OBERIED / LONDON (IT BOLTWISE) – Das fünfjährige BROMMI-Projekt endet im Juni 2026 mit konkreten Daten zur Wirksamkeit von Habitatmaßnahmen im Insektenschutz. Die Ergebnisse zeigen, dass Insektenschonstreifen lokale Populationen messbar stabilisieren und Insektizide in Randflächen senken können. Auch Strukturen wie Totholzhaufen, Erdanrisse und Mosaikmahd unterstützen gefährdete Arten im Gartenumfeld. Gleichzeitig warnen Forschende bei Wespen vor oft wirkungslosen Hausmitteln und betonen tierschonende Alternativen.

Wer im Sommer 2026 vor einer Wespenplage im Garten steht, trifft meist auf zwei gleichzeitig lautere Diskussionen: Welche Abwehrmethoden funktionieren überhaupt, und wie kann man Insekten zugleich fördern, statt sie pauschal als Problem zu betrachten? Genau an dieser Schnittstelle setzt das BROMMI-Projekt an, das nach fünfinhalb Jahren im Juni endete. Unter dem Titel „Biosphärenreservate als Modelllandschaften für den Insektenschutz“ wurden in Oberried Ergebnisse vorgestellt, die nicht bei der allgemeinen Haltung „mehr Natur im Garten“ stehen bleiben, sondern Habitatmaßnahmen als Stellhebel messbar machen.
Im Kern geht es beim BROMMI-Ansatz um Habitatverbesserungen, also um gezielte Veränderungen der Strukturen, in denen Insekten Nahrung finden, sich fortpflanzen und überwintern können. Besonders die sogenannten Insektenschonstreifen erwiesen sich laut den präsentierten Resultaten als effektiv, wenn es darum geht, lokale Populationen zu erhalten. Daneben wurden erhöhte Grasrücken, die im Projekt als „Beetle Banks“ beschrieben werden, mit einer praktischen Wirkung verknüpft: Sie reduzierten den Bedarf an Insektiziden in angrenzenden Flächen. Das ist wichtig, weil solche Randwirkungen im Alltag oft übersehen werden – ein Streifen am Feldrand oder am Gartenrand ist nicht nur Kulisse, sondern beeinflusst die Insektenökologie direkt an der Schnittstelle zur bewirtschafteten Fläche.
Die Studie nennt weitere Bausteine, die in der Praxis relativ „handgreiflich“ wirken: Mosaikmahd, Balkenmähwerke sowie Totholzhaufen und Erdanrisse. Diese Maßnahmen zielen auf unterschiedliche Lebensräume innerhalb desselben Gartens oder Landschaftsausschnitts. Totholz bietet beispielsweise Verstecke und Nahrungsquellen für verschiedene Insektenstadien, während Erdanrisse Mikrohabitate schaffen, in denen bodenlebende Arten ihren Nachwuchs anlegen können. Gleichzeitig sollen Mosaikmahd und angepasste Mahdtechnik nicht alles auf einmal „glattziehen“, sondern die Vegetationsstruktur über die Zeit gestaffelt erhalten – ein Mechanismus, der Biodiversität nicht nur kurzfristig im Bild erhöht, sondern auch die Voraussetzungen für geförderte Arten stabilisiert.
Bemerkenswert ist dabei, dass das BROMMI-Projekt die Wirkung ausdrücklich auf gefährdete Arten aus dem Umfeld extensiver, feuchter Lebensräume bezieht. So wird als Beispiel der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling genannt, der auf feuchte Wiesen angewiesen ist und in Deutschland einen ungünstigen Erhaltungszustand hat. Auch der Bezug zu Roten Knotenameisen macht deutlich, dass Insektenschutz nicht bei einer einzelnen Art endet: Schutzmaßnahmen müssen in Nahrungsketten und Symbiosen hineinwirken. Genau deshalb sind Habitatstrukturen in der Regel nachhaltiger als kurzfristige Eingriffe. Wer im Garten nur „Unangenehmes“ entfernt, verschiebt Lebensräume meist ungewollt – während Habitatpflege die Grundlage dafür schafft, dass auch „Nützlinge“ wie bestäubende Insekten und teilweise zugleich Räuberstrukturen bestehen können.
Auf der anderen Seite steht die Frage nach der Wespenabwehr. Hier warnen die in der Berichterstattung genannten Fachpersonen vor einer Reihe populärer Hausmittel. Nestattrappen aus Papier oder Ablenkungsfütterung mit Obst werden als weitgehend wirkungslos beschrieben; zudem wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Obstfütterung das Gegenteil bewirken kann. Auch Duftöle oder Papiertüten sollen laut den genannten Angaben keinen verlässlichen Schutz bieten. Die Begründung liegt im Verhalten: Wespen reagieren auf Ressourcen und Geruchssignale, und wenn man diese ungeschickt bereitstellt, verstärkt man im Zweifel die Attraktivität des Umfelds statt die Distanz herzustellen. Besonders deutlich ist die Empfehlung, Wespen niemals anzupusten – das Kohlendioxid im Atem kann die Tiere aggressiv machen.
Pragmatische Alternativen werden im Bericht ebenfalls konkretisiert. Genannt werden Wassernebel aus Sprühflaschen und Rauch als Methoden, die in der Bewertung besser abschneiden als die häufig empfohlenen „billigen Tricks“. Zusätzlich plädiert die Professorin Sigrid Liede-Schumann für einen tierschutzorientierten Ansatz, der die ökologische Rolle der Wespen einbezieht: Wespen regulieren Schädlinge und bestäuben Pflanzen. Praktisch heißt das, Zuckerwasser nicht direkt an Aufenthaltsbereichen zu platzieren, sondern deutlich in Abstand zu bringen – also eine räumliche Entkopplung zwischen „Futterquelle“ und „Menschenbereich“ herzustellen. Ergänzend wird betont, dass Nester aus Naturschutzgründen nicht eigenständig entfernt werden sollten, weil solche Eingriffe lokale ökologische Funktionen stören können.
Dass sich Insektenschutz in unterschiedlichen Umfeldern lohnt, zeigt die Berichterstattung zudem in zwei weiteren Kontexten: Erstens mit Blick auf Imker und invasive Asiatische Hornissen, deren Speiseplan bis zu 80 Prozent über Honigbienen abdeckt. Zweitens in der Landwirtschaft, wo der biologische Pflanzenschutz im Rapsfeld konkretisiert wird: Spezielle Beisaat-Mischungen konnten den Befall mit Erdflohlarven reduzieren, und im niedersächsischen Asendorf sank die Larvenzahl um 20 Prozent, während in Frankreich Reduktionen bis zu 42 Prozent gemessen wurden. Für Gartenbesitzer übersetzt sich das in dieselbe Logik wie bei BROMMI: Struktur statt Chemie, Vielfalt statt Einheitsrasen. Wer zusätzlich im Alltag biologische Abwehr nutzt – etwa bei Maden in der Biotonne über feuchtigkeitsbindende Materialien wie Eierkartons oder Kieselgur (Kieselgur wird als präparat-gestützt beschrieben) – setzt ebenfalls auf Umweltbedingungen, nicht auf „Direkteingriffe“.
Am Ende laufen die Botschaften in eine gemeinsame Richtung: Maßnahmen, die Lebensräume verbessern, sind oft präziser als pauschales Wegdrängen. Das gilt für Insektenschonstreifen, Beetle Banks und Totholzhaufen genauso wie für eine Wespenstrategie, die Abstand und Verhalten berücksichtigt, statt Tiere anzupusten oder Nester eigenmächtig zu entfernen. Wer Gartenpflege professionalisieren will, bekommt damit eine Art „Operations-Logik“: erst die Habitatbedingungen verstehen, dann Interventionen so wählen, dass sie ökologische Rollen unterstützen. Und auch dort, wo Wespen bleiben, kann das Ergebnis ein anderes sein – weniger Konflikt im Alltag, weil die Ressourcenverteilung und die Struktur im Hintergrund anders gestaltet sind.
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