LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zeigt: Für 74 Prozent der Deutschen ist es beim nächsten Bundespräsidenten egal, ob eine Frau oder ein Mann folgt. Nur 24 Prozent äußern eine Geschlechterpräferenz. Befragt wurden nach Angaben der Erhebung 1.000 Menschen am 5. und 6. August. Besonders unter Anhängern von Linken und Grünen ist der Wunsch nach einer Bundespräsidentin deutlich häufiger.

Umfrage: 74 Prozent wollen beim Bundespräsidenten kein Geschlecht bevorzugen
Umfrage: 74 Prozent wollen beim Bundespräsidenten kein Geschlecht bevorzugen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die nächste Bundespräsidentenwahl wirkt auf viele Menschen offenbar weniger wie eine Frage des Geschlechts als wie eine Frage der Person. Laut einer Umfrage von Forsa, die am 5. und 6. August 1.000 Menschen befragte, sind 74 Prozent der Befragten an dem Geschlecht der nachfolgenden Bundespräsidentin oder des nachfolgenden Bundespräsidenten nicht interessiert. Für die politische Kommunikation ist das eine bemerkenswerte Verschiebung: Kampagnen, die ein „Stichwort Gender“ als zentralen Hebel behandeln, treffen damit auf eine Mehrheit, die das Thema offenbar nicht als Auswahlkriterium nutzt.

Gleichzeitig ist der Anteil derer, die sich ausdrücklich eine Präferenz wünschen, nicht klein. Insgesamt nennen 24 Prozent eine Präferenz: 19 Prozent würden sich nach der nächsten Wahl eine Frau als Bundespräsidentin wünschen, 5 Prozent lieber weiterhin einen Mann. Besonders klar wird der Blick auf die Geschlechtergruppen: Von den Frauen sprechen sich 27 Prozent für eine Frau aus, 68 Prozent finden das Geschlecht egal und 3 Prozent wünschen sich einen Mann. Bei den Männern liegt die Spanne anders: 11 Prozent würden eine Bundespräsidentin bevorzugen, 81 Prozent ist das Geschlecht egal und 7 Prozent sind für einen Mann.

Damit zeigt die Erhebung weniger eine einheitliche „Geschlechterlinie“, sondern eher Unterschiede entlang politischer Lager. Laut den Umfrageangaben ist der Anteil der Befragten, die sich eine Frau als Bundespräsidentin wünschen, bei den Anhängern der Linken (43 Prozent) und der Grünen (39 Prozent) am höchsten. Diese Zahlen sind für Parteien und Kandidatenstimmen relevant, weil sie verdeutlichen, dass Geschlechterpräferenzen nicht gleichmäßig über die gesamte Wählerschaft verteilt sind. Wer also mit einem geschlechtsspezifischen Narrativ arbeitet, findet vor allem in bestimmten Milieus Resonanz, während der weitaus größere Teil der Bevölkerung das Thema in den Hintergrund rückt.

Technisch betrachtet steckt in solchen Befragungen eine Methodik, die man im politischen Kontext nicht übersehen sollte: Ein Sample von 1.000 Personen ist groß genug, um grobe Trends sichtbar zu machen, bleibt aber statistisch immer eine Momentaufnahme. Die Erhebung fand zudem an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt, wodurch tagesaktuelle Ereignisse eher eine Nebenrolle spielen können. Dennoch gilt: Wer die Ergebnisse für Kampagnenplanung nutzt, sollte sie als Orientierung begreifen – nicht als starres Abbild individueller Wahlentscheidungen. Denn die Frage nach dem „Wunsch“ oder der „Egalität“ lässt sich nicht automatisch 1:1 in die Frage nach Parteibindung, Kompetenzzuschreibung oder politischer Sozialisation übersetzen.

Für die Marktdynamik der politischen Debatte bedeutet das: Wenn 74 Prozent das Geschlecht als Kriterium nicht priorisieren, rücken andere Merkmale stärker in den Vordergrund – etwa die erwartete Amtsführung, die Rolle als Integrationsfigur und der Umgang mit politischen Konfliktlinien. Die 24 Prozent mit Präferenz bilden dabei weiterhin eine deutliche, aber klar begrenzte Wählergruppe für geschlechterbezogene Ansprache. Für Organisationen, die in Wahlkämpfen Meinungsbilder messen, entsteht dadurch eine pragmatische Prioritätenliste: Erstens das Thema „Person und Profil“, zweitens das Thema „Glaubwürdigkeit im Amt“, und nur dann – falls überhaupt – eine Strategie rund um Geschlechterrollen.

Interessant ist auch, wie sich diese Umfrage in das breitere Muster einordnet: In vielen westlichen Demokratien werden „Symbolfragen“ in der Öffentlichkeit häufig lauter diskutiert als sie später in Abstimmungen tatsächlich wirken. Die hier berichteten Werte deuten darauf hin, dass das gesellschaftliche Mainstream-Narrativ zumindest bei diesem Amtsthema weniger polarisiert ist, als man aus Debatten gewinnen könnte. Offen bleibt, wie sich solche Einstellungen verändern, wenn konkrete Kandidaturen im Raum stehen und wenn die Debatte stärker mit konkreten Vorstellungen von Politikstil und Amtskompetenz verbunden wird. Genau dort entscheidet sich, ob Präferenzen wie „Bundespräsidentin wünschen“ eher dauerhaft sind oder nur als momentaner Wunsch in einer Meinungsfrage auftauchen.


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