LONDON (IT BOLTWISE) – KI-basierte Dokumentenfälschungen haben zwischen April und Dezember 2025 den Angaben zufolge deutlich zugenommen, und für 2026 wird ein weiteres starkes Wachstum bei Deepfake-Dokumentenversuchen prognostiziert. Der Unterschied zur klassischen Urkundenprüfung liegt in der Ausrichtung auf durchgängige Verifikation während der gesamten Sitzung – inklusive Live-Deepfake-Erkennung in Video-Workflows. Für Banken und Finanzdienstleister heißt das: Identitätsprüfung wird vom einmaligen Check zum fortlaufenden Systemprozess. Gleichzeitig treiben Regierungen und Aufsichtsrahmen den Wechsel zu zentralen Identitäts- und Authentifikationsinfrastrukturen voran.

Die Bedrohungslage rund um Identitätsbetrug verschiebt sich laut der vorliegenden Entwicklung massiv: Statt „einmal prüfen, dann ablegen“ rückt die durchgängige Verifikation während des gesamten Nutzer- und Transaktionsverlaufs in den Fokus. Hintergrund ist, dass KI-generierte Dokumentenfälschungen inzwischen nicht mehr nur als Ergänzung zur klassischen Urkundenmanipulation auftreten, sondern als eigenständige Angriffsform bewertet werden. Besonders brisant ist dabei die zeitliche Dynamik: Zwischen April und Dezember 2025 soll die Zahl KI-basierter Dokumentenfälschungen um das Fünffache gestiegen sein; für 2026 wird ein Jahresvergleichsprung bei Deepfake-Dokumentenversuchen von bis zu 3.900 Prozent erwartet. Für Geldhäuser bedeutet das weniger ein „neues Tool im Sicherheitsstack“ als vielmehr eine Neubewertung von Risikoannahmen, Prozessdesign und Datenflüssen.
Technisch wird der Unterschied dort sichtbar, wo sich Erkennungslogik und Architektur der Identitätsprüfung voneinander trennen. Frühere Verfahren prüften typischerweise zu Beginn einer Transaktion, wenn Dokumente hochgeladen oder Screenshots übermittelt wurden. Deepfakes und KI-generierte Manipulationen profitieren jedoch davon, dass sie sich nicht nur auf statische Bilder beschränken, sondern auch zeitliche Muster, Kontextsignale und Video-Integrität ausnutzen können. Deshalb setzen neue Systeme auf kontinuierliche Identitätsprüfung während der gesamten Videosequenz, inklusive Live-Deepfake-Erkennung. Ein konkretes Beispiel aus der Quelle ist eine Konsole für notarielle Fernbeglaubigung, die eine Überwachung der Sitzung über die gesamte Dauer der Interaktion vorsieht. Solche Konzepte zielen darauf, Inkonsistenzen nicht erst nachgelagert im Upload zu finden, sondern während der Interaktion frühzeitig zu erkennen und die Nutzerführung entsprechend anzupassen.
Der Blick auf die Marktseite zeigt, warum sich die Investitionsschwerpunkte von reiner Dokumentenprüfung hin zu zentralen Identitätssystemen verlagern. Weltweit werden zentrale Identitätsregister und durchgängige Verifikationsprozesse betont, weil sie sowohl die Geschwindigkeit im Onboarding als auch die Nachvollziehbarkeit von Identitätsattributen erhöhen. In Indien soll ab August 2026 das zentrale KYC-Modell 2.0 schrittweise eingeführt werden; als Referenz wird die Zahl von 1,34 Milliarden Aadhaar-Registrierungen genannt. Für andere Finanzzentren könnte das als Blaupause dienen, weil zentrale Identitätsdaten die Abhängigkeit von lokalen Dokument-Workflows reduzieren. Ähnlich treibt auf den Philippinen die Regierung die Anbindung des Bankensektors an das nationale Identifikationssystem PhilSys voran; im Fall einer Integration der GoTyme Bank wird genannt, dass die Kontoeröffnung auf rund fünf Minuten sinkt. Das ist auch deshalb relevant, weil die Quelle gleichzeitig darauf verweist, dass zwar 94 Millionen Registrierungen vorliegen, aber etwa die Hälfte der Erwachsenen bislang ohne Bankkonto bleibt.
Daneben verschiebt sich das europäische Fundament Richtung Harmonisierung, statt Insellösungen weiter zu fördern. Europa setzt in der Quelle auf eIDAS 2.0 und auf den europäischen Identitäts-Wallet (EUDI), die den rechtlichen und technischen Rahmen für interoperable Identitätsverwendungen abstecken sollen. Auch Partnerschaften werden genannt, etwa zwischen LuxTrust und INCERT, bei denen Dokumentenprüfung und Public-Key-Infrastruktur zusammenspielen sollen, um spätere Sicherheitsanforderungen besser abzufedern – konkret wird dabei die „Quanten-Ära“ als künftiger Treiber adressiert. Für viele Banken ist der praktische Kern dieser Entwicklung: Identitätsprüfungen und die Ausstellung qualifizierter elektronischer Signaturen (QES) lassen sich zunehmend in integrierte Workflows überführen, die in allen 27 EU-Staaten sowie im Europäischen Wirtschaftsraum greifen sollen. Die Quelle nennt zudem beispielhaft biometrische Genauigkeitswerte von 99,7 Prozent und die Erfüllung strenger ISO-Standards durch Anbieter – für die Produktplanung ist das vor allem eine Frage, welche Latenz, Fehlerrate und Integrationsaufwände im Betrieb akzeptiert werden.
Wenn Automatisierung Nischenmärkte erreicht, wird der Druck auf die Identitätskette besonders deutlich. Im Onboarding alternativer Investments wird etwa beschrieben, dass eine neue Plattform manuelle Schritte durch ein digitales Portal mit Datenvisualisierung ersetzt. Solche Portale sind aus IT-Sicht mehr als „Frontends“: Sie müssen Datenqualität, Plausibilisierung, Dokumenten-Handling und Compliance-orientierte Prüfpfade so orchestrieren, dass Nutzerverlauf und Risikoentscheidung konsistent bleiben. Gleichzeitig wird auf den Philippinen berichtet, dass der Oberste Gerichtshof im August 2026 die elektronische Notarisierung eingeführt haben soll, sodass Notare PDF-Dokumente per Videokonferenz beglaubigen können; die Regelung soll eine Übergangslösung aus 2020 ersetzen und Teil eines Fünfjahresplans zur Justizreform sein. Auch wenn solche Schritte zunächst organisatorisch wirken, verändern sie die technische Angriffsfläche: Je stärker Prozesse digital und videobasiert ablaufen, desto wichtiger wird die Live-Validierung gegen Deepfakes und die sichere Kopplung von Identität, Signatur und Zeitstempel im Hintergrund.
Der Markt selbst liefert dafür die ökonomische Begründung: Der globale KYC-Markt wird mit umgerechnet rund 4,1 Milliarden Euro beziffert, während etwa 5,8 Milliarden digitale Identitätsprüfungen pro Jahr erwartet werden. Gleichzeitig zeigt die Quelle, dass Betrugsmodelle synthetische Identitäten aus älteren Systemen mitunter als echt klassifizieren können. Diese Beobachtung erklärt, warum kontinuierliche Echtzeit-Verifikation als Paradigmenwechsel beschrieben wird: Nicht die einzelne Prüfentscheidung am Anfang, sondern die Qualität des gesamten Verifikationspfads entscheidet über Trefferquoten. Für deutsche Banken heißt das in der Praxis vor allem Investitionen in Model- und Regelwerk-Management, in Videopipeline-Integrationen sowie in die Fähigkeit, bei Auffälligkeiten automatisiert in zusätzliche Prüf- oder Eskalationsschritte zu wechseln. Parallel rückt auch die rechtliche Einordnung von KI-Systemen in Unternehmen in den Fokus; als Begleitung wird ein praxisnaher Leitfaden zur EU-KI-Verordnung genannt, um Pflichten und Risikoklassen frühzeitig zu verstehen. Entscheidend ist am Ende die Kombination: Identitätsschutz, Sicherheitsarchitektur und Governance müssen so verzahnt werden, dass KI-gestützte Erkennung nicht nur im Labor überzeugt, sondern im Durchlaufgeschäft stabil bleibt.
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