LONDON (IT BOLTWISE) – Monday.com baut im Zuge der KI-Strategie weltweit rund 20 Prozent der Stellen ab. Laut SEC-Filing sollen etwa 620 bis 630 Mitarbeiter betroffen sein, allein in Tel Aviv rund 350. Gleichzeitig stellt das Unternehmen die Abrechnung vom „Per-Seat“-Modell auf KI-Credits um. Der Umbau kostet in der zweiten Jahreshälfte 2026 voraussichtlich 45 bis 55 Millionen US-Dollar.

Der Stellenabbau bei Monday.com kommt nicht überraschend, aber er setzt ein deutliches Signal in einem Markt, der KI-Funktionen immer schneller als „Add-on“ zur bestehenden Produktlogik ergänzt. Aus einem SEC-Filing vom 22. Juli geht hervor, dass der Softwarekonzern weltweit rund 20 Prozent seiner Jobs abbauen will. Konkret nennt das Dokument einen Abbau von etwa 620 bis 630 Mitarbeitern; am Standort Tel Aviv sollen rund 350 Stellen wegfallen. Das Unternehmen koppelt die Maßnahme an die eigene KI-Ausrichtung und versucht damit, den Wandel organisatorisch wie finanziell planbar zu machen.
In der Begründung verweisen die Co-CEOs Roy Mann und Eran Zinman darauf, dass traditionelle Bereiche schrumpfen, während das Unternehmen gezielt in strategisch relevante Rollen nachsteuern will. Die Restrukturierung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 angesetzt und wird mit 45 bis 55 Millionen US-Dollar beziffert. Neben dem Personalhebel spielt dabei auch der Timing-Faktor an der Börse: Nach der Ankündigung legte die Aktie laut Bericht um über 12 Prozent zu, während das Papier zuvor seit Jahresbeginn deutlich unter Druck geraten war. Für die Kapitalmarkt-Perspektive ist das wichtig, weil Restrukturierungskosten zwar kurzfristig belasten, langfristig aber als Investitionslogik verkauft werden müssen.
Technisch betrachtet führt der Schritt nicht nur zu weniger Köpfen, sondern zu einer veränderten Wertschöpfung im Produkt selbst: Monday.com verabschiedet sich vom klassischen „Per-Seat“-Modell. Bereits im Mai wurde die Umstellung auf ein hybrides Abrechnungssystem auf Basis von KI-Credits formalisiert. Je nach Tarifstufe – Basic, Standard oder Pro – erhalten Kunden ein Kontingent von 1.000 bis 3.000 Credits, die zusätzliche Nutzung kostet zwischen 0,01 und 0,0125 US-Dollar pro Credit. In der Praxis bedeutet das eine stärker nutzungsgetriebene Monetarisierung, bei der KI-Aufgaben nicht mehr nur als inkludierte Funktion wirken, sondern als verbrauchbare Ressource im Workflowsystem.
Der Hintergrund dieser Preis- und Architekturentscheidung liegt in der Integration von KI-Agenten direkt in Arbeitsabläufe. Laut Darstellung intensiviert Monday.com die Zusammenarbeit mit Anthropic, Microsoft und OpenAI; deren KI-Agenten sollen in Prozesse für mehr als 250.000 Unternehmenskunden eingebunden werden. Zinman betont dabei, es gehe nicht primär um Margenoptimierung, sondern um Zukunftssicherheit. Gleichzeitig nennt das Unternehmen eine konkrete Zielmarke: Die operative Marge (Non-GAAP) für 2026 soll auf rund 15 Prozent angehoben werden. Damit entsteht eine Doppelbotschaft: Personalanpassung und neue Abrechnungslogik sollen sowohl die KI-Implementierung beschleunigen als auch die Profitabilität stabilisieren.
Während der KI-Shift also Umsatz- und Effizienzhebel adressiert, bringt er auf Betriebsebene zusätzliche Risiken mit sich, die viele Unternehmen erst jetzt systematisch einordnen. Wenn KI-Agenten Arbeitsprozesse berühren, steigen typischerweise Anforderungen an Zugriffskontrollen, Protokollierung, Datenhygiene und die sichere Einbindung in bestehende IT-Landschaften. Im Unternehmensalltag heißt das: Nicht jede neue KI-Funktion ist „plug-and-play“, sobald sie organisatorische Entscheidungs- und Handlungswege beeinflusst. Auch rechtliche Pflichten können wachsen, etwa wenn Informationen verarbeitet werden, die in der eigenen Compliance-Logik bisher strikt getrennt waren.
Finanziell bleibt der Umbau offenbar eingebettet in stabile Kerndaten. Monday.com erzielte im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 351,3 Millionen US-Dollar, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr; für das Gesamtjahr bestätigt der Konzern ein Wachstum zwischen 19 und 20 Prozent. Für 2029 nennen Analysten als Erwartungswert einen Umsatz von rund 2,1 Milliarden US-Dollar. Der Stellenabbau reiht sich dennoch in einen breiteren Branchentrend ein: 2026 wurden sektorübergreifend bereits über 120.000 Jobs gestrichen; Beispiele aus dem Berichtskontext sind Chime mit 10 Prozent Abbau (Ende Juli angekündigt) und BMW mit rund 8.000 Stellenabbau, unter anderem begründet mit Automatisierung und schwacher Nachfrage in China.
Für Beschäftigte verweist die Meldung zudem auf messbare Auswirkungen der KI-Integration. Eine Studie von Apollo Global Management vom 31. Juli stellt fest, dass in Berufen mit hoher KI-Exposition das Reallohnwachstum seit 2023 im Schnitt um 6,7 Prozent sinkt; besonders betroffen seien unter anderem Programmierer, statistische Assistenten und Datenbankarchitekten. Parallel nimmt die Skepsis in der Belegschaftsrealität zu: Laut einer Untersuchung von Adaptavist vom 1. August wünschen sich 74 Prozent der deutschen Wissensarbeiter eine Arbeitswelt ohne generative KI. Als Gründe werden nachlassende Motivation und zeitaufwendige Korrekturen fehlerhafter KI-Ergebnisse genannt – ein Muster, das zeigt, warum Unternehmen trotz Produktivitätsversprechen in Change-Management und Qualitätsprozesse investieren müssen, statt KI nur zu „beschleunigen“.
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