CALIFORNIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Paramount erwartet den Abschluss der geplanten Fusion mit Warner Bros. Discovery trotz einer laufenden Kartellklage. In Q2 meldet das Unternehmen starke Zuwächse bei Paramount+, während die Erlöse aus dem linearen TV weiter unter Druck stehen. Die Gesellschaft nennt ein Ziel von bis zu 2,7 Milliarden US-Dollar Kosteneinsparungen bis Ende 2026 und bekräftigt ihren Blick auf Effizienzgewinne aus der Skydance-Paramount-Kombination. Gleichzeitig treibt ein Richter die Anhörung im US-Kartellverfahren in Richtung März-Termin voran.

Das Management von Paramount stellt die Weichen auf „Fortführung mit Ausführung“: Während die Fusion mit Warner Bros. Discovery (WBD) rechtlich ausgebremst wird, berichtet das Unternehmen für das zweite Quartal eine Mischung aus klaren Streaming-Erfolgen und anhaltenden Schwächen im klassischen linearen Programm. Für die Investoren ist diese Gemengelage wichtig, weil der Deal derzeit vor einem Gericht festhängt: Ein Richter hat einen Prozess-Termin im März angesetzt, um die Kartellklage der US-Länderanwälte (Attorney General) gegen die Par-WBD-Verschmelzung zu verhandeln. Das bedeutet praktisch, dass das Kapitalmarkt-Narrativ kurzfristig vom „Deal-Fortschritt“ auf die operative Umsetzung zurückspringt.
In den Kerndaten für Paramount+ liefert das Quartal eine deutliche positive Schlagzeile: Paramount bezeichnet Q2 als das bisher beste Quartal für die Retention in der Geschichte des Dienstes. Laut Unternehmensangaben wurden die Zuwächse unter anderem durch Dutton Ranch, UFC und die FIFA-Weltmeisterschaft erzielt, und zwar nicht exklusiv in sechs Ländern in Lateinamerika. Daraus resultieren rund 2 Millionen neue Paramount+-Abonnenten im Quartal, womit der weltweite Bestand auf 81,6 Millionen steigt. Gleichzeitig integriert BET+ nach Angaben des Unternehmens im zweiten Quartal in Paramount+, was für die Produktstrategie vor allem zwei Effekte haben dürfte: weniger separate App- und Abo-Landschaften sowie ein konsistenterer Preisschutz über den Content-Mix hinweg.
Operativ bleibt jedoch die Trennlinie zwischen Streaming und Linear-TV sichtbar. Die Gesamterlöse lagen laut Bericht etwa bei 6,9 Milliarden US-Dollar und damit im Rahmen der Prognosen, gleichzeitig jedoch gegenüber dem Vorjahr unverändert. Der Nettoertrag fiel auf 41 Millionen US-Dollar nach 57 Millionen im Vorjahr. In TV Media berichtet Paramount zudem eine Situation, in der die Profitabilität zwar gegenüber dem Vorjahr steigt, die Erlöse aber zurückgehen. Als Begründung nennt das Unternehmen Schritte, um die Kostenstruktur an den Rückgang bei linearen Erlösen anzupassen. Technisch betrachtet ist das ein klassisches Reaktionsmuster in Medienkonzernen: Wenn Reichweite und Werbebudgets aus dem linearen Kanal abwandern, verschiebt sich die Optimierung vom Umsatzwachstum hin zur Margenverteidigung, häufig über Produktions-, Redaktions- und Vertriebsanpassungen.
Im Hintergrund läuft parallel die Frage, ob der WBD-Deal wie geplant geschlossen werden kann. Paramount und WBD hatten die Transaktion im Februar angekündigt: Es handelt sich dabei um eine 31-US-Dollar-pro-Aktie-All-Cash-Offerte mit einem Dealwert von 110 Milliarden US-Dollar. Der Zeitplan des Managements hatte zuvor auf einen Abschluss im dritten Quartal gezielt; nun wird der Prozessfahrplan maßgeblich durch die Kartellrechtsschritte bestimmt. Die US-Länderanwälte, angeführt von Rob Bonta aus Kalifornien, haben nach Darstellung im Bericht eine Kartellklage eingereicht, die den Zusammenschluss verhindern soll; ein vorläufiges rechtliches Stoppsignal (Temporary Restraining Order) wurde erlassen. In solchen Konstellationen hängt die Wirkung für Unternehmen weniger an theoretischen Szenarien als an konkreten Verfahrensschritten: Paramount hatte für einen November-Termin plädiert, während die AGs einen Februar-Termin verlangten; der Richter setzte schließlich einen März-Termin an.
Für die Bewertung der Umsetzungskraft liefert Paramount zugleich eine doppelte Ergebnislinie: einerseits die laufende Integration aus der Skydance-Übernahme, andererseits die Vorbereitung auf die potenzielle Par-WBD-Kombination. Das Unternehmen hebt seine Jahresprognose 2026 für „adjusted EBITDA“ an und nennt eine Spanne von 3,8 bis 3,9 Milliarden US-Dollar. Außerdem erwartet Paramount bis Ende 2026 über 2,7 Milliarden US-Dollar an Kosteneinsparungen und führt damit die bereits kommunizierte Zielrichtung fort, zugleich aber mit zusätzlichem Nachdruck. Zusätzlich bekräftigt das Unternehmen Effizienzgewinne von 3 Milliarden US-Dollar oder mehr aus der Skydance-Paramount-Kombination. Für Analysten ist dabei entscheidend, ob diese Effizienzen durch Einmalaufwendungen „unterfüttert“ werden oder ob sie sich tatsächlich in wiederkehrenden Kostenstrukturen abbilden.
Im Wortlaut versucht Paramount, die Kartellbedenken und das laufende Verfahren in Relation zur Wettbewerbsrealität zu setzen. CEO David Ellison schreibt, dass man den Abschluss der geplanten Kombination „vollständig erwarte“, und verweist darauf, dass die Leitungsteams und rechtlichen Partner mit Kartell- und Wettbewerbsbehörden in mehreren Ländern zusammengearbeitet hätten. Laut Ellison hätten Behörden in 65 Gerichtsbarkeiten entweder grünes Licht gegeben oder entschieden, nicht gegen den Deal vorzugehen, einschließlich der Europäischen Kommission sowie Ländern wie Deutschland, Frankreich, Spanien, Kanada, Australien, China, Südafrika, Saudi-Arabien und Südkorea. Gleichzeitig macht der Bericht klar, dass in den USA eine gerichtliche Prüfung läuft; die Behauptung der Vergleichbarkeit mit der heutigen Wettbewerbslandschaft ersetzt also nicht das laufende Verfahren, sondern ordnet es politisch und wirtschaftlich ein. Die vom Management genannten Marktanteilsgrößen für TV- und Streaming-Zeit sowie Kino- und Zeitfensterwerte sind dabei vor allem eine argumentative Basis gegenüber den Vorwürfen.
Für den Markt bedeutet der „Merger Pause“-Effekt vor allem: Anleger schauen stärker auf standalone KPIs, während WBD-Deals und Laufzeiten für künftige Synergien in der Kalkulation zeitlich nach hinten rutschen. Die nächsten Wochen dürften deshalb von zwei Parallelsträngen geprägt sein. Erstens muss Paramount die Streaming-Pipeline stabil liefern, insbesondere bei Retention und bei der Fähigkeit, Content-Events in mehrere Regionen und Abomodelle zu übersetzen. Zweitens muss das Unternehmen die Kostenpfade weiter nachvollziehbar belegen, weil die lineare Erosion fortschreitet und sich schon kleinere Verschiebungen bei Werbe- und Programmvolumen spürbar in den Gewinnspannen niederschlagen können. Dass die Aktie nachbörslich zulegt und das Unternehmen am Ende des Quartals trotz des rechtlichen Bremsvorgangs „starkes Ergebnis“ in den Mittelpunkt stellt, zeigt: Der operative Fortschritt ist aktuell das Polster, bis das Gericht im März Klarheit in der Sache schafft.
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