LONDON (IT BOLTWISE) – Werewolf zeigt mit dem VFLEX-Set, wie sich alte Geräte mit Barrel-Jack-Anschluss ohne Bastelarbeit per USB‑C mit Strom versorgen lassen. Der kleine Dongle wird zunächst am Smartphone programmiert und danach mit dem passenden Netzteil oder einer USB-C-Batterie kombiniert. Entscheidend ist die Unterstützung für USB-„Power Delivery“-Verhandlungen, sodass der Dongle die benötigten Spannungswerte passend anfordert. Für Retro-Setups ist zusätzlich die Polarität ein Thema, weil einige Klassiker Minus am Mittelkontakt nutzen.

Wer heute noch Gadgets mit DC-Barrel-Jack aus der Schublade zieht, landet schnell bei einem vertrauten Problem: Moderne Ladegeräte sind fast immer USB‑C-fokussiert, während viele ältere Geräte weiterhin 19 V, 12 V oder andere feste Gleichspannungen über runde Steckkontakte erwarten. Genau da setzt Werewolf mit dem VFLEX an, einem programmierbaren Dongle, der den alten Anschluss nicht mechanisch „umbaut“, sondern die Stromversorgung über USB‑C neu verhandelt. Der Kern des Ansatzes wirkt zugleich pragmatisch und technisch: Der VFLEX nimmt den bestehenden Barrel-Jack als Formfaktor und macht aus ihm eine Schnittstelle, die USB‑C-Netzteile für die gewünschte Zielspannung nutzbar macht.
In der Praxis läuft die Nutzung so, dass der Dongle zunächst in der Werewolf-App über das Smartphone mit passenden Parametern versehen wird. Danach kommt der VFLEX in die Kette aus Stromquelle und Gerät: Erst stellt man eine USB‑C-Stromversorgung bereit (Netzteil oder Akku), dann wird ein kurzer, passender Barrel-Jack-Tipp an den Dongle gesteckt und schließlich das Retro-Gerät angeschlossen. Was dabei überrascht, ist der Verzicht auf klassische „Spannungsumwandlung“ im Sinne eines frei laufenden DC-DC-Wandlers. Stattdessen greift der VFLEX die gleichen Aushandlungsmechanismen auf, die auch andere USB‑C‑Geräte für USB Power Delivery nutzen – nur dass man hier die angeforderte Spannung bzw. Parameter explizit über Profile mitliefert.
Technisch relevant wird das spätestens beim Blick auf die Spannungslisten, die USB‑C‑Power-Delivery-Adapter typischerweise unterstützen. Der Text nennt als Komfort-Zone für viele 100‑W‑USB‑PD-Ladegeräte die Stufen 5 V, 9 V, 15 V, 20 V sowie zusätzlich 28 V bei Geräten mit Extended Power Range. Genau diese Grenzen erklären auch, warum ein „sehr starkes“ Netzteil nicht automatisch zu jedem alten Gadget passt: Eine Apple-Ladebox mit 140 W liefert laut Beschreibung keine 19 V, die ein Desktop-Monitor benötigt. Werewolf beschreibt für solche Fälle die Notwendigkeit einer Programmierbarkeit – bei niedrigeren oder zwischenliegenden Spannungen kommt ein Programmable Power Supply (PPS) ins Spiel. Damit wird der VFLEX mehr als ein simplen Adapter: Er wird zur Übersetzer-Schicht zwischen dem Stromprofil moderner USB‑C-Quellen und den teils exotischen Anforderungen älterer Geräte.
Beim Thema Akku-Laufzeiten zeigt sich der Nutzen im Alltag besonders deutlich. Der Bericht nennt konkrete Verbrauchswerte als Orientierung: etwa 2 W fürs Spiel, 24 W fürs Monitor-Setup und weniger als 1 W für HDMI – damit lassen sich portable USB‑C‑Batterien mehrere Stunden betreiben. Als Referenz wird außerdem ein sehr stromsparender Klassiker angeführt: Der originale Game Boy aus 1989 soll beim Spielen von Tetris nur 0,33 W gezogen haben, sodass ein Pocket-Akku theoretisch über 90 Stunden durchhalten könnte. Zusätzlich gibt es „nicht nur theoretische“ Beispiele wie ein Retro-Gaming-Event mit bis zu fünf Spielerinnen und Spielern, bei dem eine Super Famicom-Konfiguration über VFLEX betrieben wurde, sowie Video-Setups, bei denen einzelne Aufnahmegeräte mangels passender Akkulaufzeit per VFLEX versorgt wurden.
Damit das im echten Betrieb sicher funktioniert, braucht es allerdings zwei zusätzliche Checks: erstens die Spannungs-/Profil-Fähigkeit der konkreten Stromquelle und zweitens die Polarität am Barrel-Stecker. Der VFLEX kann laut Beschreibung keine „dumme“ Barrel-Jack allein diagnostizieren; wer wissen will, welche Spannung ein Gerät wirklich verlangt, muss das Datenblatt bzw. die Aufdruckangabe am Gerät oder am alten Netzteil heranziehen. Für die Polarität gilt: Manche Geräte – darunter explizit guitar pedals sowie Nintendo Game Boy und Super Famicom – nutzen eine negative Mitte (Center negative). Dann wird ein Reverse‑Polarity‑Connector benötigt, etwa mit einem orangefarbenen Tipping, weil ein „falsch herum“ gestecktes Setup im schlimmsten Fall Strom in die falsche Richtung schicken würde. Interessant ist, dass die App diese Polaritäts-Details in der beschriebenen Version nicht frei umprogrammieren kann, obwohl ein nicht funktionierender Toggle existieren soll.
Die Softwareseite ist dabei nicht nur Komfort, sondern Teil des Sicherheits- und Kompatibilitätskonzepts. In der App lassen sich Profile für Geräte und Ladegeräte speichern, und der VFLEX kann beim „Scan“-Vorgang die Fähigkeiten einer konkreten USB‑C‑Quelle auslesen, indem man ihn kurz mit dem Charger verbindet und anschließend am Telefon den Test anstößt. Danach zeigt die App kompatible Profile an, sodass man beim späteren Aufbau nicht raten muss. Für die weitere Roadmap nennt Werewolf zudem mehrere Ausbaupfade: Laut Aussage von Kevin Spangler (dem ehemaligen Teammitglied) soll das VFLEX bei alltäglichen Konsumenten möglicherweise erst dann „richtig sitzt“, wenn bestimmte Adapterkabel für Retro-Konsole-Setups, CPAP-Geräte und industrielle M12‑Verbindungen verfügbar sind. Founder Luke Beno spricht außerdem davon, die orange getippten Stecker schrittweise durch eine Reverse‑Polarity‑Variante des VFLEX selbst zu ersetzen – unter anderem, weil sich dann die Umwandlung jeder Adaptergröße auf Reverse‑Polarity in einem Baustein bündeln lässt.
Aus Marktsicht adressiert das VFLEX damit einen echten Schnittstellen-Schmerzpunkt in vielen Technik-Umgebungen: Werkstätten, Hobby-Retros, Medienproduktion im kleinen Maßstab und auch Unternehmen mit gemischter Gerätematrix. USB‑C‑Netzteile sind mittlerweile weit verbreitet, aber die „letzte Meile“ zu alten DC‑Buchsen ist oft der Engpass – genau dort kann ein programmierbarer Dongle den Aufwand reduzieren, ohne gleich ganze Netzteile ersetzen zu müssen. Gleichzeitig bleibt der wichtigste Hebel nicht die maximale Wattzahl, sondern die passende Spannungsstufe und die Fähigkeit der Quelle, diese sauber zu liefern. Wer das berücksichtigt, bekommt mit VFLEX eine modularere Form der Stromversorgung, die sich nicht nur als Gadget-Spielerei verstehen lässt, sondern als pragmatische Infrastruktur-Schicht zwischen Altbestand und moderner USB‑C‑Welt.
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