LONDON (IT BOLTWISE) – Der WWF legt mit einem Marktcheck offen, dass nur 27 % der untersuchten Fischprodukte im deutschen Supermarkt uneingeschränkt empfehlenswert sind. Von insgesamt 1.519 Produkten gelten 51 % als „zweite Wahl“ und 22 % landen auf einer „roten Liste“. Besonders kritisch sind Makrelen: 92 % der Produkte schneiden dabei schlecht ab. Die Untersuchung zeigt auch, warum Fangtechnik und Zertifizierungen allein nicht immer ausreichen.

Wer Fisch im Supermarkt kauft, bekommt laut einer WWF-Analyse ein deutlich weniger klares Bild, als viele erwarten: Von 1.519 untersuchten Fischprodukten erfüllen nur 27 % die Kriterien für eine uneingeschränkte Verzehrempfehlung. Damit schafft es nicht einmal jedes dritte Produkt in die höchste Nachhaltigkeitskategorie der Umweltschützer. Rund 51 % landen dagegen in der Kategorie „zweite Wahl“, weil zwar keine gravierenden Mängel gesehen werden, die Herkunft oder die Rahmenbedingungen der Fischerei beziehungsweise Aquakultur jedoch Optimierung bei den Umweltstandards benötigen.
Der Marktcheck ist dabei nicht auf eine einzelne Art oder eine Warenkategorie begrenzt, sondern zeichnet sich gerade durch die Breite der Stichprobe aus. In der Auswertung werden große Teile des deutschen Supermarktangebots abgebildet: Alaska-Seelachs, Hering, Makrele, Lachs und Garnelen dominieren das Sortiment, also genau jene Gruppen, die Verbraucherinnen und Verbraucher im Alltag besonders häufig treffen. Dass sich die Nachhaltigkeitswerte zwischen den Arten stark unterscheiden, ist für die praktische Konsequenz zentral: Wer nur auf allgemeine Aussagen auf Verpackungen vertraut, läuft Gefahr, trotz „guter“ Intention Produkte zu wählen, die in der WWF-Bewertung nicht mitgetragen werden.
Besonders hart fällt das Ergebnis bei Makrelen aus. 92 % der untersuchten Produkte werden als kritisch eingestuft. Auch beim Kabeljau zeigt sich ein problematisches Bild: 75 % erfüllen laut Analyse nicht die ökologischen Anforderungen. Demgegenüber stehen Arten, die im WWF-Marktcheck vergleichsweise besser abschneiden, etwa Sardellen, Sardinen und Heringe, die jeweils zu 50 % als empfehlenswert bewertet werden. Diese Staffelung macht deutlich, dass Nachhaltigkeit im Fischsektor weniger ein „Alles-oder-nichts“-Thema ist, sondern stark von Art und Herkunft abhängt.
Technisch betrachtet liegt der Kernkonflikt in der Kombination aus Fangmethoden, Bestandslage und der Frage, wie gut sich all das entlang der Lieferkette nachweisen lässt. Die WWF-Analyse benennt als zentralen Kritikpunkt die verwendete Fangtechnik und nennt dabei insbesondere die Grundschleppnetzfischerei als Methode, die konsequent gemieden werden sollte. Der Hintergrund: Solche Techniken stehen im Ruf, erhebliche Auswirkungen auf marine Ökosysteme zu verursachen und zudem mit hohen Beifangraten verbunden zu sein. Genau hier zeigt sich auch das praktische Dilemma für Käufer: Nicht jede problematische Methode wird auf der Verpackung in einer für Laien sofort verständlichen Form sichtbar.
Gleichzeitig verweist die Untersuchung ausdrücklich auf Zertifizierungen als Orientierungshilfe. Als Beispiele nennt der WWF die Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) für Wildfang und des Aquaculture Stewardship Council (ASC) für Zuchtfisch. Das ist für die Einkaufsroutine relevant, weil Zertifizierungen wenigstens ein Mindestmaß an standardisierten Kriterien signalisieren können. Trotzdem betont die Gesamtbilanz des Marktchecks, dass Siegel allein nicht reichen, um die ökologischen Herausforderungen vollständig zu adressieren, solange ein signifikanter Teil des Marktes aus Quellen kommt, die in der Bewertung weiterhin als bedenklich gelten.
Unternehmensseitig liefert die Meldung damit auch einen Trigger für bessere Sortimentssteuerung: Wer mehrere Produktlinien führt, kann die Wirkung von Beschaffungsentscheidungen messen, sobald Bewertungsdaten wie diese in Einkaufs- und Freigabeprozesse einfließen. Für die Hersteller und Handelsketten bedeutet das, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Marketingfolie bleibt, sondern in die Auswahl der Lieferanten, in die Art der gehandelten Fischbestände und in die Dokumentation entlang der Lieferkette übersetzt werden muss. Für Produktteams wird die Logik zudem messbarer: Wenn 22 % der Produkte auf einer „roten Liste“ landen, ist das eine klare Kennzahl für die Frage, wie stark ein Sortiment bereits risikofrei ist und wo Nachsteuerung nachweisbar etwas verbessert.
Auch der Verweis auf die Unterschiede zwischen Fischarten macht die Diskussion für Stakeholder außerhalb der Verbraucherkommunikation anschlussfähig. Umweltziele hängen im Handel selten an einem einzelnen Stellhebel, sondern an vielen kleinen Entscheidungen: welche Arten in welchen Anteilen angeboten werden, wie transparent die Herkunft ausgewiesen ist und inwieweit Zertifizierungen mit realen Fang- und Zuchtbedingungen übereinstimmen. Unterm Strich verschiebt der WWF-Marktcheck den Fokus weg von pauschalen Nachhaltigkeitsversprechen hin zu konkreten Kriterien, und er liefert zugleich eine Einkaufslinie, die nicht nur „besser“ meint, sondern im schlechtesten Fall auch klar sagt, welche Produkte vermieden werden sollten.
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