LONDON (IT BOLTWISE) – Markus Söder stellt die Wirksamkeit der 12-Uhr-Regel zur Spritpreiskontrolle infrage und spricht von fehlender spürbarer Wirkung. Die Regel erlaubt Tankstellen, ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr anzupassen; Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden. Gleichzeitig bleiben geopolitische Treiber für den Anstieg im Fokus, unter anderem die Spannungen im Iran-Konflikt und die Blockade am Straße-von-Hormus-Korridor. Söder setzt zudem auf zusätzliche Entlastungen wie eine höhere Pendlerpauschale und hält weitere fiskalische Instrumente wie Übergewinnsteuern offen.

Söder zweifelt an 12-Uhr-Regel: Spritpreise, Steuern und Pendlerpauschale
Söder zweifelt an 12-Uhr-Regel: Spritpreise, Steuern und Pendlerpauschale (Foto: IT BOLTWISE)
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Markus Söder nimmt die 12-Uhr-Regel zur Spritpreiskontrolle direkt an der praktischen Wirksamkeit auseinander. In einem ARD-Sommerinterview äußerte er, sein Gefühl sei, dass die Regel nicht funktioniere und keine große Wirkung habe. Politisch ist das nicht nur eine Frage des Timings, sondern auch eine Debatte über die Grundannahme: Wenn Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr ändern dürfen, müsste sich der Preisverlauf zumindest dämpfen lassen oder stärker berechenbar werden. Dass Söder genau das bezweifelt, deutet darauf hin, dass die Marktmechanik hinter den Zapfsäulen komplexer ist als die Tagesfrequenz der Anpassung.

Technisch betrachtet greift die Regel im Kern in den lokalen Preisfindungsprozess ein, nicht jedoch in die vorgelagerten Kostentreiber. Der entscheidende Punkt ist die Kette aus Rohölbeschaffung, Raffinerieauslastung, Logistik sowie kurzfristigen Einkaufspreisen auf den Energiemärkten. Wenn sich diese Vorleistungen parallel bewegen, kann eine zeitliche Preis-Lockung an der Tankstelle wie eine künstliche Taktung wirken, aber nicht den eigentlichen Preisimpuls stoppen. Genau deswegen bleibt die Wirkung fragil: Selbst wenn die Preise synchronisiert werden, kann die Höhe weiterhin stark schwanken. Hinzu kommt, dass Verstöße gegen die 12-Uhr-Regel zwar sanktioniert werden können, aber die Frage offen bleibt, ob Bußgeldlogik im Vergleich zu einem marktgetriebenen Anpassungsdruck ausreichend abschreckt.

Als Hauptursachen für den jüngsten Preisanstieg nennt Söder in der Argumentationslinie vor allem geopolitische Spannungen. Im Text werden der Iran-Konflikt sowie die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus explizit genannt. Solche Ereignisse wirken typischerweise über die Erwartung steigender Transport- und Versorgungskosten sowie über Risikoaufschläge im Marktpreisbildungsprozess. Um die Belastung für Verbraucher zu senken, habe der Bund im Mai und Juni die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um fast 17 Cent pro Liter reduziert. Dennoch bleibt die zentrale politische Prüfungsfrage: Reicht eine steuerliche Dämpfung, wenn gleichzeitig die (erwarteten) Beschaffungskosten deutlich nach oben zeigen? Für viele Haushalte entscheidet nicht nur die Steuerhöhe, sondern ob sich die Preiselastizität im Alltag spürbar verlagert.

Eine zweite Linie im Gespräch mit Söder betrifft die Erwartungshaltung an weitere Preismaßnahmen. Er rechnet nicht damit, dass zeitnah ein neuer Tankrabatt eingeführt wird, und knüpft die Debatte an die Laufzeit: Sollte die Belastung über Monate weitergehen, müsse man sich noch einmal überlegen, ob die hohe CO2-Bepreisung beibehalten werden kann. Diese Logik ist für Unternehmen relevant, weil sie zeigt, dass die politische Flankierung der Energiekosten eng mit der Frage nach Planungssicherheit zusammenhängt. Wenn steuerliche und preisliche Stellschrauben häufiger zwischen Programmen wechseln, steigt das Risiko, dass Budgets kurzfristig angepasst werden müssen – bei Betrieben ebenso wie bei Haushalten. Gleichzeitig macht Söder deutlich, dass man dabei auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland im Blick behalten will.

Als konkreteres Entlastungsinstrument hebt er die Pendlerpauschale hervor. In der Diskussion um steigende Kosten betont Söder, dass eine Erhöhung der Pendlerpauschale den Betroffenen helfen werde, „vieles von dem, was jetzt überbezahlt wird, wieder zurückzubekommen“. Technisch ist das weniger ein Eingriff in die Preisbildung an der Tankstelle als eine direkte Kompensation über die Steuerlogik. Für Pendler wirkt das insofern zweigleisig: Es senkt die effektive Belastung im Haushaltsbudget und verringert damit die Notwendigkeit, Fahrten aus Kostengründen kurzfristig einzuschränken. Für die Wirtschaft ist entscheidend, dass Kaufkraft nicht nur abstrakt „abgefedert“, sondern nach Möglichkeit im laufenden Jahr spürbarer wird, weil sie Nachfrage stabilisieren kann.

Daneben öffnet Söder die Tür für fiskalische Sonderinstrumente, die sich gegen hohe Margen richten sollen. Er zeigt sich offen für eine Übergewinnsteuer, die Mineralölkonzerne zur Kasse bitten könnte, und verweist darauf, dass der Finanzminister „daran“ sei. Auch ein möglicher Spritpreisdeckel soll im Auge behalten werden. Wichtig ist die Einordnung: Eine Übergewinnsteuer zielt eher auf die Ergebnisdimension ab, während ein Preisdeckel unmittelbar in die Preisgestaltung eingreift. Beide Ansätze können Preisspitzen abfedern, schaffen aber auch unterschiedliche Nebenwirkungen, etwa bei der Frage, wie Anbieter weiterhin investieren oder Beschaffungsrisiken in ihre Preisgestaltung einrechnen. Gerade weil Söder keine sofortige Rückkehr klassischer Rabattformate in Aussicht stellt, gewinnt diese Diskussion an Gewicht: Der Markt soll entweder über das Ergebnis besteuert oder über die Preisobergrenze reguliert werden.

Am Ende bleibt der Ausblick stark von der Geopolitik abhängig. Die Hoffnung im Text richtet sich darauf, dass sich die Spannungen bald entspannen und die Straße von Hormus wieder für den Öltransport geöffnet wird. Wenn das eintritt, könnten sich die Preise am Energiemarkt tendenziell wieder normalisieren. Für Investoren ist dabei nicht nur die Richtung relevant, sondern auch die Geschwindigkeit solcher Anpassungen: Je schneller sich Erwartung und reale Lieferfähigkeit angleichen, desto eher können Unternehmen ihre Beschaffungs- und Produktionsplanung stabilisieren. Bis dahin bleibt die politische Aufgabe, Entlastungen so zu gestalten, dass sie im Alltag Wirkung entfalten – ohne dabei die langfristige Kosten- und Klimalogik vollständig zu entkoppeln.


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