DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle drängt Rheinmetall-Chef Armin Papperger auf deutlich mehr Tempo und Technik bei der Drohnenabwehr. Er fordert, anfliegende Drohnen „sehr schnell“ zu erkennen und im Ernstfall auch abschießen zu können. Deutschland sei noch nicht flächendeckend mit Abwehrtechnologie ausgestattet, obwohl kritische Infrastruktur weit über Flughäfen hinausgehe. Papperger nennt zudem Funkmasten und ein Frühwarnsystem als Bausteine für eine bessere Detektion bereits im weiten Vorfeld.

Rheinmetall-Chef fordert bessere Drohnenabwehr und frühe Erkennung
Rheinmetall-Chef fordert bessere Drohnenabwehr und frühe Erkennung (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Ruf nach besserer Drohnenabwehr kommt in diesen Tagen nicht aus dem luftleeren Raum, sondern aus einem konkreten Vorfall: Auf dem Flughafen Leipzig/Halle war laut Sicherheitsangaben eine Drohne gefunden worden, an der offenbar Sprengstoff befestigt war. Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender Armin Papperger hat daraus vor allem eine operative Konsequenz abgeleitet: Deutschland müsse Angriffe schneller erkennen und im Notfall auch handlungsfähig bleiben. Der Schwerpunkt liegt dabei weniger auf Symbolpolitik als auf der Frage, wie sich Bedrohungen aus der Luft frühzeitig lokalisieren lassen, bevor sie Ziele erreichen.

Technisch betrachtet beschreibt Papperger den Kern von Counter-UAS-Ansätzen in zwei Schritten: Detektion und Reaktion. Er betont, dass es nicht ausreiche, einzelne Standorte punktuell zu schützen, weil es neben Flughäfen zahlreiche kritische Ziele in der Infrastruktur gibt. Gleichzeitig stellt er die Messlatte höher: Systeme sollen anfliegende Drohnen „schon von Weitem“ erkennen, aber auch solche erfassen, die kurzfristig aufsteigen. Genau diese Kombination ist in der Praxis anspruchsvoll, weil sich Flugprofile, Höhenlagen und Radarsignaturen je nach Plattform und Umfeld stark unterscheiden. Wer nur auf eine Sensorik- oder Einsatzlogik setzt, stößt schnell an Grenzen, wenn die Wahrscheinlichkeit für Überraschungsstarts oder wechselnde Flugbahnen steigt.

Im selben Zusammenhang verweist Papperger auf die politische Dimension: Der Gesetzgeber müsse tätig werden, nachdem zunächst klar sei, was konkret geschützt werden soll und welche Technologie dafür geeignet ist. Diese Reihenfolge ist für viele Unternehmen und Behörden relevant, weil sie darüber entscheidet, welche Schnittstellen, Betriebsmodelle und Verantwortlichkeiten in der Fläche tatsächlich funktionieren. Das zeigt sich auch in der jüngeren Entwicklung der Drohnenabwehr in Deutschland: Seit 2025 wurden laut Quelle verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht, darunter ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) bei der Bundespolizei sowie eine neue Drohnenabwehreinheit, die Ende 2025 in Dienst gestellt wurde. Der Aufbau solcher Strukturen ist ein historisch wiederkehrendes Muster in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik: Zuerst entstehen Koordinations- und Einsatzfähigkeiten, danach folgen Standardisierung und der Skalierungsweg für Technik.

Für die technische Umsetzung nennt der Rheinmetall-Chef vor allem zwei Bausteine, die in Summe auf ein mehrschichtiges Erkennungskonzept zielen. Er sagt, Rheinmetall arbeite unter anderem mit der Telekom zusammen, um Funkmasten künftig für die frühzeitige Erkennung von Drohnen in ganz Deutschland zu nutzen. Zusätzlich verweist er auf ein Frühwarnsystem, das Bedrohungen aus der Luft bereits im Vorfeld erkennen, identifizieren und „lückenlos verfolgen“ können soll. Aus Ingenieurssicht deutet das auf den Anspruch hin, Sensorfusion nicht nur als Begriffsstrategie zu verstehen, sondern als praktisches Zusammenspiel verschiedener Datenquellen: Funkumgebung, Lagebilder und Zielverfolgung müssen so abgestimmt werden, dass aus einzelnen Messpunkten eine robuste Spur entsteht. Auch Unternehmen anderer Rüstungskonzerne arbeiten laut Quelle an Systemen zur Erkennung und Abwehr von Drohnen; der Wettbewerbsdruck entsteht dabei weniger durch einzelne Sensoren, sondern durch die Fähigkeit, Latenz und Fehlalarme im Einsatz zu beherrschen.

Markt- und Entscheidungsrelevant ist dabei, dass die Quelle ausdrücklich eine unzureichende flächendeckende Ausstattung in Deutschland beschreibt. Das ist für Betreiber kritischer Infrastruktur ein praktisches Problem: Wer Drohnenabwehr erst dann beschafft, wenn ein Standort bereits betroffen ist, verliert Zeit bei Integration, Training und Freigabe. Pappergers Argumentation setzt deshalb auf Skalierbarkeit: Abwehr nicht nur am „Hotspot“, sondern entlang der geografisch relevanten Reichweiten von Funk- und Überwachungssystemen. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob aus Pilotprojekten tragfähige Fähigkeiten werden, die mehrere Bedrohungszenarien abdecken – von kurzzeitig startenden Kleinstdrohnen bis zu komplexeren Anflugprofilen.

Historisch lässt sich das Anliegen als nächste Stufe der Sicherheitsarchitektur einordnen. In den vergangenen Jahren haben sich Drohnen von einem eher experimentellen Einsatzmittel zu einer regelmäßig diskutierten Bedrohung entwickelt, die mit vergleichsweise günstiger Technik echte Wirkung entfalten kann. Damit verschiebt sich auch die Arbeitslogik: Nicht mehr nur „wer schießt“, sondern „wer sieht zuerst“ und „wer versteht die Spur zuverlässig“ rückt in den Vordergrund. Dass Papperger zusätzlich die Definition der Schutzobjekte fordert, passt zu dieser Evolution, weil sich Prioritäten in der Praxis unterscheiden: Eine Flughafenanlage erfordert andere Betriebsfenster und Koordination als etwa Energie- oder Verkehrsstandorte. Ohne diese saubere Zieldefinition bleibt der Abwehransatz leicht halbherzig – und genau davor warnt er.

Für Unternehmen bedeutet das Signal vor allem: Drohnenabwehr muss als System gedacht werden, nicht als einzelnes Produkt. Wer Funk-Detektion, Frühwarnung, Identifikation und Verfolgung zusammendenkt, braucht klare Betriebsprozesse, organisatorische Zuständigkeiten und eine technische Integration in bestehende Sicherheits- und Einsatzketten. Die Quelle beschreibt zwar konkrete Schritte wie das GDAZ und die Einheit der Bundespolizei, zugleich bleibt die zentrale Frage offen, wie schnell sich passende Technologien tatsächlich bis in alle relevanten Regionen ausrollen lassen. In der Zwischenzeit steigt der Druck, dass Unternehmen, Betreiber und Behörden ihre Anforderungen an Erkennung und Reaktion präzise formulieren – denn ohne funktionierende Detektion wird jede Abwehrstrategie am Ende nur reagieren, nicht vorwegnehmen.

Abschließend ordnet Pappergers Position die aktuellen Ereignisse als Indikator für eine steigende Bedrohungslage ein: Die Vorfälle würden sich seiner Einschätzung nach häufen. Damit wird die Debatte über Drohnenabwehr auch zu einer Debatte über Geschwindigkeit in der Implementierung. Technologie allein reicht nicht, wenn sie nicht rechtzeitig dort ankommt, wo kritische Infrastruktur operativ geschützt werden muss. Für den Standort Deutschland ist das nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch industriell relevant, weil sich an dieser Stelle Fähigkeiten in Sensorik, Frühwarn-Software und Einsatzintegration mittelfristig zu einem nachhaltigen Markt- und Kompetenzfeld verdichten.


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