LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforscher melden mehrere Lecks in WebKit, der Browser-Engine hinter Safari auf iOS und macOS. Bestätigt wird, dass echte IP-Adressen sowie DNS-Informationen auch dann an Zielserver oder Tracking-Dienste gelangen können, wenn Datenschutz-Optionen wie Proxys oder Apples iCloud Private Relay aktiv sind. Besonders kritisch: DNS-Prefetching, WebAuthn und WebTransport sollen den Proxy-Schutz umgehen. Für Anwender bedeutet das, dass klassische Annahmen zur Anonymisierung über Proxy-Ketten nicht mehr pauschal stimmen.

WebKit-Lecks in Safari: Proxy und iCloud Private Relay schützen die IP offenbar nicht zuverlässig
WebKit-Lecks in Safari: Proxy und iCloud Private Relay schützen die IP offenbar nicht zuverlässig (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Privatsphäre im Browser war für viele Nutzer bislang mit einem einfachen Muster verknüpft: Aktivieren sie Datenschutzfunktionen wie Proxys oder Apples iCloud Private Relay, dann sollten Zielserver und Tracking-Dienste zumindest keine verlässlichen Netzwerk-Identitäten erhalten. Genau dieses Vertrauen gerät nun ins Wanken, weil Sicherheitsforscher am 5. August 2026 Schwachstellen in WebKit bestätigten, der Engine hinter Safari und weiteren Browsern auf iOS und macOS. Demnach werden echte IP-Adressen und DNS-Informationen selbst dann preisgegeben, wenn Nutzer ausdrücklich entsprechende Datenschutz-Tools eingeschaltet haben. Für Teams, die sich auf Browser-„Hygiene“ statt auf tiefere Netzwerksegmente verlassen, ist das vor allem deshalb relevant, weil es die Trennung zwischen Applikationsschicht und Transport-/Netzwerkebene technisch in Frage stellt.

Technisch betrachtet liefern die gemeldeten Lecks nicht „nur“ ein einzelnes Fehlverhalten, sondern sie setzen bei konkreten WebKit-Funktionen an, die offenbar Proxy-Einstellungen nicht korrekt respektieren. Genannt werden DNS-Prefetching, WebAuthn und WebTransport. DNS-Prefetching soll dabei bereits vor einem vollständigen Seitenaufruf Informationen im Hintergrund anstoßen und dadurch Details über die tatsächliche Adress- und Namensauflösung verraten. WebAuthn betrifft Systeme ab iOS 18.0, in denen Authentifizierungsvorgänge über Browser-APIs stattfinden; wenn dabei Proxy-Protokolle umgangen werden, kann die Netzwerkspur trotz aktivierter Schutzmechanismen wieder erkennbar werden. WebTransport wiederum ist ab iOS 26.4 relevant und nutzt für Echtzeit-Streams eine transportnahe Kommunikationslogik – und genau dort scheint der Proxy-Schutz ebenfalls nicht zuverlässig zu greifen.

Aus Sicht von Security Engineering ist die zeitliche Einordnung besonders interessant: Die DNS-Prefetching-Schwachstelle soll seit iOS 26.0 existieren, während WebAuthn erst ab iOS 18.0 sowie WebTransport ab iOS 26.4 betroffen sein sollen. Proof-of-Concept-Tests werden dabei als Beleg dafür angeführt, dass die Anonymität von Safari-Nutzern kompromittiert werden kann, aber auch von „Proxy-basierten“ Browsern und sogar von der iOS-Version eines Tor-Browsers. Damit verschiebt sich die Problematik weg vom reinen „Browser-spezifischen“ Bug hin zu einem grundlegenden Thema: Wenn innerhalb der Engine Module arbeiten, die DNS- oder Transportpfade vor dem eigentlich gewünschten Proxy-Nutzungspunkt anstoßen, kann jede noch so gut gewählte Proxy-Kette an dieser Stelle „durchstoßen“ werden. Gleichzeitig gibt es laut Branchenanalysen zumindest Entwarnung für klassische VPN-Dienste, weil sie von diesen konkreten WebKit-Fehlstellen offenbar nicht genauso direkt betroffen sein sollen.

In der Praxis wird die Lage damit weniger binär („Proxy an = anonym“) und stärker architekturabhängig. Einige Gegenmaßnahmen laufen bereits bei Drittanbietern an: Der Proxy-Browser Psylo wird mit Version 1.3.1 genannt, die DNS-Prefetching blockiert und WebAuthn sowie WebTransport standardmäßig deaktiviert. Auch der Onion Browser gilt auf seiner Silver-Sicherheitsstufe als immun gegen das WebTransport-Leck. Das sind bemerkenswerte Ansätze, weil sie nicht nur „irgendwelche“ Tracking-Skripte unterbinden, sondern gezielt die betroffenen WebKit-Teilaspekte einschränken. Gleichzeitig ist es ein Trade-off: Wenn APIs wie WebAuthn oder WebTransport deaktiviert werden, kann das Funktionen in Anwendungen beeinträchtigen, die auf passwortlose Authentifizierung oder Echtzeit-Workflows angewiesen sind.

Apple reagiert derweil ebenfalls auf die Meldungen: Mit iOS 26.5.2 sollen über zwei Dutzend Sicherheitslücken geschlossen worden sein, darunter Memory-Corruption-Exploits in WebKit. Auffällig ist zudem, dass beim Aufspüren einiger Schwachstellen ein KI-System namens Claude von Anthropic die Forscher unterstützt haben soll. Parallel dazu entzündet sich eine Debatte an den Hürden im Bug-Bounty-Programm: Sicherheitsforscher von Bynario werden genannt, die zunächst bei der Einreichung eines kritischen macOS-Exploits an einer Obergrenze im Meldesystem gescheitert sein sollen; als Grund wird offenbar das Eindämmen einer Flut von KI-generierten „Spam“-Meldungen angeführt. Gerade für Unternehmen mit eigener Vulnerability-Disclosure-Strategie ist das ein Signal: Nicht nur technische Lücken, auch Prozess- und Plattformgrenzen entscheiden darüber, wie schnell relevante Funde in die Patch-Kette gelangen.

Für die Netzwerksicherheit kommt noch eine zweite Ebene hinzu, weil das Leck-Thema in eine Zeit fällt, in der Malware-Beobachtungen zunehmend direkte IP-Verbindungen priorisieren. In den vorliegenden Analysen heißt es, dass 45,32 Prozent der Malware-Proben mit Command-and-Control-Aktivität inzwischen direkte IP-Verbindungen nutzen und DNS dabei umgehen, um der Erkennung zu entgehen. Genau an dieser Schnittstelle passen WebKit-Lecks ins Gesamtbild: Wenn ein Browser Modulleisten in Richtung IP- und DNS-Leckage „durchlässt“, werden traditionelle Kontrollen – etwa DNS-basierte Erkennung oder Proxy-basierte Erwartungshaltungen – weniger wirksam. Das betrifft nicht nur Privatanwender, sondern auch Unternehmen, die ihre Sicherheitsarchitektur auf überwachten Gateways und definierte Kommunikationspfade aufbauen. Der betroffene Exploit CVE-2026-43760 wird zudem als Privilegienausweitung in der macOS-Bildschirmfreigabe beschrieben, wobei auf dem Schwarzmarkt ein Wertbereich von 100.000 bis 200.000 Euro genannt wird; erst nach öffentlicher Offenlegung soll Apple die Lücke mit dem Update macOS Tahoe 26.6 geschlossen haben. Für IT-Verantwortliche heißt das: Patch-Fenster, Monitoring und die Überprüfung realer Netzwerkspuren im Browser sollten zusammen gedacht werden – nicht als voneinander unabhängige Maßnahmen.


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