WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Der US-Senat hat Lt. Gen. Doug Schiess als neuen Chief of Space Operations (CSO) bestätigt. Er übernimmt damit als dritte Führungspersönlichkeit die Space Force, während die Behörde finanziell und personell deutlich wachsen soll. Gleichzeitig zeigen neue Hinweise des Government Accountability Office, dass dem Verband noch ein belastbarer Plan für den Personalbedarf fehlt. Für Schiess wird die Aufgabe damit zweigeteilt: schnellere Einsatz- und Akquisitionsfähigkeit aufbauen – und Lücken in der Cyber- und Intelligence-Kompetenz schließen.

Mit der Bestätigung von Lt. Gen. Doug Schiess steigt die US Space Force in die nächste Führungsphase – und genau deshalb lohnt der Blick auf die Baustellen, die schon vor dem Wechsel sichtbar waren. Schiess gilt als interner Nachfolger: Aktuell ist er Deputy der Space Force und soll Gen. Chance Saltzman ersetzen, der nach den Angaben im Bericht voraussichtlich Mitte August in den Ruhestand geht. Formal ist die Entscheidung im Senat als einstimmig und zügig beschrieben worden. Inhaltlich geht es aber um mehr als einen Postenwechsel, denn die Space Force steht gleichzeitig vor einem Größenwachstum und vor einem Wandel der Aufgaben von eher unterstützenden Rollen hin zu operativem Kampf- und Gefechtswert im Weltraum.
Der politische und finanzielle Rahmen macht das Ausmaß deutlich: Für das Haushaltsjahr 2022 wurden der Space Force 17,4 Milliarden US-Dollar bewilligt, dazu gehörten rund 8.700 aktive Guardians. Schon im Budgetplan für FY27 wird dagegen ein Ziel von 71,2 Milliarden US-Dollar genannt. Parallel soll die Einsatzstärke von den heutigen 10.657 aktiven Kräften auf 13.200 steigen. Der Kernkonflikt entsteht dabei aus der Geschwindigkeit des Upscales: Wer Personal, Rollenprofile und Ausbildungswege nicht passend dimensioniert, erhöht zwar rechnerisch Kapazitäten – aber er baut im Zweifel ein Organisationsteil aus, während ein anderes nicht rechtzeitig nachzieht. Genau in diese Lücke fällt auch die Debatte, die Schiess zusammen mit seinem Führungsteam rund um die Forderung nach einem ungefähr doppelten Umfang bis 2030 treibt: auf etwa 20.000 Guardians und Zivilkräfte.
Technisch betrachtet verlagert sich damit die Frage, wie Satelliten- und Bodensysteme betrieben, gesichert und im Ernstfall eingesetzt werden. Die Space Force betreibt ein zunehmend komplexes Ökosystem aus Raumsegment, Bodeninfrastruktur und digitalen Diensten; darin spielt Cybersecurity eine zentrale Rolle, weil die Angriffsfläche mit mehr Konnektivität, mehr Datenflüssen und mehr Automatisierung wächst. Gerade wenn Missionen stärker auf „war-fighting“-Aspekte ausgerichtet werden, steigt der Bedarf an Personal, das nicht nur betreiben, sondern auch Sicherheitsanalysen durchführen, Einsatzfähigkeit unter Zeitdruck bewerten und technische Verantwortung übernehmen kann. Der Bericht verweist zudem explizit darauf, dass die Behörde aktuell mindestens 25 % Unterdeckung in bestimmten Bereichen hat – darunter Cybersecurity sowie Intelligence. Das ist eine Warnung, die in der täglichen Planung sofort spürbar wird: Schichten, Review-Zyklen und Incident-Response hängen direkt an Personalverfügbarkeit, nicht nur an Budgetposten.
Besonders kritisch ist jedoch, dass der Strukturwandel offenbar nicht durch ein ausgereiftes Workforce-Planungsmodell abgesichert ist. Laut einem Bericht des Government Accountability Office (GAO) hat die Space Force noch keinen Prozess oder keine Guidance etabliert, um konsistent und verlässlich zu bestimmen, wie viele zivile Kräfte und aktive Guardians sie für ihre Missionsaufgaben benötigt. Das ist keine formale Schwäche, sondern ein Planungsfehler mit Systemwirkung: Ohne robuste Bedarfsberechnung lässt sich weder rekrutieren noch umschichten, ohne dass die Gefahr besteht, dass sich Mittel und Stellen an den falschen Stellen „ansammeln“. Das GAO kritisiert außerdem, dass es zwar eine Schätzung zur Zahl der Contractor-Personen gibt, aber kein entsprechendes Verfahren oder keine Guidance, um die Anzahl der Auftragnehmer und die Art der Arbeit, die sie leisten, korrekt zu messen. Genau hier entstehen in der Praxis Konflikte zwischen „wer arbeitet wirklich wo“ und „wer ist vertraglich eingeplant“.
Diese Unschärfe ist auch für die Akquisition relevant, weil Beschaffungsteams typischerweise nicht nur Hardware und Systeme einkaufen, sondern Schnittstellen, Nachweisdokumentation, Test- und Zulassungsprozesse sowie späteren Betrieb und Support mitdenken müssen. Wenn die Mission stärker in Richtung Gefecht und Warfighting rückt, ändern sich die Anforderungen an Zeitkritikalität, Reaktionsfähigkeit und die Fähigkeit, Bedrohungen in der Planungs- und Betriebsphase früh zu adressieren. Im GAO-Kontext wird zudem beschrieben, dass Verantwortliche in der Akquisition darauf drängen, Zivilkräfte rasch wieder einzustellen, nachdem es Kürzungen gegeben hatte – ausgelöst durch den politischen Kurs, Bundesbeschäftigte und Contractor zu reduzieren. Für Schiess bedeutet das: Er erbt nicht nur einen Personalengpass, sondern ein organisatorisches Steuerungsproblem zwischen Rekrutierungstempo, Vertragsmanagement und operativer Einsatzplanung.
Der Wechsel an der Spitze kommt daher in einem Moment, in dem viele Programme gleichzeitig laufen. Während die Budgetzahlen für FY27 und die Zielwerte für Endstärke eine klare Expansionsrichtung signalisieren, wird im Bericht zugleich gezeigt, dass die Grundlage dafür noch nicht vollständig belastbar ist. Das wirkt sich auf mehrere Ebenen aus: Erstens auf die Personalzuweisung, also die Frage, wie Rollen so besetzt werden, dass die Mission wirklich abgedeckt ist. Zweitens auf das Management der Auftragnehmer, weil Contractor-Anteile häufig genau in den Bereichen auftreten, in denen kurzfristig Skills fehlen. Drittens auf das organisatorische Lernen, denn ohne konsistente Planungsprozesse bleibt unklar, welche Maßnahmen tatsächlich Kapazitätsengpässe beheben. Aus IT-Sicht verschiebt sich damit der Fokus von „mehr System“ hin zu „besser gesteuerte Fähigkeit“, also Engineering plus Betrieb plus Security in einem durchgängigen Modell.
Für Unternehmen und Zulieferer ist das ein Signal, dass die nächsten Monate weniger von Ankündigungen, sondern mehr von Umsetzungsdisziplin geprägt sein dürften. Wenn Schiess die Akquisitions- und Workforce-Themen priorisiert, werden sich Ausschreibungen, Bedarfsdokumente und Anforderungen an Schnittstellen für Satelliten- und Bodenoperationen voraussichtlich schrittweise präzisieren. Gleichzeitig bleibt der Zeithorizont eng: Die Space Force will bis 2030 deutlich wachsen, und schon jetzt werden Engpässe bei Cybersecurity und Intelligence als konkret benannt. Das eröffnet zwar Chancen für Dienstleister, die Workforce-Methoden, Security-Operations-Prozesse und messbare Betriebskennzahlen liefern können – aber die Reife der Planung entscheidet darüber, ob diese Chancen in produktiven Mehrwert übersetzt werden. Unterm Strich ist Schiess’ erstes CSO-Jahr damit weniger ein Leadership-Wechsel nach Kalender als ein Testlauf für die Fähigkeit der Organisation, Wachstum in einsatzfähige, sicher betriebene Kapazitäten zu überführen.
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