LONDON (IT BOLTWISE) – Der Goldpreis legt deutlich zu und erreicht am Freitag 4.406,00 US-Dollar je Feinunze. Auslöser ist ein überraschend schwächerer US-Arbeitsmarktbericht für Juli, der die Zinserhöhungserwartungen weiter dämpft. Zusätzlich stützt anhaltende Nachfrage aus China die Stimmung: Die Zentralbank stockt ihre Goldreserven erneut spürbar auf. Für Anleger bleibt der nächste Belastungstest der US-Inflationsbericht am 12. August.

Der Goldmarkt hat sich in kurzer Zeit neu positioniert: Am Freitag sprang der Preis um 2,47 Prozent auf 4.406,00 US-Dollar je Feinunze. Damit bleibt das Edelmetall zwar klar unter dem im Januar markierten Rekordhoch, zugleich zeigt der Verlauf der vergangenen Wochen eine spürbare Erholung. Der Impuls wirkt aus zwei Richtungen gleichzeitig: Auf der einen Seite schwächen sich die Zinserhöhungserwartungen in den USA ab; auf der anderen Seite liefert die staatliche Nachfrage nach wie vor eine stabile Unterkante.
Technisch betrachtet kommt die Bewegung aus der Wechselwirkung zwischen Arbeitsmarktdaten, Erwartungskursen für Leitzinsen und dem US-Dollar. Der zentrale Hebel war der Bericht zum Arbeitsmarkt für Juli: Die Zahl der Stellen außerhalb der Landwirtschaft schrumpfte um 23.000. Ökonomen hatten dagegen im Schnitt mit einem Plus von rund 80.000 gerechnet. Zusätzlich wurde der Juni-Wert nach unten revidiert, von zuvor plus 57.000 auf nur noch plus 20.000; zusammen mit der Mai-Revision ergibt sich damit ein Rückgang um 103.000 Stellen gegenüber den ursprünglich gemeldeten Daten. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote leicht auf 4,1 Prozent (zuvor 4,2 Prozent), doch die Stundenlöhne wuchsen mit 3,2 Prozent zum Vorjahr schwächer als die erwarteten 3,5 Prozent.
Damit gerät die sogenannte Fed-Fantasie ins Wanken: Die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung im September fiel von 55 auf 40 Prozent. Der für die kurzfristige Geldpolitik relevante Korridor bleibt derweil bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Parallel gab der Dollar-Index um 0,5 Prozent auf 99,43 Punkte nach. Auch die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen rutschten um acht Basispunkte ab. Für zinslos gehaltenes Gold ist das in der Regel ein Rückenwind-Signal, weil sinkende Rendite- und Zinsniveaus die Opportunitätskosten reduzieren.
Die Rally wird zudem durch eine weitere, eher strukturelle Komponente verstärkt: China. Die People’s Bank of China stockte ihre Goldreserven im Juli um 640.000 Unzen auf. Das entspricht rund 20 Tonnen und ist der größte monatliche Zuwachs seit Oktober 2023. Damit kauft die Notenbank bereits den 21. Monat in Folge Gold. Insgesamt stiegen die gesamten Reserven auf 76,08 Millionen Unzen (nach 75,44 Millionen im Juni), der Wert erhöhte sich auf 306,35 Milliarden Dollar gegenüber 303,72 Milliarden Dollar zuvor. Gold macht damit rund 4,5 Prozent der chinesischen Devisenreserven aus; der World Gold Council hält laut den im Text genannten Einschätzungen sogar höhere reale Bestände für möglich als offiziell ausgewiesen.
Wichtig ist dabei: China steht nicht allein, sondern bewegt sich in einem breiteren Muster. Seit 2022 kaufen Zentralbanken weltweit jährlich mehr als 1.000 Tonnen Gold. Die genannten Zahlen zeichnen eine robuste, wenn auch nicht durchgehend steigende Dynamik: 2022 waren es 1.082 Tonnen, 2023 1.037 Tonnen, 2024 mehr als 1.000 Tonnen und 2025 863 Tonnen. Für die jüngste Betrachtung wird zudem der Mai 2026 hervorgehoben, in dem Notenbanken netto 41 Tonnen kauften – angeführt von Polen mit 18 Tonnen, gefolgt von China mit 10 Tonnen sowie Usbekistan und Kasachstan mit jeweils rund 9 beziehungsweise 7 Tonnen. Eine Umfrage des World Gold Council, die im Quelltext genannt wird, stützt die Erwartung einer Fortsetzung: 45 Prozent der Zentralbanken planen weitere Aufstockungen in den kommenden zwölf Monaten, 84 Prozent erwarten innerhalb von fünf Jahren einen höheren Goldanteil in ihren Reserven. Bereits 2025 hatte Gold wertmäßig US-Staatsanleihen in den offiziellen Reserven überholt.
Für Anleger zeigt die Kursentwicklung vor allem eins: Stimmung kippt am Goldmarkt schneller als viele es aus dem traditionellen Bild „langsamer Edelmetallrhythmus“ ableiten. Von den Tiefstständen des vergangenen Sommers hat sich der Preis kräftig erholt, notiert jedoch weiter deutlich unter dem Januar-Rekordniveau. Aktuell stützen mehrere Faktoren parallel: nachlassende Zinserhöhungserwartungen, ein schwächerer Dollar und eine ungebrochene Nachfrage der Zentralbanken. Kurzfristig dürfte sich der Fokus dennoch auf neue Impulse verlagern – am 12. August steht der US-Inflationsbericht für Juli an. Gerade weil Zinssignale und Dollarbewegungen Gold unmittelbar beeinflussen, entscheidet dieser Termin mit darüber, ob die jüngste Bewegung über die Marke von 4.400 US-Dollar hinaus Bestand hat.
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