LONDON (IT BOLTWISE) – Laut Auswertungen zu Haus-Ausgaben machte ChatGPT im Jahr bis zum 31. März den Großteil der KI-Kosten aus. Insgesamt flossen rund 100.580 US-Dollar in 798 Transaktionen über die Plattform, während die Ausgaben für Claude deutlich dahinter lagen. Der Vergleich zeigt zudem, dass demokratische Büros ungefähr dreimal so viel investierten wie republikanische. Die Zahlen schließen kostenlose Zugänge und KI-Bausteine aus größeren Softwareverträgen aus.

Die Frage, welches KI-Tool im US-Kongress gerade am häufigsten genutzt wird, lässt sich mittlerweile auch in Ausgaben übersetzen. In einer Auswertung der House-Disbursement-Records für den Zeitraum bis zum 31. März entfiel nach den zugrunde gelegten Transaktionsdaten der größte Teil der KI-Ausgaben auf ChatGPT. Konkret weist die Erhebung für OpenAI einen Anteil von rund 90 % an dem aus KI-Tools bezahlten Volumen aus, das in den Daten als separate Tool-Käufe sichtbar war. Damit ist ChatGPT nicht nur ein bekannter Name in den Workflows vieler Mitarbeiter, sondern auch die finanziell dominierende Option innerhalb der erfassten Käufe.
Für die praktische Einordnung lohnt der Blick auf die absoluten Kennzahlen: Demnach gab der Kongress etwa 100.580 US-Dollar für ChatGPT aus, verteilt auf 798 Transaktionen. Diese Größenordnung steht in Relation zu einem Gesamtvolumen von mindestens 113.740 US-Dollar, das in der Auswertung als KI-Ausgaben in den gleichen Kategorien geführt wird. Anthropic folgt demnach auf Platz zwei mit rund 13.160 US-Dollar für 37 Transaktionen für Claude. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein klassisches „Winner-takes-most“-Muster: Hohe Nutzerzahl oder hohe Nutzungsintensität verdichten sich bei einer einzelnen Plattform, während Wettbewerber in den erfassten Kaufströmen deutlich kleinere Summen sehen.
Technisch und organisatorisch steckt hinter solchen Kaufmustern meistens nicht nur „Beliebtheit“, sondern auch ein bestimmtes Setup im Alltag: KI-gestützte Textverarbeitung lässt sich in vielen Phasen der politischen Arbeit einsetzen, vom schnellen Entwurf bis zur strukturierten Zusammenfassung. In der Auswertung wird beschrieben, dass Kongressmitarbeiter ChatGPT und weitere Tools verwenden, um Memos zu schreiben, Gesetzesvorlagen zu analysieren und zu strukturieren, Informationen für Gespräche mit Wählern aufzubereiten und Materialien für Anhörungen vorzubereiten. Ebenso genannt werden Aufgaben wie das Sortieren von Policy-Recherche und das Erstellen von Formulierungsvorschlägen bis hin zu Entwürfen für Social-Media-Posts. Genau an solchen Stellen entscheidet oft nicht „eine“ Funktion, sondern die Kombination aus Geschwindigkeit, Prompting-Flexibilität und Iterationsgeschwindigkeit, wodurch sich die Nachfrage auf einzelne Produkte konzentrieren kann.
Auch das politische Kaufverhalten fällt auf: Demokratische Büros lagen mit insgesamt 54.165 US-Dollar ungefähr dreimal so hoch wie republikanische Büros, die 15.782 US-Dollar ausgaben. Diese Differenz lässt sich allerdings nicht automatisch als „Vorteil einer Fraktion“ interpretieren, weil die Auswertung Einschränkungen nennt. So sind hier keine KI-Nutzung über kostenlose Accounts berücksichtigt und auch keine KI-Funktionen, die in größeren Softwarepaketen gebündelt sind. Wenn etwa ein Büro KI-Funktionen über eine übergeordnete Suite einkauft, tauchen die tatsächlichen KI-Kosten in solchen Tool-spezifischen Transaktionsdaten womöglich gar nicht auf. Gerade deshalb ist der Befund weniger ein vollständiger „KI-Budgetvergleich“, sondern eher ein Hinweis darauf, welche KI-Tools als eigenständige Käufe identifizierbar waren.
Für Unternehmen, die KI-gestützte Schreib- und Analysefunktionen bereitstellen, ist das Muster zugleich Chance und Warnsignal. Chance, weil der Kongress konkrete Use-Cases abbildet, die sich in vielen Branchen wiederholen: Dokumentation verdichten, Texte umformulieren, die Argumentationsstruktur verbessern, zusammenfassen und Entwürfe iterativ verfeinern. Warnsignal, weil die gemessenen Ausgaben stark davon abhängen, wie ein Anbieter bepreist und wie Kunden die Lösung einkaufen: Ein Tool, das klar als separater Vertrag sichtbar ist, „gewinnt“ in solchen Datensichten, selbst wenn die tatsächliche Nutzungsbreite anderswo verteilt sein könnte. Daneben zeigt der Vergleich der Transaktionsanzahlen mit ChatGPT und Claude, dass sowohl Lizenzierungsmodell als auch Nutzungsgewohnheiten den Unterschied machen können, nicht nur die Modellqualität im Labor.
Historisch betrachtet folgt die Einführung von KI in Behörden und Parlamenten oft einer ähnlichen Logik wie bei früheren Produktivitäts-Tools: Erst werden einzelne Schreib- und Rechercheaufgaben angestoßen, später entstehen wiederkehrende Routinen. Die jetzt sichtbaren Ausgabewerte liefern einen messbaren Zwischenstand dieser Entwicklung, aber sie erklären noch nicht vollständig, warum ChatGPT in den erfassten Käufen so weit vorne liegt. Mögliche Faktoren sind etwa die Hürde für die Beschaffung, die Verfügbarkeit in bereits etablierten Arbeitsumgebungen oder die einfache Bedienbarkeit für nichttechnische Nutzer. Für die nächsten Schritte wird deshalb entscheidend sein, ob sich die Nutzung weiter verteilt, sobald mehr Büros KI-Bausteine in gebündelten Verträgen nutzen, oder ob sich die Konsolidierung auf wenige Plattformen fortsetzt.
Unterm Strich zeigt die Auswertung: Wenn KI im Kongress als eigenständig bezahltes Tool auftaucht, ist ChatGPT bislang der dominante Kandidat. Mit rund 100.580 US-Dollar und 798 Transaktionen im Jahr bis zum 31. März sitzt OpenAI in dieser Teilmenge sehr klar auf dem ersten Platz, während Claude deutlich weniger Kaufvolumen erreicht. Für Entscheider in Unternehmen bedeutet das vor allem eins: KI-Wirkung entsteht im Betrieb über Prozessintegration, nicht nur über Modellwerbung. Wer KI-Workflows wie Zusammenfassen, Entwerfen und strukturiertes Nacharbeiten in ein verständliches Setup übersetzt, wird in solchen „Tool-Kauf“-Datenspuren eher wiedererkannt. Gleichzeitig sollte man bei der Interpretation der Zahlen immer im Hinterkopf behalten, dass kostenlose Zugänge und gebündelte Softwareverträge in dieser Betrachtung ausgeblendet bleiben.
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