LONDON (IT BOLTWISE) – KI-gesteuertes Phishing macht nach aktuellen Angaben bereits einen Großteil der Angriffe aus und zielt zunehmend auf Cloud-Dienste. In wenigen Wochen wurden dabei Millionen Device-Code-Phishing-Angriffe beobachtet, darunter ein sehr hoher Anteil gegen Microsoft-Services. Für Unternehmen wird damit die Umstellung weg vom reinen Passwort-Ansatz dringlicher. FIDO2-Sicherheitsschlüssel und Passkeys gelten als konkrete Maßnahme, weil der Zugriff ein physisches Gerät erfordert.

Phishing entwickelt sich gerade von einer klassischen E-Mail-Disziplin zu einem regelrechten Industrieproblem: Nicht nur die Menge steigt, sondern auch die Form der Täuschung. Laut einem aktuellen Bericht basieren inzwischen rund 86 Prozent aller Phishing-Angriffe auf Künstlicher Intelligenz. Die Angriffsstrategie profitiert dabei von Texten, die sich sprachlich anfühlen wie echte Kommunikation im Unternehmenskontext, und von Anpassungen an einzelne Zielgruppen, wodurch herkömmliche Sicherheitsfilter leichter aus dem Tritt geraten. Besonders oft betroffen sind Nutzer von Cloud-Diensten, weil dort Konto- und Zugriffsdaten den „Einstieg“ in viele Arbeitsprozesse markieren.
Dass Phishing in der Praxis nicht nur ein theoretisches Risiko bleibt, zeigen Messungen aus der Infrastrukturperspektive. Cisco Talos verzeichnete innerhalb von nur vier Wochen etwa 7 Millionen sogenannte Device-Code-Phishing-Angriffe; von diesen richteten sich 99 Prozent gegen Microsoft-Dienste. Dazu passt das Muster, dass Angreifer über glaubwürdig wirkende Dialoge und legitime Anmeldeabläufe Zugang zu Tokens oder Sessions abzugreifen versuchen. Neben E-Mail-Betrug setzen Kriminelle auch auf Quishing, also manipulierte QR-Codes an öffentlichen Orten, und auf die gezielte Ansprache von Teammitgliedern innerhalb von Unternehmen. Gerade diese Kombination aus einfacher Einstiegshürde und schneller Weiterleitung erhöht den Druck auf IT- und Sicherheitsverantwortliche, schnellere Schutzmechanismen zu priorisieren als reine Filterregeln.
Technisch verschärft wird die Lage zusätzlich durch konkrete Schwachstellen, bei denen allein das „richtige“ Passwortmodell nicht mehr ausreicht. Im Umfeld von Outlook Web Access wird die Schwachstelle CVE-2026-42897 genannt, während für Ruby on Rails die mit Schweregrad 9,5 eingestufte Lücke CVE-2026-66066 als besonders kritisch beschrieben wird. Wenn solche Angriffsflächen bestehen, wirkt „Standard-Passwort“ als Strategie gegen die falsche Zielgröße: Ein Passwort schützt dann nicht, wenn der Weg über die Anwendungsschicht oder die Session-Steuerung bereits kompromittiert ist. Damit verschiebt sich der Fokus auf starke Authentisierung und auf Mechanismen, die sich nicht allein durch Social Engineering oder das Abfangen digitaler Codes austricksen lassen.
Genau hier setzen FIDO2-USB-Sicherheitsschlüssel an. Der Kern des Ansatzes ist physische Kontrolle: Ein Gerät wie der Thetis FIDO2-Sicherheitsschlüssel, der in der Quelle für rund 22 Euro genannt wird, bildet die zweite Authentisierungsstufe über einen kryptografisch gesicherten Challenge-Response-Prozess. Anders als bei SMS-Codes oder App-Verfahren lässt sich ein physischer Schlüssel nicht per Remote-Angriff oder typischem Social Engineering abfangen, weil der Zugriff den Kontakt zum Gerät erfordert. Für Organisationen ist das mehr als nur „ein weiteres Tool“: Es reduziert eine ganze Klasse von Übertragungs- und Interzeptionsangriffen, bei denen Angreifer hoffen, die Bestätigung in genau dem Moment zu kapern, in dem ein Nutzer den Code irgendwo eingibt oder eine Freigabe in einer App bestätigt.
Entsprechend wird in dem Bericht auch der Abschied vom klassischen Passwort als pragmatische Sicherheitsstrategie beschrieben. In der Praxis heißt das: Moderne Passkeys bei Diensten wie Amazon oder WhatsApp einrichten, statt auf wiederverwendete Geheimnisse zu setzen, die im Ernstfall nur noch schwer gegen massenhafte Kampagnen verteidigen. Zusätzlich spielt das „Zero-Trust“-Paradigma eine zentrale Rolle, das in der Quelle als Empfehlung genannt wird. Zero Trust bedeutet dabei nicht, dass Identität einmalig abgefragt wird, sondern dass sie kontinuierlich geprüft wird – ein Ansatz, der in dynamischen IT-Landschaften mit Cloud-Ressourcen und wechselnden Endpunkten gut begründet ist. Dass Browser-Entwickler und Plattformen Passkeys vorantreiben, wird ebenfalls erwähnt; etwa führt Microsoft Edge eine Synchronisierung für Passkeys ein, wodurch die Nutzerführung beim Umstieg realistischer wird.
Der Umstieg wird schließlich auch durch regulatorische Anforderungen beschleunigt. Der Cyber Resilience Act (CRA) soll ab Ende 2027 schwache oder fest codierte Anmeldedaten in IoT-Geräten verbieten. Bei Verstößen werden in der Quelle Kosten bis zu 15 Millionen Euro oder ein prozentualer Anteil am weltweiten Jahresumsatz genannt. Gleichzeitig wird auf einen praktischen Engpass hingewiesen: Hardware-Designzyklen können bis zu zwei Jahre dauern, weshalb Fachleute dazu raten, bereits jetzt auf zertifizierte Verfahren umzustellen. Das ist für Unternehmen wichtig, weil sich Sicherheitsarchitektur nicht nur in der Software, sondern auch im Produktlebenszyklus verankert.
Spannend ist zudem, wie sich „digitale Sicherheit“ in Richtung physischer Tokens ausweitet. Genannt wird etwa ein NFC-basiertes Gerät namens „Autonomous Key“, das für rund 9 Euro den Zugang zu Smartphone-Apps begrenzt und damit indirekt auch die Bildschirmzeit reguliert. Solche Beispiele wirken auf den ersten Blick wie ein Lifestyle-Thema, technisch betrachtet markieren sie aber denselben Trend: Authentisierung und Zugriffskontrolle werden stärker an greifbare Komponenten gebunden. Für IT-Entscheider heißt das, Phishing-Schutz nicht als reines Security-Projekt zu behandeln, sondern als Identitäts- und Betriebsmodell – inklusive Passkeys, FIDO2, kontinuierlicher Prüfung und sauberer Umsetzung in allen relevanten Systemen.
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