AACHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Startup Leitspalt entwickelt ein Batteriesystem, das durch eine spezielle Struktur Kühlkanäle erzeugt und so das Laden beschleunigen soll. Mitgründerin und CFO Jana Maria Weinand treibt dabei Fundraising, Sales und Marketing voran. Nach rund zwei Jahren Arbeit wächst das Team auf 13 Mitarbeitende; zuletzt sicherte sich Leitspalt über das EIC-Accelerator-Programm eine EU-Förderung in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Zielbild der Gründer: perspektivisch soll jedes zehnte Auto mit einem ihrer Batteriesysteme fahren.

Leitspalt ist auf den ersten Blick „nur“ ein Batteriesystem-Startup aus Aachen. Bei genauerem Hinsehen geht es jedoch um ein grundlegendes Problem der E-Mobilität: Wie lassen sich höhere Leistungen in Packs erreichen, ohne dass Sicherheit, Kühlung und Fertigungskosten gleichzeitig aus dem Takt geraten? Genau an dieser Schnittstelle setzt das Team um Mitbegründerin und CFO Jana Maria Weinand an. Das Unternehmen arbeitet an einer nächsten Generation von Batterielösungen, die sich laut Beschreibung vor allem durch besonders gute Kühleigenschaften auszeichnen, und verbindet das mit dem Anspruch, Brände besser einzudämmen.
Weinand bringt dabei eine ungewöhnliche Mischung aus Betriebswirtschaft, Techniknähe und Finanzierungspraxis mit. Nach dem BWL-Studium in Köln und einem Einstieg in die Unternehmensberatung – unter anderem im Automobilumfeld – verschob sich ihr Blick mit Beginn der Corona-Pandemie. In der Beratung vermisste sie ihr späteres Gründungsprofil: die enge Teamarbeit, die unmittelbare Zusammenarbeit mit Kunden und vor allem die Möglichkeit, etwas Eigenes aufzubauen. Über einen Start-up-Club an der London Business School lernte sie bereits früh, wie „weibliches Unternehmertum“ konkret aussehen kann, inklusive der Perspektive, wie Gründerinnen denken. Diese Entwicklung mündete schließlich in ihre Rolle als Start-up-Coach an der RWTH Aachen, wo sie auch ihre späteren Mitgründer Jannik Bühring und Maximilian Schirp-Schoene kennenlernte.
Technisch basiert Leitspalt auf der Erfindung eines Batteriekonzepts, bei dem ein Bauteil mehrere Funktionen in sich vereint: Zellhalterung, innerer Rahmen und Kühlsystem. Das Ziel dahinter ist nicht nur ein besseres Thermomanagement, sondern auch eine Fertigungslogik, die weniger Handgriffe und damit niedrigere Kosten ermöglichen soll. Durch das Design entsteht ein Kühlekanal, der eine effizientere Kühlung unterstützt. In der Folge können Batteriezellen mit höherer Leistung geladen werden, wodurch sich die Ladezeit verringern soll. Zusätzlich lässt sich die Pack-Kapazität erhöhen, weil mehr Zellen im System untergebracht werden können und dadurch die Ladeleistung steigt.
Für Unternehmen, die über Batterietechnik nachdenken, ist jedoch die Sicherheitskomponente mindestens genauso wichtig wie Ladegeschwindigkeit. Leitspalt adressiert das über eine Barriere zwischen einzelnen Batteriezellen, wodurch sich Batteriebrände eindämmen lassen sollen. Gleichzeitig nennt das Startup einen weiteren Vorteil, der in der Praxis oft unterschätzt wird: die Verwertbarkeit. Anders als bei Systemen, die häufig in E-Autos verbaut sind, soll das Design den Verzicht auf Strukturschäume erlauben. Damit bleibt der Gedanke der Austauschbarkeit einzelner Zellen erhalten und das Recycling soll besser handhabbar werden. Für die Umsetzung heißt das: Der Pack wird nicht nur als „Energiebehälter“, sondern als modulare Baugruppe gedacht, in der auch Lifecycle-Kosten und Sicherheitsrisiken stärker mitkonstruiert werden.
Finanziell arbeitet Weinand an der Skalierungskompetenz, die man bei Hardware-Startups fast nie umgehen kann. Seit April 2024 arbeitet sie in Vollzeit für Leitspalt, und nach rund zwei Jahren kann das inzwischen 13-köpfige Team laut eigener Darstellung bereits mehrere Erfolge vorweisen – von zusätzlicher Investor-Akquise über Fördergelder bis hin zum Bau eines voll funktionsfähigen Prototyps. Besonders konkret wird es mit der EU-Förderung in Höhe von 2,5 Millionen Euro, die Leitspalt über das EIC-Accelerator-Programm sichern konnte. Zudem zieht das Unternehmen aus dem Collective Incubator in eigene Büros an der Hüttenstraße; in einer benachbarten Halle soll in den kommenden Monaten eine erste Pilotlinie aufgebaut werden. Bis zum Jahresende soll sich das Team laut Planung noch einmal verdoppeln – ein Signal, dass es nicht nur beim Demonstrator bleiben soll.
Neben der Technik steht bei Leitspalt auch ein kultur- und teambezogenes Ziel im Vordergrund. Weinand sagt ausdrücklich, dass sie bewusst viele Frauen einstellen möchte – trotz der Hürden im Mobilitäts- und Automobilbereich, in dem Frauen in der Tech-Branche weiterhin unterrepräsentiert seien. Als Referenz nennt sie, dass der Anteil weiblicher Gründender in Deutschland aktuell bei 19 Prozent liegt. In ihrer Argumentation verbindet sie das nicht mit politischer Rhetorik, sondern mit konkreter Arbeitslogik: Frauen kommunizieren laut Weinand zum Beispiel anders als Männer, und das könne im Sales-Bereich durchaus ein Vorteil sein. Ihr persönlicher Antrieb bleibt dabei die wiederkehrende Lernkurve des Gründens – jeden Tag aufzustehen für ein Thema, das sie „brennt“, und gleichzeitig einen Abdruck zu hinterlassen.
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