits- und vertrauensgetrieben.

Die DACH-Landschaft ist bei digitalen Werten nicht „einfach gespalten“, sondern vor allem nach Nutzungsniveau gestaffelt. Laut einer BearingPoint-Umfrage auf Basis einer Online-Befragung des Marktforschungsinstituts YouGov liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Kryptowährungen in deutlich unterschiedlichen Geschwindigkeiten. In Deutschland nutzen 11 Prozent der Bevölkerung Kryptowährungen zumindest gelegentlich, Österreich kommt auf 18 Prozent, die Schweiz auf 23 Prozent. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein Gradientenmodell, wird aber bei der Frage nach der Geldanlage noch konkreter: Wer Krypto nicht nur ausprobiert, sondern als Anlageoption einordnet, ist in der Schweiz deutlich häufiger überzeugt.
Diese Abstufung zeigt sich besonders dort, wo Neugier in tatsächliche Verwendung übergeht. Deutschland bleibt in der Studie ein Markt mit hoher Aufmerksamkeit, aber geringerer Alltagsnähe. Österreich liegt bereits spürbar darüber und positioniert sich als pragmatischer Mittelfeldmarkt. Die Schweiz setzt sich nicht nur bei der Nutzung an die Spitze, sondern auch bei der Bewertung von Kryptowährungen als Anlageform: Während in Deutschland 23 Prozent der Befragten Krypto als geeignet einschätzen, sind es in Österreich 28 Prozent und in der Schweiz 37 Prozent. Daraus folgt eine wichtige Marktinterpretation für Finanzhäuser: Nicht allein „Digitalkompetenz“ entscheidet, sondern wie schnell sich Vertrauen in konkrete Anwendungsfälle übersetzt.
Gleichzeitig versucht die Erhebung, eine mögliche Fehlannahme zu entkräften: Krypto-Affinität bedeutet in dieser Sichtweise keinen pauschalen Vertrauensverlust gegenüber staatlichem Geld. Staatliche Währungen bleiben in allen drei Ländern der Stabilitätsanker; 84 Prozent der Deutschen halten staatliche Währungen für ein gutes oder sehr gutes Zahlungsmittel, in Österreich sind es 87 Prozent, in der Schweiz 80 Prozent. Auch bei Gold wird dieses Muster sichtbar, wenn auch anders begründet: Als klassischer Wertspeicher genießt es über Altersgruppen hinweg Akzeptanz und wird beim Inflationsschutz häufiger als verlässlich eingeschätzt als Kryptowährungen. Für Unternehmen ist die Botschaft damit klar: Der Krypto-Markt wächst in der Studie nicht als Ersatz für etablierte Wertspeicher, sondern parallel zu ihnen.
Aus dieser Parallelität leitet die Studie einen naheliegenden Anschluss ab: Genau hier öffnet sich ein Fenster für digitale Zentralbankwährungen. Das Interesse an einer CBDC liegt in Deutschland bei 29 Prozent, in Österreich bei 38 Prozent und in der Schweiz bei 44 Prozent. Damit entsteht ein Trend, der sich nicht nur auf Krypto beschränkt, sondern auf „staatlich gestützte digitale Optionen“ zielt. Wenn Krypto in der Bevölkerung eher selektiv genutzt wird, digitale Zentralbankwährungen aber auf höhere Akzeptanz treffen, verschiebt sich die Produktlogik: Unternehmen, die digitale Geldformen anbieten, müssen nicht nur technische Pfade erklären, sondern vor allem Sicherheits- und Vertrauensversprechen sichtbar machen. Dr. Robert Bosch, globaler Leiter Financial Services bei BearingPoint, bringt diesen Punkt auf den Punkt, indem er den Unterschied zwischen risikoarmer Abwägung und bereits stärkerer Investitionsbereitschaft in der Region hervorhebt.
Unterhalb der Ländergrenzen zeichnet sich außerdem ein zweiter, stabiler Faktor ab: Kryptowährungen wirken weiterhin stärker männlich geprägt. In Deutschland nutzen 15 Prozent der Männer Kryptowährungen gelegentlich bis täglich, aber nur 6 Prozent der Frauen. In Österreich liegt das Verhältnis bei 26 zu 10 Prozent, in der Schweiz bei 31 zu 15 Prozent. Damit ist der Gender Gap kein deutsches Einzelphänomen, sondern ein übertragbares Muster in der gesamten DACH-Stichprobe. Daneben spielen Alter, Bildung und Einkommen eine sichtbare Rolle: Besonders die 18- bis 24-Jährigen nutzen Kryptowährungen deutlich häufiger; in dieser Gruppe liegt der Anteil bei rund jedem Dritten. Die Studie ordnet das als generationellen Wandel ein, der schrittweise in den Gesamtmarkt hineinarbeitet statt als breitflächiger „Alle-tragen-es“-Trend.
Auch sozioökonomische Unterschiede sind in den Ergebnissen nicht zufällig verteilt. In der deutschen Detailauswertung wird deutlich, dass höhere finanzielle Spielräume und formale Bildung mit einer höheren Bewertung von Kryptowährungen als Anlageoption einhergehen: In Haushalten mit einem Nettoeinkommen von 4.000 Euro und mehr liegt die Zustimmung zur Anlageeignung bei rund 37 Prozent, in Haushalten unter 2.000 Euro bei rund 17 Prozent. Ähnlich differenzieren Bildungsniveaus: Befragte mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss bewerten Kryptowährungen mit rund 30 Prozent deutlich häufiger als Personen mit Lehre oder vergleichbarem Abschluss, bei denen der Wert bei rund 16 Prozent liegt. Für Finanzentscheider ist das vor allem operativ relevant, weil es das „Marketingproblem“ in Richtung Produkt- und Beratungsdesign verschiebt: Wer Zielgruppen unterschiedlich trifft, braucht unterschiedliche Erklärungstiefe, Risikoübersetzung und Benutzungskonzepte.
Die strategische Dimension geht in der Studie jedoch über heutige Nutzungsraten hinaus. In allen drei Ländern halten relevante Teile der Bevölkerung Kryptowährungen künftig für wahrscheinlich mit einer Funktion im internationalen Finanzsystem. 32 Prozent der Deutschen, 36 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sowie 45 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sehen es als wahrscheinlich an, dass Kryptowährungen eine Funktion als internationale Handels- oder Reservewährung übernehmen. Bemerkenswert ist dabei, dass die Schweiz diese Einschätzung nicht nur bei Nutzung und Anlageakzeptanz teilt, sondern auch bei der Einschätzung geopolitischer Relevanz stärker ausprägt. Für die Praxis folgt daraus: Kryptowährungen sind im Alltag laut Studie kein Massenphänomen, aber bereits mehr als ein Randthema. Dr. Bosch resümiert entsprechend, dass die Zukunft davon abhängt, ob sich Vertrauen, Regulierung und Nutzerfreundlichkeit zusammenbringen lassen.
Technisch betrachtet lässt sich diese Gemengelage als „Akzeptanz-Stack“ verstehen: Nutzer müssen nicht nur Transaktionen verstehen, sondern auch mit Blick auf Sicherheit, Ausfallszenarien und regulatorische Klarheit Vertrauen aufbauen. Genau deshalb ist der Blick auf CBDC in der Studie so stark, denn CBDC adressiert potenziell den Konflikt zwischen digitaler Innovation und dem Bedürfnis nach institutioneller Sicherheit. Gleichzeitig bleibt Gold als vertrauter Wertspeicher ein Benchmark dafür, wie Risiko- und Inflationsschutz im Kopf vieler Menschen bewertet werden. Unternehmen, die digitale Zahlungslösungen oder KI-gestützte Analyse- und Beratungsfunktionen rund um Krypto und CBDC entwickeln, bekommen damit eine klare Zielrichtung: nicht nur „Feature-Parität“, sondern ein messbarer Mehrwert im Vertrauen, in der Transparenz der Risiken und in der Nutzerführung. Die Studie selbst basiert auf Befragungen im Zeitraum 18. bis 29. Juni 2026 mit 2.031 Personen in Deutschland, 1.003 in Österreich und 1.001 in der Schweiz; die Ergebnisse wurden nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und gewichtet und sind damit für die jeweilige Wohnbevölkerung ab 18 Jahren repräsentativ.
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