MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Siemens meldet für das dritte Quartal 2025/26 einen Rekord bei Ergebnis und Auftragseingang und hebt damit die Gewinnprognose an. Der Umsatz steigt vergleichbar um 8 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro, der Auftragseingang wächst um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro. Besonders stark entwickeln sich die Digital-Industries-Geschäfte mit Automatisierungstechnik und Industriesoftware, während Smart Infrastructure vom Rechenzentrenboom profitiert. Parallel treibt der Konzern den Umbau zur „One Tech Company“ voran – allerdings mit Unsicherheit in Teilen der Belegschaft.

Siemens mit Rekordquartal: Software- und Rechenzentrenboom treiben KI-Fokus
Siemens mit Rekordquartal: Software- und Rechenzentrenboom treiben KI-Fokus (Foto: IT BOLTWISE)
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Siemens startet den anstehenden Umbau nicht mit Sparappellen, sondern mit einer Ergebnisbasis, die Anlegern wenig Raum für Zweifel lässt. Im dritten Quartal 2025/26 (April bis Juni) kletterte der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 8 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig stieg der Auftragseingang um 13 Prozent auf erstmals 27,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis im industriellen Geschäft verbesserte sich um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, die dazugehörige Marge lag bei 17,3 Prozent. Damit lag der Konzern nach den im Text genannten Vergleichswerten über den Erwartungen der Kapitalmärkte.

Die zentrale Botschaft für die Tech- und Industrie-Community liegt weniger im einzelnen Prozentpunkt, sondern in der Ableitung: Siemens verknüpft das laufend gute Geschäft explizit mit einer strategischen Neuausrichtung, die sich stärker am integrierten Technologieansatz orientiert. CEO Roland Busch hat den Fokus auf industrielle KI und die profitablere Ausrichtung in den Geschäften hervorgehoben; in der aktuellen Berichterstattung wird zudem klar, dass die interne Struktur im Rahmen der „One Tech Company“-Strategie zum 1. Oktober umgesetzt werden soll. Für die operative Arbeit bedeutet das: Bereiche, die bisher stärker getrennt agierten, sollen bei Technologieplattformen enger zusammenarbeiten und gemeinsam beim Kunden auftreten. Auch im Vertrieb wird nach Angaben aus dem Text ein höherer Anteil direkter Kundenkontakte und ein Ausbau des Marketings angekündigt.

Technisch betrachtet ist diese Ausrichtung eng mit den laufenden Investitionszyklen in Fabriken und der Infrastruktur dahinter verknüpft. Siemens’ Digital-Industries-Sparte (DI) mit Automatisierungstechnik und Industriesoftware zeigt in den Zahlen, warum der Konzern aktuell besonders auf Software und Rechenzentrums-nahe Anwendungsfälle schaut: Die Umsätze in DI wuchsen vergleichbar um 10 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Bei den Software-Geschäften lag das Wachstum laut Quelle mit 15 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro sogar über dem Sparte-Schnitt. Das Ergebnis verbesserte sich um 44 Prozent auf 923 Millionen Euro; die Marge betrug 18,7 Prozent. Dahinter steht typischerweise die Kombination aus Prozessautomatisierung, Datenanbindung und KI-gestützter Optimierung, die in der Praxis oft erst dann wirtschaftlich wird, wenn Software und Betriebstechnik als zusammenhängende Lösung geliefert werden.

Die Investoren blicken dabei auch auf mögliche Reibungspunkte, denn der Text beschreibt Disruptionen, die sich aus den Fortschritten bei KI ergeben könnten. Für Siemens heißt das: Software und Plattformen müssen nicht nur schneller werden, sondern auch sauber in bestehende OT- und IT-Landschaften integrierbar bleiben. Genau hier treffen mehrere Entwicklungen zusammen, die in der Industrie seit Jahren vorbereitet werden: Standardisierte Schnittstellen, modellbasierte Planung und die zunehmende Verlagerung von Workflows in Richtung datengetriebener Systeme. Für Käufer zählt dann vor allem, ob sich KI-Fähigkeiten in konkrete Automatisierungsnutzen übersetzen lassen – etwa bei Qualität, Energieeffizienz oder Verfügbarkeit. Dass DI in den letzten Monaten überproportional wächst, liefert dem Konzern zumindest kurzfristig Rückenwind, während die langfristige Herausforderung eher in der Skalierung dieser KI-Funktionen über Produktlinien hinweg liegt.

Smart Infrastructure (SI) zeigt derweil, wie eng Siemens die Nachfrage aus dem IT-Infrastruktur-Umfeld mit eigener Gebäude- und Energiesteuerung verknüpft. Laut Angaben stiegen die Umsätze in dieser zweiten Kernsparte vor allem dank des Booms neuer Rechenzentren um 13 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte sogar um 42 Prozent auf 8 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis wuchs um 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, die Marge lag bei 20 Prozent. Für Siemens bedeutet das: Der Rechenzentrenausbau wirkt sich nicht nur auf klassische Strom- und Gebäudetechnik aus, sondern erhöht auch den Druck auf intelligente Steuerung, Lastmanagement und Effizienzoptimierung – also Bereiche, in denen sich Softwareanteile und Automatisierungslogik besonders ausprägen lassen.

Damit rückt auch die Frage nach Führung und Kontinuität in den Fokus. Siemens wird seit Kurzem von dem Technologie- und Strategiechef Peter Kört e geführt; gleichzeitig wird im Text beschrieben, dass Kört e operativ bei Smart Infrastructure die Erfolgsgeschichte seines Vorgängers Matthias Rebelius fortführen soll. In Industriekreisen wird es als Herausforderung bezeichnet, Marktposition und Profitabilität in einem zyklischen Geschäft über Jahre hinweg zu halten. Der Text verweist außerdem darauf, dass viele in der Branche zwar mit einem späteren Abklingen des Auftragsbooms rechnen, die Geschäfte aber bislang „weiterhin gut laufen“. Unterm Strich wird damit ein typisches Muster der Industriebranche sichtbar: Selbst wenn die Nachfrage kurzfristig hoch bleibt, entscheidet die Fähigkeit zur Skalierung von Software, Services und Integrationsprozessen über die längerfristige Ergebnisqualität.

Operativ bleibt Siemens zudem in einer Phase, die man aus Organisationsentwicklung kennt: Der Umbau ist terminiert, aber die neue Struktur erzeugt Unsicherheit. Laut Quelle wissen tausende Mitarbeitende noch nicht, welche Titel und Aufgaben sie künftig haben. Diese Lücke ist für ein Unternehmen, das gerade stark auf integrierte Technologie setzt, nicht nur ein HR-Thema, sondern auch ein Delivery-Thema: Wer Teams in Vertrieb, Produktentwicklung und Projektabwicklung zusammenführt, braucht klare Rollen, damit Architekturentscheidungen und Kundenschnittstellen zügig umgesetzt werden können. Gleichzeitig bestätigt die Prognoseanhebung, dass die Finanzseite die Umstellung derzeit mitträgt: Für das Gesamtgeschäftsjahr rechnet Siemens weiterhin mit einem Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent auf vergleichbarer Basis; beim Gewinn nach Steuern (vor Sondereffekten) erwartet der Konzern nun 11,20 bis 11,50 Euro (zuvor: 10,70 bis 11,10 Euro).

Verglichen mit Wettbewerbern zeigt sich zudem, warum Siemens die eigene Position im Software- und Automatisierungsumfeld betont. Im Text wird als Referenz genannt, dass der US-Konkurrent Rockwell Automation im dritten Quartal 2025/26 (zum 30. September) Umsatz und operatives Ergebnis ebenfalls steigern konnte, die Marge aber nur bedingt vergleichbar ist. Für deutsche und europäische Industrieunternehmen ist das entscheidend: Der Wettbewerb verlagert sich schrittweise von reiner Hardware-Performance hin zu Ökosystemen aus Software, Datenflüssen und Engineering-Tools. Wenn Siemens jetzt konsequent „One Tech Company“ umsetzt und dabei industrielle KI sowie Plattformnähe stärker verzahnt, geht es weniger um kurzfristige Ergebniszahlen als um die Frage, ob sich Integrationsaufwände für Kunden reduzieren lassen und ob Automatisierungstechnik und Industriesoftware künftig schneller ausgerollt werden können – auch dann, wenn der aktuelle Boom bei Rechenzentren und Investitionen einmal nachlässt.


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