LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Zeotap macht seine Customer Data Platform ab sofort als native Snowflake-App im Snowflake Marketplace verfügbar. Die CDP-Logik läuft laut Anbieter durchgängig im Snowflake-Konto des Kunden, inklusive Identitätsauflösung, Zielgruppenaufbau und Journey-Orchestrierung. Damit sollen Daten den Snowflake-Perimeter nicht verlassen, während bei Aktivierung nur gehashte Zielgruppen übertragen werden. Für Unternehmen in regulierten Branchen reduziert das den Aufwand bei Governance- und Prüfprozessen, ohne die Marketing-Workflow-Oberfläche zu verlagern.

Zeotap stellt seine Customer Data Platform (CDP) als native Snowflake-App bereit – und adressiert damit ein wiederkehrendes Problem aus vielen CDP-Projekten: die Daten müssen bislang häufig aus dem eigentlichen Daten-Stack in ein separates, proprietäres System kopiert werden. Der Anbieter positioniert die Neuerung als „Composable CDP“, bei der die zentrale Verarbeitung innerhalb des unternehmensinternen Snowflake-Kontos stattfindet. Technisch heißt das im Kern: Identitätsauflösung, Zielgruppensegmentierung, Customer-Journey-Orchestrierung sowie Aktivierung sollen als containerisierte Dienste auf Snowpark Container Services (SPCS) laufen, ohne dass Kundendaten den sicheren Perimeter von Snowflake verlassen.
Der praktische Nutzen zeigt sich laut Mitteilung besonders dort, wo Security- und Compliance-Teams bei Datentransfers am stärksten nachhalten: In klassischen Setups werden First-Party-Daten in eine eigene CDP-Datenbasis gespiegelt, bevor Marketer mit Segmenten oder Journeys arbeiten können. Das erhöht die Prüf- und Freigabeoberfläche, weil mehr Speicherorte, mehr Pipelines und mehr Schnittstellen in der Risikoanalyse auftauchen. Bei der nativen Snowflake-Variante sollen die einheitlichen Profile dagegen als Snowflake-Tabellen im Besitz des Kunden umgesetzt werden. Außerdem gilt bei der Aktivierung ein engerer Datenschutzrahmen: Es werden ausschließlich gehashte Zielgruppen übergeben, nicht unverschlüsselte personenbezogene Daten.
Besonders interessant für die technische Architektur ist, wie Zeotap die Plattform nicht als „Notebook“ versteht, sondern als komplette Anwendung mit Business-UI. Laut Beschreibung umfasst die Lösung einen „Audience Builder“ per Drag-and-Drop, eine visuelle Journey-Arbeitsfläche sowie Dashboards für Einwilligungen und Governance. Diese Funktionen werden als maßgeschneiderte Webanwendung über SPCS direkt im Snowflake-Umfeld bereitgestellt – sodass Business-Teams eine Bedienoberfläche bekommen, die sich nach SaaS anfühlt, während die Datensätze im eigenen Snowflake-Konto verbleiben. Gerade für Unternehmen, die Snowflake bereits als Analytics- und Datenhub nutzen, reduziert das die Reibung zwischen Marketing-Betrieb und Datenbetrieb, weil weniger Export- und Importpfade nötig sind.
Inhaltlich deckt Zeotap bei der Markteinführung mehrere Bausteine ab, die für CDPs typischerweise getrennt betrachtet werden: Bei der Identitätsauflösung nennt der Anbieter deterministische und probabilistische Abgleiche, die pro Person eine dauerhafte ID generieren, wobei die Berechnung im Konto des Kunden erfolgen soll. Beim Zielgruppenaufbau setzt Zeotap auf SQL-freie Segmentierung mit Echtzeit-Schätzungen der Zielgruppengröße auf Basis von Snowflake-Daten. Die Journey-Orchestrierung wiederum soll mehrstufige, kanalübergreifende Abläufe über Echtzeit-Auslöser abbilden, die auf Snowflake-Ereignissen basieren. Daneben kommt „ZeoAI“ hinzu: Modelle für Kaufneigung, Abwanderung, Lifetime Value sowie Look-alike sollen auf First-Party-Daten des Kunden trainiert werden – ohne Export und ohne zweiten ML-Stack, wobei die KI-Funktionen über Snowflake Cortex AI angebunden sein sollen.
Für den Marktbetrieb ist zudem die Aktivierungsbreite relevant: Zeotap nennt über 250 Aktivierungsendpunkte für Werbeplattformen, ESPs, CRMs, Retail-Media- und Kundenservice-Tools. Damit geht es nicht nur um das Erstellen von Segmenten, sondern um die Ausspielung in die Systeme, in denen Kampagnen tatsächlich stattfinden. Gleichzeitig betont der Anbieter die Einwilligungs- und Governance-Schicht: zweckgebundene Einwilligung soll zum Zeitpunkt der Aktivierung durchgesetzt werden; die Anwendung wird als konform mit DSGVO, CCPA und dem EU-KI-Gesetz beschrieben. Auf technischer Ebene ist das vor allem eine Frage, wie Rechte und Zustände in der Journey-Logik verankert sind – also ob die Zulässigkeit pro Zweck, Segment und Zielsystem zur Laufzeit geprüft wird oder bereits vorher statisch modelliert werden kann.
Auch die Beschaffung soll reibungsärmer werden: Mit einer festgelegten Snowflake-Ausgabenobergrenze will Zeotap den Erwerb über das „Marketplace Capacity Drawdown Program“ ermöglichen. Für Kunden bedeutet das laut Mitteilung, dass ein separater Beschaffungszyklus oder die Einbindung eines zusätzlichen Anbieters entfallen kann, weil die App über zugesagte Snowflake-Ausgaben abgedeckt wird. Dass eine Verbindung zur ersten Live-Aktivierung in „acht Wochen“ möglich sein soll, adressiert vor allem Teams, die zwischen Pilot und produktivem Betrieb unter Zeitdruck stehen. Der Gründer und Chief Product Officer, Projjol Banerjea, wird dazu mit den Worten zitiert: „Das Frontier-Modell wird zu einer Massenware; der Kundenkontext hingegen nicht.“ Weiter sagt er: „Unternehmen haben Jahre damit verbracht, diesen Kontext in Snowflake zu konsolidieren. Unsere Aufgabe bestand darin, das gesamte CDP in die Daten zu integrieren, anstatt die Daten in das CDP zu übertragen. Wir erreichen dies, indem wir die gesamte Plattform – nicht nur eine einzelne Funktion, sondern das gesamte System – im Snowflake-Konto des Kunden betreiben, sodass die Kunden weiterhin die Kontrolle über jeden einzelnen Datensatz behalten.“
Auf Seiten des Plattformökosystems unterstreicht Snowflake die Ausrichtung auf native App Frameworks: Dan Waters, VP für EMEA Partners & Alliances, wird mit: „Wir haben das Snowflake Native App Framework entwickelt, damit Partner wie Zeotap ihre Anwendungen auf unserer benutzerfreundlichen, vernetzten und vertrauenswürdigen Plattform mit den Daten der Kunden verknüpfen können. Dass Zeotap auf diese Weise eine umfassende Kundendatenplattform bereitstellt, ist eine wertvolle Ergänzung des modularen Ökosystems auf dem Snowflake Marketplace.“ Für die Branche ist daran weniger die reine Verfügbarkeit im Marketplace entscheidend als das Gesamtbild: CDPs werden zunehmend nicht nur als Datenlager, sondern als orchestrierte Plattformschicht verstanden, die eng an den Daten- und Governance-Rahmen des Kunden gekoppelt sein muss. Wenn diese Kopplung über native Apps gelingt, steigen die Chancen, dass Marketing-Workflows schneller produktiv gehen, während die Datenverarbeitung im vorhandenen Sicherheits- und Betriebsmodell bleibt.
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