HERZOGENAURACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Schaeffler meldet mehr als ein Viertel höheren, bereinigten operativen Gewinn vor Steuern und Zinsen bei zugleich leicht rückläufigem Umsatz. Die operative Marge steigt um einen Prozentpunkt auf 4,5 Prozent, vor allem dank besserer Wälz- und Kugellager sowie eines stabilen Ersatzteilgeschäfts. In der Elektroautozulieferung bleibt jedoch ein spürbarer Dämpfer, weshalb die Mittelfristziele bereits gekürzt wurden. Parallel plant der Konzern in Deutschland weitere Kosten- und Stellenmaßnahmen über eine Ausweitung der Altersteilzeit.

Schaeffler: Operativer Gewinn steigt, doch Elektroauto-Zulieferung bremst
Schaeffler: Operativer Gewinn steigt, doch Elektroauto-Zulieferung bremst (Foto: IT BOLTWISE)
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Der jüngste Quartals-Impuls von Schaeffler wirkt wie eine Bestätigung dessen, was der Konzern in den vergangenen Monaten als Strategie verfolgt hat: das operative Geschäft in den etablierten Bereichen stabilisieren und gleichzeitig dort investieren bzw. umbauen, wo das Wachstum langsamer anzieht. Zwar ging der Umsatz leicht zurück, aber das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte deutlich zu. Konkret stieg das Ergebnis in der Meldung auf 264 Millionen Euro, nachdem der Konzern zuvor vor allem mit einer insgesamt angespannten Branchenlage gerechnet hatte. Die operative Marge kletterte damit um einen Prozentpunkt auf 4,5 Prozent, was für einen Industrie-Konzern kein kleiner Schritt ist, weil schon Verschiebungen in Volumen und Kostenstruktur spürbar auf die Marge durchschlagen.

Technisch betrachtet liegt der Hebel nicht in einer einzigen Wundermaßnahme, sondern in der Mischung aus Produkt- und Geschäftssegmenten. In der Sparte mit Wälz- und Kugellagern nennt Schaeffler eine deutliche Verbesserung; parallel läuft das Ersatzteilgeschäft weiter stark, während in der Elektroautozulieferung weniger Verlust anfällt. Genau diese Kombination ist für das Gewinnprofil entscheidend: Wälzlager und Ersatzteile haben typischerweise andere Nachfragekurven als Automotive-Neuaufträge, weil Ersatzteilumsätze häufig aus dem Bestand der installierten Maschinen und Fahrzeuge gespeist werden und dadurch weniger sprunghaft reagieren. Dass der Konzern mit den veröffentlichten Werten die Markterwartungen trifft, deutet darauf hin, dass die Budget- und Forecast-Mechanismen der Anleger bereits auf ein „wie erwartet“ vorbereitet waren, der operative Fortschritt aber dennoch ausreichend Substanz liefert, um die Marge spürbar zu verbessern.

Unter dem Strich zeigt sich allerdings die zweite Ebene der Bewertung: Selbst wenn das operative Bild besser aussieht, bleibt die Ertragslage über das Gesamtjahr hinweg anfällig für Abschwünge in zukunftsgetriebenen Bereichen. Schaeffler erzielte einen Gewinn von 34 Millionen Euro, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 40 Millionen Euro verzeichnet worden war. Der Sprung nach oben spiegelt damit nicht nur die Ergebnisverbesserung im Kerngeschäft wider, sondern auch die zeitliche Wirkung von Kosten, Sondereffekten und laufender Profitabilität in verschiedenen Sparten. Unternehmenschef Klaus Rosenfeld bestätigte die Jahresprognose, doch die Erwartungssicherheit ist begrenzt: Ende Juli hatten gesenkte Mittelfristziele die Investoren bereits verunsichert, weil die Aussichten in der Elektroautozulieferung für die kommenden Jahre weniger rosig sind. Damit entsteht ein typischer Zielkonflikt: Prognosen für ein Gesamtjahr stützen, während gleichzeitig in der Mittelfrist die Richtung nachgeschärft werden muss.

Besonders unter Marktgesichtspunkten wird dadurch sichtbar, warum die Aktie kurzfristig trotz des operativen Fortschritts unter Druck stehen kann. Im vorbörslichen Handel wurde die Aktie zeitweise 0,66 Prozent schwächer bei 7,52 Euro notiert. Der Hintergrund ist weniger die aktuelle Ergebniszeile als die erwartete Entwicklung bis 2028: Für den Bereich, den Schaeffler zuletzt mit dem Zukauf des Antriebsspezialisten Vitesco ausgebaut hat, wird bis 2028 wohl auch nicht die operative Gewinnschwelle erreicht, die zunächst geplant war. Auf der Kostenseite kündigt das Management daher weitergehende Eingriffe an, die als „zweite Betriebsart“ im Konzernverständnis funktionieren: Wenn neue Wachstumstreiber langsamer werden, wird die Kostenstruktur härter auf Effizienz getrimmt, um die Cash- und Ergebnisfähigkeit nicht zu gefährden.

Genau hier setzt die Personalstrategie an, die das Unternehmen für Deutschland konkretisiert: Schaeffler will weiter Kosten senken und Stellen abbauen. Der Vorstand hat eine Ausweitung des Angebots zur Altersteilzeit beschlossen, und der Konzern begründet das doppelt: Einerseits besteht eine hohe Nachfrage nach solchen Verträgen, andererseits sollen die Kosten an deutschen Standorten weiter sinken und die Wettbewerbsfähigkeit steigen. Für die Planung nennt Schaeffler eine Teilnahmequote: Etwa ein Fünftel der betroffenen Jahrgänge bis einschließlich 1971 soll das Angebot in Anspruch nehmen. Das entspräche rund 1.300 Mitarbeitenden aus Produktion und Verwaltung; der damit verbundene Aufwand wird im laufenden Jahr als Sondereffekt erfasst, während erste Einspareffekte ab 2027 wirken sollen. Operativ ist das eine Maßnahme, die in der Wirkung zeitlich staffelt: Sie belastet kurzfristig die Ergebnisrechnung über den Sondereffekt, soll aber mittelfristig die Fixkostenbasis reduzieren.

Dass das Programm nicht isoliert betrachtet werden darf, liegt auf der Hand: Bereits im November 2024 hatte Schaeffler den Abbau von 4.700 Stellen in Europa angekündigt, und die neuen Maßnahmen sollen dieses Programm aufstocken. In Summe entsteht damit eine klare Botschaft an den Kapitalmarkt: Der Konzern will die strukturelle Kostenbasis an eine Entwicklung anpassen, die in der Elektroautozulieferung hinter früheren Annahmen zurückbleibt. Für die Technologie- und Industriezuliefererlandschaft ist das ein wichtiges Signal, weil sich Investitions- und Produktionsentscheidungen häufig über mehrere Jahre verketten. Wenn die Nachfrage nach bestimmten Antriebs- und Automobilkomponenten langsamer wächst, müssen Kapazitäten, Qualifikationsprofile und Lieferketten entsprechend entkoppelt werden, damit die operative Marge nicht dauerhaft unter Druck gerät.

Auch ohne zusätzliche Detailangaben zu den konkreten Einspareffekten ab 2027 lässt sich aus der Logik der Maßnahme ableiten, worauf es in den nächsten Quartalen ankommt: Managementaufmerksamkeit, Kostenkontrolle und die Frage, wie schnell sich die Sparte mit Wälz- und Kugellagern sowie das Ersatzteilgeschäft noch weiter stabilisieren lassen. Gleichzeitig bleibt die zentrale Unbekannte die Entwicklung in der Elektroautozulieferung bis zum Ende des Jahrzehnts, weil dort die Mittelfristplanung bereits korrigiert wurde und damit auch die Erwartungshaltung der Märkte neu kalibriert werden muss. In einem Umfeld, in dem sich die KI-gestützte Prozessoptimierung in Produktion und Instandhaltung zwar zunehmend verbreitet, ist der Hebel hier dennoch primär klassisch: Effizienzsteigerung durch Prozessdisziplin, Kostenabbau durch Organisationsanpassung und die selektive Priorisierung von Geschäftsteilen, die kurzfristig belastbar liefern. Für Unternehmen in der Lieferkette bedeutet das zugleich: Wer an der richtigen Stelle in Qualität, Verfügbarkeit und Service investiert, kann auch bei schwächerer Neuzulieferung über Ersatzteil- und Bestandsumsätze Tempo halten.


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