SANTA FE / LONDON (IT BOLTWISE) – In New Mexico wächst der Druck, erneuerbare Energie als verlässliche Grundlast verfügbar zu machen. Das Startup HeatFlow entwickelt eine Turbinen-Cycle-Technologie, die Strom aus geothermischen Sole-Wärmequellen bereits bei 176 Grad Celsius ermöglichen soll. Mit diesem Ansatz will das Unternehmen die Investitionskosten für den Ausbau halbieren und so Projekte beschleunigen. Untermauert wird die Planung unter anderem durch Fördermittel des Bundesstaats sowie Pitch-Aktivitäten beim New-Mexico-Demo-Day am Los Alamos National Laboratory.

New Mexico sucht händeringend nach einer erneuerbaren Quelle, die auch dann liefert, wenn Sonne und Wind ausfallen. Geothermie gilt in diesem Kontext als besonders attraktiver Kandidat, weil sie die natürliche Erdwärme direkt nutzt, um Turbinen anzutreiben und damit dauerhaft Strom bereitstellen kann. Der Bundesstaat hat bereits eine aktive Geothermieanlage mit dem Lightning Dock Plant in Hidalgo County. Gleichzeitig rückt Geothermie zunehmend auch in den Fokus der Dateninfrastruktur: Der Geothermie-Entwickler XGS Energy arbeitet nach Angaben aus der Region mit Meta an einem 150-Megawatt-Projekt, das den Los-Lunas-Standort unterstützen soll.
Dass Geothermie grundsätzlich als Grundlast erneuerbarer Energie funktioniert, betont auch die Praxis im Umfeld der Projekte. Logan Stephens, Vice President für Development bei Houston-basiertem XGS Energy, sagte bei einem Treffen des Economic and Rural Development and Policy Committee wörtlich: „It’s always there when you need it“ und ergänzte: „It operates around the clock.“ Genau an dieser Eigenschaft entzündet sich die Erwartung, die sogenannten Intermittency-Probleme von Wind- und Solarstrom zu entschärfen. In New Mexico liefert Wind und Solar zwar einen großen Anteil: Je nach Tagesverlauf stammen laut Text bis zu 80 % der Stromerzeugung von Public Service Company of New Mexico aus erneuerbaren Quellen, aber wenn die Wetterlage nicht mitspielt, werden weiterhin konventionelle Energieträger nötig.
Der Engpass ist damit nicht die Idee, sondern die Wirtschaftlichkeit: Geothermieanlagen sind in vielen Fällen kapitalintensiv, weil Bohrungen, Anlagenkomponenten und der Betrieb auf die jeweils verfügbaren Temperaturprofile der Förderflüssigkeit ausgelegt werden müssen. Hier setzt HeatFlow an. Das Startup entwickelt laut Beschreibung eine Turbinen-Cycle-Technologie, die aus geothermischer Sole mehr elektrische Energie herausziehen soll als heutige Kraftwerke. Entscheidend ist dabei die Zieltemperatur: HeatFlow strebt Betrieb bei Wärmequellen von nur 176 Grad Celsius an, während traditionelle Anlagen typischerweise höhere Temperaturen brauchen.
Das klingt zunächst nach einer rein technischen Stellschraube, hat aber direkte Auswirkungen auf die Kostenstruktur. Lucas Mejia, der in dem Bericht im Interview vorgestellt wird, verbindet die Temperaturabsenkung explizit mit Material- und Fertigungsoptionen: „If we do that, we can also use very cheap materials, “ sagte er, und weiter: „We can make our turbines, for example, out of plastic. That really brings the costs down.“ In der Technologieentwicklung bedeutet das in der Regel weniger Hochleistungswerkstoffe für extrem heiße Komponenten und damit ein anderes Risiko- und Lieferkettenprofil. HeatFlow nennt als Ziel, die kapitalbezogenen Kosten für die Entwicklung von Geothermieanlagen um die Hälfte zu senken.
Für den Markt ist ein solcher Cost-Down Hebel, weil er die Eintrittsschwelle für Betreiber senkt und Projektfinanzierungen wahrscheinlicher macht. Der Text ordnet ein, dass das Unternehmen seine Technologie Investoren gegenüber bereits beim New Mexico Demo Day am Los Alamos National Laboratory in Santa Fe vorgestellt hat. Zudem erhält HeatFlow Unterstützung aus dem Bundesstaat: Im Juli wurde dem Startup über das Advanced Energy Award-Programm eine Förderung in Höhe von 650.000 US-Dollar gewährt, aufgeteilt in zwei Phasen. In Phase eins befindet sich das Unternehmen aktuell; ausgezahlt werden soll jeweils die Hälfte, wenn definierte Meilensteine erreicht sind. Parallel kommt laut Bericht Venture-Capital-Unterstützung von Roadrunner Venture Studios, wobei der State Investment Council als Investor in Roadrunner beteiligt ist.
Technisch und strategisch passt das in eine breitere Bewegung: Die Frage lautet weniger, ob Geothermie grundlastfähig ist, sondern wie schnell sie dort wirtschaftlich skalierbar wird, wo das Temperaturfenster weniger günstig ist. Wenn HeatFlow tatsächlich den Betrieb bei 176 Grad Celsius in größere Projektroutinen übersetzt, könnten Regionen mit geringeren Temperaturreserven attraktiver werden. Für Versorger bedeutet das vor allem Planungssicherheit: Eine erneuerbare Grundlast reduziert die Abhängigkeit von fossil befeuerten Spitzen- oder Ausgleichsleistungen in Zeiten schwankender Produktion. Genau deshalb beobachten die beteiligten Seiten die Entwicklung mit Spannung – nicht als Fernziel, sondern als möglicher Schritt, der Geothermie vom Spezialprojekt stärker in die Systemplanung rückt.
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