LANDSBERG IM SAALEKREIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Der insolvente Haushaltsdiscounter Mäc-Geiz rechnet nach Angaben des Unternehmens mit der Schließung von rund 50 Filialen. Im Mai hatte die Firma am Sitz in Landsberg im Saalekreis Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Halle hat Anfang August ein Eigenverwaltungsverfahren eröffnet und den Insolvenzverwalter Lucas Flöther eingesetzt. Bis spätestens zum Herbst soll Klarheit darüber entstehen, welche Standorte betroffen sind.

Für viele Kunden wirkt ein Discounter wie Mäc-Geiz auf den ersten Blick gleich: gleiche Sortimente, ähnliche Filialbilder, immer wieder wechselnde Angebote. Hinter dieser Konsistenz steckt jedoch eine betriebswirtschaftliche Realität, die sich nun deutlich ändert. Das Unternehmen rechnet damit, dass im Zuge der Insolvenz rund 50 Filialen geschlossen werden müssen. Welche Standorte betroffen sind, steht demnach noch nicht endgültig fest, eine Entscheidung soll aber bis spätestens zum Herbst vorliegen. Damit rückt die Frage nach der Umsetzung der Sanierung von der Ankündigung in den Alltag vieler Filialteams.
Die Ausgangslage ist klar datiert: Im Mai hatte Mäc-Geiz mit Sitz in Landsberg im Saalekreis Insolvenz angemeldet. Anfang August eröffnete das Amtsgericht Halle laut Unternehmensangaben ein Eigenverwaltungsverfahren, das heißt, das Unternehmen bleibt grundsätzlich in der eigenen Verantwortung, wird aber eng begleitet. Überwacht wird das Verfahren demnach vom Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Eigenverwaltung ist in der Praxis häufig dort relevant, wo operativ weitergearbeitet werden soll, während parallel ein tragfähiger Plan für Finanzen, Organisation und Standortstruktur entsteht. Genau diese Schnittstelle dürfte jetzt im Mittelpunkt stehen, wenn aus der Planung eine belastbare Entscheidungslinie für Filialschließungen wird.
Technisch und organisatorisch ist eine Filialschließung mehr als das Schließen einer Tür: Es geht um Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mäc-Geiz nennt für die Sanierung „erhebliche Herausforderungen“. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über 183 Filialen deutschlandweit, davon etwa 40 in Sachsen-Anhalt. Bundesweit beschäftigt Mäc-Geiz demnach 1.175 Mitarbeitende. Diese Größenordnung macht deutlich, dass selbst „nur“ rund 50 Schließungen im Personal- und Logistikbereich spürbare Effekte auslösen: Routenplanung, Bestandsflüsse, Rückbau von Lagerkapazitäten und die Neuverteilung von Warenströmen müssen in kurzer Zeit auf ein kleineres Netz abgestimmt werden. Gleichzeitig ist die Personalplanung im stationären Handel besonders eng getaktet, weil Schichten, Urlaubsplanung und lokale Aufgabenverteilungen häufig kurzfristig umgestellt werden müssen.
Bevor es zu den finalen Standortentscheidungen kommt, hat Mäc-Geiz bereits Anpassungen am Personalbestand vorgenommen. Seit dem Insolvenzantrag im Mai seien 66 Beschäftigte aus den Bereichen Vertrieb, Logistik und dem Dienstleistungszentrum der Mäc-Geiz-Handelsgesellschaft entlassen worden; zusätzlich nennt das Unternehmen fünf Beschäftigte der MTH Retail Services. Solche Maßnahmen sind in Insolvenzverfahren nicht ungewöhnlich, aber sie verändern die Leistungsfähigkeit des Unternehmens in einer Phase, in der Stabilisierung ohnehin oberste Priorität hat. Relevant ist außerdem, dass nach dem Ende des Insolvenzgeldverfahrens die Löhne und Gehälter der Beschäftigten ab sofort wieder vom Unternehmen selbst gezahlt werden sollen. Das verschiebt den Fokus in Richtung Liquiditätsplanung: Wer Löhne wieder selbst trägt, muss kurzfristige Zahlungsfähigkeit und operative Einnahmen stärker absichern als in einer Phase, in der Insolvenzgeld kurzfristig entlastet.
Für die Bewertung der Lage ist auch die Logik der Eigenverwaltung entscheidend. Das Verfahren zielt typischerweise darauf ab, Restrukturierung ohne kompletten Kontrollwechsel durchzuführen, allerdings unter Aufsicht. In der Berichterstattung wird ausdrücklich genannt, dass das Amtsgericht Halle Anfang August das Eigenverwaltungsverfahren eröffnet hat. In der Praxis bedeutet das: Geschäftsführung und Management versuchen, den Betrieb weiterzuführen und parallel die wirtschaftlichen Ursachen zu adressieren, etwa durch eine Anpassung der Kostenbasis oder durch eine Neuausrichtung der Standortstrategie. Wenn dabei gleichzeitig feststeht, dass Standorte bis zum Herbst identifiziert werden sollen, deutet das auf eine Phase hin, in der Kennzahlen zusammengeführt werden müssen – etwa Ergebnisbeiträge einzelner Filialen, Miet- und Energiekosten, Abverkaufsfähigkeit sowie die Frage, welche Filialen sich noch in ein schlankeres Netz einbinden lassen.
Auch außerhalb des Unternehmens wird die Entscheidung Auswirkungen haben. Rund 50 Filialschließungen sind nicht nur ein Ereignis im Handelsregisterkontext, sondern verändern Einkaufsgewohnheiten und lokalen Wettbewerb. Für Lieferanten und Dienstleister verschiebt sich potenziell die Planungsgrundlage, weil Absatzvolumen und Lieferfrequenzen von Filialstandorten abhängen. Ebenso steigt für verbliebene Standorte die Bedeutung von Prozessstabilität: Wenn Ware aus geschlossenen Häusern umverteilt wird, müssen Bestandsdaten konsistent sein, Rückläufe und Umverpackung organisiert werden und die Vermarktungsfähigkeit in den verbleibenden Filialen schnell hochskaliert werden. In einer Phase mit Unsicherheiten ist das kein „Nebenprodukt“, sondern eine Voraussetzung dafür, dass die Restrukturierung nicht neue Engpässe erzeugt.
Für Mitarbeitende, Kunden und die Region bleibt damit vorerst vor allem eine Frage offen: Welche Standorte genau sollen schließen, und wie wird die Übergangsphase gestaltet? Mäc-Geiz kündigt an, dass die betroffenen Standorte spätestens bis zum Herbst klar sein sollen. Bis dahin dürfte die Eigenverwaltung dazu beitragen, dass der operative Betrieb so weit stabil bleibt, dass Restrukturierungsentscheidungen getroffen werden können, ohne den gesamten Ladenbetrieb vorzeitig zu destabilisieren. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Spannung bestehen: Jeder Monat im laufenden Verfahren entscheidet darüber, wie viel Spielraum bei Kosten, Personal und Einkauf übrig bleibt. Für das weitere Vorgehen kommt es daher weniger auf einzelne Schlagzeilen an, sondern auf die konkrete Umsetzung des Plans, der aus den jetzt genannten Eckdaten abgeleitet werden muss.
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