ROCHESTER / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Bernard Kozel StartUp Program @ Saunders zwingt Studierende bei der Gründung erst zur Kundenrecherche, bevor sie ihr Produkt ernsthaft pitchen. In diesem Ansatz interviewen die Teams gezielt Coaches, Trainer und auch Angehörige, um die tatsächlichen Probleme beim Tracking von Kopfimpakten zu verstehen. Gleichzeitig setzen andere Gruppen auf eine stärker datengetriebene Produktsicht, etwa mit einer Plattform gegen Online-Urheberrechtsverletzungen. Die 24. Kohorte zeigt damit, wie Disziplin im Problemverständnis technische Projekte deutlich schärfer macht.

Im Bernard Kozel StartUp Program @ Saunders wird Künstliche Intelligenz nicht zum Selbstzweck erklärt, sondern der Einstieg in eine Idee konsequent über Kundenwissen strukturiert. Kern der 12-wöchigen Sommer-Erfahrung in der 24. Kohorte: Teams müssen vor dem Bauen eine definierte Customer-Discovery-Phase durchlaufen. Statt direkt über Funktionen zu sprechen, sollen sie Hypothesen testen, indem sie das Umfeld der späteren Nutzer intensiv befragen. Genau diese Reihenfolge wird im Programm so eingefordert, dass es für eine echte Geschäftsgrundlage weniger auf das „Coole“ der Technik ankommt als auf das, was im Alltag tatsächlich fehlt oder falsch gelöst ist.
Dass „zuhören“ mehr als ein Motivationsspruch ist, zeigen die Beispiele der Kohorte besonders deutlich. Beim Impulse-Team wollten die Gründer ursprünglich eine Lösung für ein Wearable rund um Kopfimpulse im Sport entwickeln. Berichten zufolge nahmen sie sich dennoch bewusst zurück: In vielen Gesprächen kamen sie mit Coaches, Athletic Trainer und sports parents zusammen, brachten das Produkt jedoch in der Regel nicht in den ersten Minuten zur Sprache. Diese Zurückhaltung diente nicht dem fehlenden Selbstvertrauen, sondern einem klaren Ziel: zuerst herauszufinden, welche Probleme rund um das Tracking von Kopfimpacts überhaupt relevant sind, und welche Anforderungen an Echtzeit-Alerts im Stadion- oder Hallenalltag entstehen. Programmdirektor Anthony Testa bringt den Punkt im Kern auf den Satz: Wer die Customer-Discovery nicht ernst nimmt und das Problem nicht versteht, hat am Ende keine belastbare Geschäftsidee.
Technisch konkret wird Impulse dadurch anders priorisiert: Das Gerät ist laut Beschreibung kleiner als ein AirPods-Gehäuse und lässt sich an jedem Helm montieren. Es soll Impacts in Echtzeit erfassen und Coaches sowie Athletic Trainer an der Seitenlinie informieren, sobald ein Treffer eine definierte Risikoschwelle überschreitet. Entsprechend verschiebt sich der Fokus von „Sensor bauen“ auf „Schwellenwert und Benachrichtigung so gestalten, dass sie im Betrieb funktionieren“. Das Team bestand dabei aus Luca Chiossone (26, Mechanical Engineering), Eric Choi (26, Computer Science), Dillon Gallo (Fünfjahres-Co-op, Finance) sowie Nick Velasquez (Individualized Program) und Vivienne Quarshie (Management Information Systems). Dass es mehrere kleine Anpassungen („mini-pivots“) gab, wird ebenfalls erwähnt: Durch die Priorisierung von Interviews hätten sie weniger Zeit mit Entscheidungen verbracht, die sich später als falsche Annahmen herausstellen.
Auch das zweite Projekt der Kohorte, Guardevo, zeigt, wie stark Customer-Discovery die Produktoberfläche prägt. Guardevo baut eine Plattform, die das Web nach gestohlenen oder kopierten Kunstwerken durchsucht und Nutzern das Versenden von Takedown-Notices mit einem Klick ermöglicht. Entscheidend ist hier weniger die Existenz der Scan-Funktion, sondern das, was zwischen „finden“ und „handeln“ passiert: Feedback aus Hunderten von Gesprächen führte dazu, dass eine zunächst überfordernde Ergebnismenge in Form einer „wall of search results“ in ein filterbares Dashboard umgebaut wurde. Für einen arbeitenden Künstler soll so der Unterschied zwischen harmlosen Fan-Reposts und kommerziellem Bootleg-Merchandise leichter erkennbar sein. Genau dieses UI- und Workflow-Design ist im Alltag der Nutzer meist der Engpass: Selbst wenn die Trefferquote der Suche stimmt, scheitert die Wirkung, sobald die Ergebnisdarstellung keine schnelle Entscheidung erlaubt.
Der Programmstil ist dabei auch organisatorisch durchdacht. Die Teams arbeiten während des Sommers Vollzeit an ihren Ventures, erhalten dabei einen Honorarium-Unterstützungsrahmen und treffen sich zweimal pro Woche zu Coaching-Sessions sowie zu Gastvorträgen. Der Abschluss erfolgt mit einer Demo-Präsentation im Student Hall for Exploration and Development (SHED). Zwischen diesen Meilensteinen gibt es zusätzlich eine Feedbackschleife innerhalb der Community: In Sessions im Saunders-Campusrahmen im Umfeld des Gueldenpfennig Auditorium kritisieren die Teams gegenseitig ihre Pitches, tauschen Interviewkontakte aus und holen sich Hinweise ein, wenn sich ein Kontakt besser zu einer anderen Idee passt. Dass dazu auch Alumni und Absolventen früherer Kozel-Kohorten beitragen, macht aus dem Programm weniger ein „Pitch-Training“ und mehr eine Art Netzwerkbetrieb für frühe Validierung.
Der Blick auf den weiteren entrepreneurial pipeline macht schließlich klar, dass das Programm nur ein Baustein ist. So entstand Guardevo laut Beschreibung zunächst bei einem Hackathon in RITs MAGIC Spell Studios, bevor es in den Sommer-Track ging. Impulse wiederum wird als Capstone-Projekt verortet und soll mit Finanzierung über ein Gap Year Fellowship weiterlaufen. Neben solchen frühen Initiativen kann auch der Venture-Creations-Inkubator für Startups im Early-to-mid-seed Stadium eine Skalierungsstufe bilden. Für die 25. Kohorte im Sommer 2027 sind Bewerbungen demnach fortlaufend geöffnet, und Interessierte werden ermutigt, sich früh zu bewerben und bei Bedarf direkt Unterstützung einzuholen.
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