LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX startet freundlich in den Freitagshandel und baut seine Gewinne im Verlauf aus. Treiber bleiben Konjunktursignale aus China und Europa, die das Sentiment stützen. Gleichzeitig bremst der Ölpreis, weil die Einigung zwischen den USA und dem Iran über eine mögliche Wiederöffnung der Straße von Hormus noch unklar ist. Am Nachmittag rückt der US-Arbeitsmarktbericht in den Fokus – er gilt als zentrale Grundlage für die nächsten Schritte der Fed.

DAX zieht an: Öl bleibt Risiko und US-Arbeitsmarkt setzt Fed unter Druck
DAX zieht an: Öl bleibt Risiko und US-Arbeitsmarkt setzt Fed unter Druck (Foto: IT BOLTWISE)
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Für den Freitag gilt an der deutschen Börse ein zweigeteilter Takt: Auf der einen Seite liefert der Konjunktur-Impuls Rückenwind, auf der anderen dominiert bis zum Wochenende das Risiko aus dem Energiesektor. Der DAX legte im XETRA-Haupthandel um 0,37 % auf 26.235,80 Punkte zu und schob sich im weiteren Verlauf weiter nach oben. Die Stimmung bleibt damit robust, allerdings nicht blind gegenüber den Preissignalen aus dem Ölmarkt. Gerade weil Energiepreise sich in kurzer Zeit drehen können, wirkt das Nachlassen der Unsicherheit anders als bei klassischen Unternehmensnews: Es entscheidet sich eher über Makrodaten und geopolitische Erwartungen.

Im Zentrum der Belastung steht der Ölpreis, der zwar erneut etwas zulegte, aber vor allem wegen der politisch unsicheren Lage rund um den Persischen Golf als Faktor im Blick bleibt. Hintergrund ist die unklare Perspektive auf eine dauerhafte Einigung zwischen den USA und dem Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus. US-Präsident Donald Trump geht dabei laut Bericht weiter davon aus, dass der Iran-Krieg „ziemlich bald“ enden und eine Einigung zur Öffnung der Meerenge bevorstehen könnte. Für den DAX ist die Relevanz nicht nur der unmittelbare Preis, sondern die Erwartung, wie sehr sich Ölaufschläge oder -rückgänge auf Inflationsraten durchschlagen. Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank formulierte es so: „Der Ölpreis liegt bei 80 und nicht mehr bei 100 Dollar, was die Inflationsrisiken etwas lindern dürfte“.

Dass die Risiken dennoch nicht verschwinden, liegt an der Art, wie der Markt derzeit Informationen verarbeitet: Nicht die Richtung, sondern die Stabilität fehlt. Der Bericht beschreibt Gespräche der Konfliktparteien, die immer wieder anberaumt, dann aber doch ohne belastbares Ergebnis versandeten. Für Anleger heißt das praktisch, dass sich der Ölpreis nicht geradlinig als Entspannungskurve bewegt, sondern sprunghaft reagieren kann. Auch wenn der Markt in den Energiepreisen zuletzt eine gewisse Normalisierung einpreist, besteht weiterhin die Gefahr, dass neue Nachrichten die Risikoprämie schnell wieder anheben. Damit bleibt Öl im Wochenfinale ein dynamischer Faktor, während sich parallel die Bilanzsaison in Deutschland zumindest teilweise beruhigt.

Am Freitag wird die Nachrichtenlage im DAX laut Agenda zudem etwas entschärft: In der Bilanzsaison geht es in Deutschland ruhiger zu als an den Tagen davor. Auf dem Zettel stehen aus dem DAX der Versicherer Allianz und die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft sowie der Lastwagenbauer Daimler Truck. Diese Verteilung spielt für das Tagesrisiko eine Rolle, weil weniger starke Überraschungen den Takt dominieren müssen. Gleichzeitig kommt der eigentliche Rückenwind aus Konjunkturdaten: In China sprangen die Exporte um fast 24 % zum Vorjahr an, was auf eine Belebung der internationalen Nachfrage im Juli deutet. Auch in Europa seien in der Woche zuvor diverse Konjunkturdaten nach oben revidiert worden, und selbst in Deutschland sei die Lage besser als die Stimmung, wie es der Vermögensverwalter DWS beschreibt.

Technisch betrachtet wirkt hier vor allem der Zusammenspiel-Effekt aus Produktion, Außenhandel und Erwartungen. Die Industrieproduktion legte im Juni um 0,2 % zum Vormonat zu, die Exporte stiegen um 0,9 % zum Mai. Das ist zwar kein einzelner „Gamechanger“-Wert, aber ein Muster, das in der fundamentalen Bewertung eine Rolle spielt, insbesondere wenn die Marktstimmung zuvor zu pessimistisch war. Im Handel heißt es daher, der DAX könne wieder als „unterbewertetes Konjunktur-Play entdeckt“ werden. Chef-Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank ordnet das Ergebnis explizit ein: „Das zweite Quartal war für die deutsche Industrie ein gutes“. Wenn solche Daten zusammenfallen, profitieren erfahrungsgemäß zyklische Segmente stärker – und das kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Index seine Rekordmarken erneut testet.

Damit sind wir beim nächsten Hebel: den USA und dem Blick auf die Fed. Am Nachmittag steht der monatliche US-Arbeitsmarktbericht an, der als Grundlage für künftige Entscheidungen der US-Notenbank gilt. Erwartet werden rund 83.000 neue Stellen. Ein schwacher Bericht könnte als Argument dienen, den Inflationsanstieg nicht weiter mit einer Zinserhöhung bekämpfen zu wollen. Marktteilnehmer verweisen dabei auf die veränderte Kommunikation der Fed: Laut dem Marktstratege Felipe Villarroel von TwentyFour Asset Management gehe es weniger um das aktuelle Zinsniveau als um Vertrauen in die nächsten Schritte. Seine Aussage bringt das Kernproblem auf den Punkt: „Wenn die Notenbank ihre Sicht auf Konjunktur und Inflation nicht klar genug einordnet, entsteht ein Vakuum. Und dieses Vakuum füllen Märkte mit eigenen Annahmen. Glaubwürdigkeit ist dabei die zentrale Währung: Sie wird über Jahre aufgebaut, kann aber durch wenige unglückliche Auftritte schnell beschädigt werden“.

Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Risiko-/Chancen-Lage rund um den Bericht. Wer der Fed die Fähigkeit abspreche, Preisstabilität zu sichern, verlange danach schnell einen spürbaren Aufschlag – damit steigt tendenziell die Unsicherheit über die Zinsentwicklung. Sollte die Glaubwürdigkeit erodieren, zeigt der Bericht auch den potenziellen Rendite-Auftrieb: In den Renditen sei dann noch „viel Luft nach oben“. Genau deshalb ist der Arbeitsmarktbericht am Freitag nicht nur ein Konjunkturdatenpunkt, sondern ein Prüfstein für das Narrativ, das aus Inflations- und Zinsannahmen besteht. Dazu kommt, dass der DAX zuletzt Bewegung gezeigt hat: Am Dienstag ging der Index mit einem Schlussstandrekord von 26.202,35 Zählern aus der Sitzung, das letzte Intra-Day-Allzeithoch datiert vom Mittwoch (26.403,81 Punkte). In einem solchen Umfeld entscheidet häufig die Kombination aus Makrodaten (USA) und Preisrisiken (Öl), ob Gewinne „stehen bleiben“ oder nur kurzfristig wirken.

Aus Sicht von Portfolio- und Risikomanagern ist damit ein praktischer Schluss möglich: Der DAX kann weiter von dem verbesserten Konjunkturbild profitieren, aber die Performance hängt im Tagesverlauf stärker an externen Treibern, als viele Anleger vielleicht an reinen Unternehmensereignissen messen würden. Das liegt nicht daran, dass Unternehmenszahlen keine Rolle spielen – im Gegenteil, sie werden abgerundet durch weniger volle Kalenderlast am Freitag. Doch während Öl und US-Arbeitsmarktbericht den makroseitigen Rahmen setzen, entscheiden die bilanziellen Termine eher über die relative Stärken einzelner Titel. Der Freitag ist damit ein typischer „Cross-Asset“-Tag: Energiegeopolitik bestimmt die Inflations- und Risikoerwartungen, Konjunkturdaten stützen die Realwirtschaft, und die Fed-Interpretation entscheidet über die Zinskurve. So entsteht ein Marktbild, in dem Gewinne zwar möglich bleiben, aber die Sensitivität gegenüber neuen Nachrichten spürbar bleibt.


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