LONDON (IT BOLTWISE) – Salesforce hebt mit einem 1,6-Milliarden-Dollar-Vertrag mit dem US-Veteranenministerium (VA) die Umsetzung KI-gestützter Abläufe in die Praxis. Im Mittelpunkt steht Agentforce, das auf autonome KI-Agenten setzt und laut Unternehmensangaben stark zur Umsatzdynamik beiträgt. Zur Einordnung liefert der Softwarekonzern zudem solide Quartalszahlen mit 11,13 Milliarden US-Dollar Umsatz und 3,88 US-Dollar EPS. Anleger schauen vor allem darauf, ob sich die KI-Strategie auch nach der Phase zuletzt schwankender Software-Sentiments stabil fortsetzt.

Salesforce rückt mit einem großen Auftrag der US-Regierung und einer klar auf KI-Agenten ausgerichteten Produktstrategie wieder stärker in den Fokus von Investoren. Der 1,6-Milliarden-Dollar-Dreijahresvertrag mit dem US-Veteranenministerium (VA) zielt auf die Integration KI-gestützter Arbeitsabläufe, etwa um die Terminbuchung für Millionen von Veteranen spürbar zu beschleunigen. Damit verschiebt sich die Diskussion weg von reinen KI-Infrastrukturwetten hin zu konkreten Integrations- und Automationsprojekten, die sich in CRM- und Prozesssoftware abbilden lassen.
Technisch betrachtet baut Agentforce genau auf diesem Hebel auf: Statt einzelne KI-Funktionen nur als Assistenten zu verstehen, setzt das Tool auf autonome KI-Agenten, die Aufgaben innerhalb definierter Workflows übernehmen. In den ersten Quartalszahlen zum Geschäftsjahr 2027 spiegelt sich das auch in der Umsatzlogik: Der jführende Indikator ARR für Agentforce und Data 360 stieg im Vergleich zum Vorjahr um 200 Prozent auf rund 3,4 Milliarden US-Dollar. Agentforce allein steuerte dabei 1,2 Milliarden US-Dollar bei. Für die Bewertung ist wichtig, dass diese Größen nicht nur kurzfristige Services darstellen, sondern wiederkehrende Erlöse adressieren.
Die Praxisbeispiele zeigen zugleich, warum gerade Kundenservice und operative Prozesse für solche agentischen Ansätze so attraktiv sind. Der australische Tourismusbetreiber Journey Beyond setzt nach Angaben aus der Branche bereits vier KI-Agenten im Kundenservice ein, die rund 80 Prozent der Anfragen ohne menschliches Eingreifen bearbeiten. Das ist keine Garantie für jedes Umfeld, aber es illustriert, wie sich KI-Agenten in Ticketing-, Antwort- und Routing-Prozesse einweben lassen, ohne dass Unternehmen ständig manuell eingreifen müssen. Parallel dazu wirken Regierungsaufträge oft wie ein Beschleuniger für Rollout-Entscheidungen, weil sie die Produktreife in komplexen Betriebsumgebungen unter Beweis stellen sollen.
Operativ untermauert Salesforce die aktuelle Phase mit Kennzahlen, die auch für mittelfristig vorsichtige Marktteilnehmer relevant sind. Für das erste Quartal des Geschäftsjahrs 2027 meldete der Konzern einen Umsatz von 11,13 Milliarden US-Dollar, entsprechend einem Anstieg von 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Beim Gewinn pro Aktie (EPS) lag das Unternehmen bei 3,88 US-Dollar und damit deutlich über den Erwartungen der Analysten. Als weiterer Frühindikator für künftige Umsätze werden verbleibende Leistungsverpflichtungen (cRPO) genannt, die bei 33,6 Milliarden US-Dollar lagen und um 14 Prozent zulegten.
Auf der Angebots- und Nachfrageseite fließen außerdem Kapitalmarkt- und Bewertungseffekte in die Wahrnehmung ein. Für das laufende zweite Quartal prognostiziert das Management einen Umsatz von etwa 11,31 Milliarden US-Dollar und setzt zugleich das Aktienrückkaufprogramm fort, das ein Volumen von 25 Milliarden US-Dollar umfasst; bereits wurden über 100 Millionen Aktien eingezogen. An der Börse stieg die Aktie im heutigen Handel um 2,46 Prozent auf 163,38 Euro, bleibt aber seit Jahresbeginn mit -27,95 Prozent im Minus. Genau solche Kombinationen aus operativer Stärke, KI-Themen und rückläufiger Bewertung können das Interesse institutioneller Anleger wieder erhöhen.
Entsprechend berichten Marktteilnehmer, dass sich die Investorenbasis im ersten Quartal wieder verändert hat: Während etwa die Rathbones Group ihren Anteil deutlich reduzierte, bauten Häuser wie Lavelle Capital und Lombard Odier Asset Management Europe Positionen auf oder stockten Bestände auf. Auf der Analystenseite gilt die Stimmung überwiegend als positiv, allerdings nennt die Marktkommunikation weiterhin klassische Integrationsrisiken bei Zukäufen wie Informatica sowie die wachsende Verschuldung als mögliche Belastungsfaktoren. Für Neueinsteiger ist daneben die Normalisierung beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zentral: Es sank von über 40 im Vorjahr auf aktuell etwa 21, was die Bewertung im Vergleich zur bisherigen Wachstumsstory wieder nachvollziehbarer macht. Entscheidend bleibt, ob sich der agentische Umsatzbeitrag von Agentforce auch in der Breite der Kundenimplementierungen stabil fortsetzt und damit die aktuell beobachtete Stabilisierung im Software-Segment bestätigt.
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