STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – TAKKT meldet für das zweite Quartal 2026 einen Umsatzrückgang, schreibt aber die Stabilisierung der Entwicklung fort. Organisch liegt das Minus nach Wechselkurseffekten im ersten Halbjahr bei 5,4 Prozent, die bereinigte EBITDA-Marge steigt auf 3,3 Prozent. Treiber sind vor allem das fortgesetzte Kostenmanagement sowie Fortschritte im Industrial & Packaging- und Büroausstattungs-Geschäft. Gleichzeitig bleibt Foodservices deutlich unter Vorjahr, während der Portfolioabbau durch den Verkauf von XXLhoreca weiterläuft.

TAKKT stellt im Halbjahresbericht 2026 klar, dass sich das Unternehmen trotz volatiler Rahmenbedingungen auf Stabilisierung statt auf aggressives Wachstum fokussiert. Der Konzern erwirtschaftete im zweiten Quartal 228,1 Millionen Euro Umsatz nach 240,3 Millionen Euro im Vorjahr; auch wenn der Rückgang bleibt, beschreibt die Gruppe den Trend als zunehmend kontrollierbar. Besonders relevant ist dabei die Unterscheidung zwischen Wechselkurs- und operativer Entwicklung: Organisch lag die Wachstumsrate im zweiten Quartal bei minus 4,1 Prozent. Im ersten Halbjahr summierte sich der Umsatz auf 453,8 Millionen Euro nach 491,7 Millionen Euro – und damit auf eine organische Entwicklung von minus 5,4 Prozent, belastet um 2,3 Prozentpunkte durch Wechselkurseffekte.
Ein zentraler Hebel sitzt laut TAKKT an einer Stelle, die für Omnichannel-Händler oft unterschätzt wird: dem Zuschnitt des operativen Portfolios. Im Bericht wird explizit auf die Einstellung des Projektgeschäfts in der Foodservices (FS) Division als Belastungsfaktor verwiesen; diese Maßnahme erklärt einen Teil des organischen Rückgangs. Noch deutlicher wird die Differenz zwischen den Divisionen im Verlauf des ersten Halbjahrs: Industrial & Packaging (I& P) erzielte organisch minus 4,6 Prozent. Nach einem erwartbar verhaltenen Start stabilisierte sich das Geschäft im zweiten Quartal spürbar, blieb jedoch leicht negativ; vor allem Deutschland wird als Grund für Umsatzrückgänge genannt. Im Gegensatz dazu zeigt sich in den USA ein leichter Rückenwind: Office Furniture & Displays (OF& D) legte organisch um plus 0,9 Prozent zu, wobei das Display-Geschäft knapp unter Vorjahr lag.
Während die eine Seite stabilisiert, bleibt die andere strukturell unter Druck. Foodservices (FS) weist im Bericht für das erste Halbjahr ein organisches Minus von 13,7 Prozent aus; bereinigt um den Effekt der Einstellung des Projektgeschäfts liegt die Wachstumsrate bei minus 7 Prozent. Der Unternehmensausblick ist vor diesem Hintergrund eher konservativ formuliert: TAKKT erwartet für die zweite Jahreshälfte erneut Unsicherheit in den relevanten Märkten, insbesondere durch die weitere Entwicklung des Nahost-Konflikts und mögliche Auswirkungen auf Energiepreise, Inflation sowie die Investitionsbereitschaft der Kunden. Gleichzeitig signalisiert der Bericht anhand „verfügbarer Konjunkturindikatoren“ ein insgesamt verhaltenes Marktumfeld ohne zusätzliche Eintrübung. Genau dieses „Dämpfer“-Szenario passt zum Ton der Zahlen: Die Gruppe bestätigt die Prognose für eine organische Umsatzentwicklung zwischen minus 7 und plus 3 Prozent und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 2 und 5 Prozent.
Technisch betrachtet wirkt die Stabilisierung bei TAKKT weniger wie eine einzelne Marktwette und mehr wie eine Folge von Prozess- und Kostenanpassungen, die sich im Zahlenwerk sichtbar machen. Die Rohertragsmarge blieb nahezu unverändert: 39,6 Prozent nach 39,5 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig nennt das Management gezielt gegenläufige Effekte auf die Ergebnisstruktur: höhere Frachtkosten und steigende Einkaufspreise bei einzelnen Produktgruppen, insbesondere bei Verpackungen. Gegenwicht entstand im zweiten Quartal durch geänderte Bestimmungen bei Importzöllen in den USA. Auf der Kostenseite gelingt dem Konzern eine konkrete Ergebniswirkung: Durch konsequentes Kostenmanagement reduzierte TAKKT die bereinigten Kosten im ersten Halbjahr um rund 9 Millionen Euro. Zusätzlich wird das angekündigte „Operating Model“ als mehrjähriger Umbau beschrieben, der offenbar seit einem Jahr in I& P ausgerollt wird – mit höherem Automatisierungsgrad, mehr Flexibilität und einem Effizienzsprung.
Diese Effizienzlogik mündet in mehrere für die Unternehmenssteuerung relevante Kennzahlen. Der CFO Timo Krutoff beziffert Einsparungen bei der Kostenstruktur mit mindestens 30 Millionen Euro im Plan, verbunden mit der Anpassung der Strukturen an das geringere Geschäftsvolumen. Interessant ist auch der Umgang mit Einmalaufwendungen: Sie stiegen auf 6,0 Millionen Euro nach 4,0 Millionen Euro, und zwar im Zusammenhang mit Maßnahmen zur weiteren Effizienzsteigerung – insbesondere im Hinblick auf das Lagernetzwerk in Europa. Operativ zeigt sich das Ergebnisbild im laufenden Jahr klar: Das EBITDA lag bei 9,0 Millionen Euro nach 16,9 Millionen Euro im Vorjahr, während die bereinigte EBITDA-Marge bei 3,3 Prozent (nach 4,3 Prozent) liegt. Noch wichtiger für Investoren ist der Cashflow: Nach negativem Free Cashflow zu Jahresbeginn konnte TAKKT im zweiten Quartal einen leichten Mittelzufluss realisieren, sodass der Free Cashflow zur Jahresmitte mit minus 9,2 Millionen Euro auf Vorjahresniveau (minus 9,3 Millionen Euro) verharrt.
Parallel zur Kosten- und Ergebnissteuerung arbeitet TAKKT an einer „Forward“-Strategie, die das Portfolio verschlanken soll, damit Ressourcen in profitablere Bereiche fließen. Bereits der Verkauf von MyDisplays und der Rückzug aus dem margenschwachen Projektgeschäft in FS werden als Schritte genannt. Zur Jahresmitte folgt dann der nächste Portfolioabbau: Der europäische Geschäftsbereich für Gastronomieausstattung, in dem auch XXLhoreca verortet ist, wurde verkauft. Der Bericht beschreibt diesen Schritt als Komplexitätsreduktion und als Schaffung zusätzlicher Freiräume für das europäische Kerngeschäft in I& P. Für die Marktpositionierung heißt das: weniger „Nebenbaustellen“ im Sortiment, mehr Fokus auf Aktivitäten, die sowohl in der Kundenansprache als auch in der Logistikkette besser skalierbar sind.
Aus einer breiteren Markt- und Branchenperspektive passt die Meldung in die aktuelle Phase des europäischen Handels mit Geschäftsausstattung: Unternehmen müssen mit schwankender Nachfrage, erhöhten Beschaffungs- und Logistikkosten sowie geopolitisch getriebenen Preisrisiken umgehen. TAKKT adressiert diese Mischung im Bericht mit zwei Linien: erstens operative Stabilisierung über Kosten- und Prozessprogramme, zweitens Portfolio- und Netzwerkoptimierung über Verkäufe und effizientere Lagerstrukturen. Der Ausblick bleibt dabei bewusst als Bandbreite formuliert, nicht als starre Prognose, und das ist konsistent mit dem Hinweis, dass die Unsicherheit im zweiten Halbjahr weiter bestehen kann. Für CIOs, IT- und Digital-Entscheider in Händlerorganisationen ist dabei vor allem die praktische Konsequenz relevant: Wenn Automatisierung und Operating Models als Effizienzhebel genannt werden, verlagert sich die Umsetzung häufig in Richtung ERP-/WMS-Integration, bessere Bestands- und Dispositionslogik sowie Datenprozesse, die Schwankungen in Nachfrage und Lieferketten schneller abbilden.
Wie der Markt diese Stabilisierung bewertet, dürfte vor allem davon abhängen, ob sich die organische Trendlinie in I& P weiter Richtung „weniger negativ“ bewegt und ob sich FS nach dem Projektgeschäft weiter normalisiert. Gleichzeitig rückt der Cashflow stärker in den Fokus: TAKKT evaluiert Optionen, um weitere Beiträge zum Cashflow zu realisieren, und erwartet für das laufende Jahr einen positiven Free Cashflow. Das Management lässt aber offen, dass ein leicht negativer Free Cashflow weiterhin nicht ausgeschlossen werden kann – abhängig von Ergebnisentwicklung und dem Zeitpunkt der Realisierung zusätzlicher Cashflow-Beiträge. Der nächste konkrete Trigger ist der Earnings Call am 30. Juli 2026 um 14:00 Uhr (MESZ), bei dem sich zeigen wird, wie die Gruppe die Bandbreiten in Umsatz und Marge in operative Maßnahmen übersetzt.
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