LONDON (IT BOLTWISE) – Südkorea macht den Datentransfer im MyData-System ab dem 20. August verbindlicher und erwartet für Fintechs einen Wechsel weg vom Screen Scraping hin zu offiziellen API-Schnittstellen. Die Datenschutzkommission setzt dabei auf eine gestufte Umstellung statt auf ein hartes Verbot zum Stichtag. Parallel treten neue Regeln für KI und automatisierte Entscheidungen im öffentlichen Sektor hinzu. Damit verschieben sich für Anbieter die technischen Prioritäten von der „Konnektivität“ hin zur Auditierbarkeit der Datenwege.

Wer in Südkorea Kundendaten zwischen Plattformen austauscht, bekommt ab Ende August eine deutlich technischere Agenda aufgelegt: Die Datenschutzkommission (PIPC) hat die Konsultationsphase zur Reform des nationalen Datenschutzrechts abgeschlossen und bringt damit neue Bestimmungen zur Datenübertragbarkeit auf den Weg. Ausgangspunkt ist das MyData-System, das die öffentliche Datenübertragbarkeit regelt. Ab dem 20. August soll die Übermittlung stärker standardisiert und damit besser kontrollierbar werden.
Im Kern geht es um die Schnittstellenlogik in der Praxis. Viele Anbieter, gerade im Fintech-Umfeld, greifen bislang auf „Screen Scraping“ zurück, um Informationen aus Web-Frontends auszulesen und intern weiterzuverarbeiten. Der erwartete Richtungswechsel lautet: Statt indirekter Auslese sollen Unternehmen auf offizielle API-Schnittstellen umstellen. Das reduziert nicht nur technische Ausweichpfade, sondern macht auch Datenflüsse nachvollziehbarer – ein wichtiger Schritt, wenn Datenübertragbarkeit nicht als einmaliger Export verstanden wird, sondern als wiederholbarer, überprüfbarer Prozess mit klaren Verantwortlichkeiten.
Die PIPC koppelt diese Umstellung an eine gestufte Umsetzung. Laut den Angaben im Kontext der Reform kündigte die Kommissionsvorsitzende Song Kyung-hee keine harte „Stop-and-go“-Regel direkt am Stichtag an. Für den Übergang sollen bereits genehmigte Vorabvereinbarungen den Umstieg erleichtern; die Behörde nennt hierfür rund 700 genehmigte Vereinbarungen. Für alle Marktteilnehmer bleibt zugleich der Punkt „Sicherheit“ auf der Agenda: Sicherheitsinvestitionen sollen nicht optional sein, und die Übergangsfrist läuft bis Ende August.
Dass diese Betonung der Datensicherheit nicht nur theoretisch ist, unterstreicht ein konkreter Vorfall aus dem politischen Umfeld. Die Demokratische Partei Koreas entschuldigte sich für ein Datenleck auf ihrer Mitgliederplattform Bluwave; betroffen seien 17.088 Mitglieder gewesen, darunter Nutzernamen, E-Mail-Adressen und verschlüsselte Passwörter. Der Vorfall aus September 2025 sei erst am 6. August entdeckt worden, Polizei und Datenschutzbehörde seien eingeschaltet. Nach Angaben der Ermittlungsseiten wird damit aktuell geprüft, wie die Exposition technisch zustande kam und welche Schutzmaßnahmen künftig greifen müssen.
Neben der Transparenz bei Datenwegen zeigt Südkorea aber auch bei Betriebsgeheimnissen mehr Härte. Ein Gericht bestätigte eine Haftstrafe von 18 Monaten für einen Ex-Mitarbeiter von SK Hynix, der Dokumente zu CMOS-Sensoren an ein chinesisches Unternehmen weitergegeben haben soll. Entscheidend ist dabei der zeitliche Kontext: Der Halbleiterhersteller hatte das Geschäft mit entsprechenden Sensoren bereits Anfang 2025 aufgegeben. Unabhängig vom operativen Umfeld signalisiert die Rechtsprechung damit, dass Know-how und Dokumentationsbestände auch dann geschützt bleiben, wenn ein Produkt- oder Geschäftsbereich intern schon beendet wurde.
Für Unternehmen entsteht daraus ein doppelter Umstellungsdruck. Technisch müssen Teams die API-Strategie so umbauen, dass Datenübertragungen auditierbar bleiben, Latenzen und Fehlerfälle robust abfangen und Security-Kontrollen von Anfang an in die Pipeline integriert werden. Rechtlich kommt Parallelität hinzu: Zusätzlich tritt am 28. August ein Gesetz zur Förderung KI-basierter Verwaltung in Kraft, das Verantwortlichkeiten öffentlicher Institutionen bei automatisierten Entscheidungen regelt. Kritische Stimmen bemängeln, dass Schutzbestimmungen für Bürger verstreut seien und Betroffenen nur eingeschränkte Rechte zustehen könnten. Insgesamt verschiebt sich die praktische KI- und Daten-Governance damit in Richtung dokumentierter Systeme – und nicht nur „funktionierender“ Automatisierung.
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