BUSAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Lotte Mart hat das Zeta Smart Center in Busan eröffnet und damit sein Lebensmittel-Fulfillment stark automatisiert. Das Logistikzentrum wird KI-gesteuert betrieben und soll Online-Bestellungen in Busan sowie Yeongnam abwickeln. Herzstück ist ein Robotik- und Regalraster-System mit bis zu 1.000 Robotern, das bis zu 33.000 Bestellungen pro Tag bewältigen kann. Zusätzlich setzt der Betreiber auf schnelle Dawn Delivery und eine zu 100 Prozent elektrische Lieferflotte.

Mit der Eröffnung des Zeta Smart Centers in Busan stellt Lotte Mart die Weichen für ein deutlich stärker automatisiertes Lebensmittel-Onlinegeschäft in Südostasien: Das neue Customer Fulfilment Centre ist auf die Abwicklung von Bestellungen in der Region Busan und Yeongnam ausgelegt und wird nach Angaben aus dem Projektkontext vollständig über KI gesteuert. Die technische Kernidee dahinter ist weniger „ein einzelner Roboter“, sondern ein durchgängiges Automatisierungs- und Steuerungssystem, in dem Warenbewegung, Bestellabwicklung und Datenrückkopplung eng miteinander verzahnt sind. Genau diese Kopplung entscheidet im operativen Alltag darüber, ob sich Tempo, Genauigkeit und Temperaturführung bei Lebensmitteln gleichzeitig halten lassen.
Im Zentrum der Anlage steht ein Raster-System mit 240.000 Lagerplätzen und ein robotergestützter Warentransport, der laut Projektangaben mit bis zu 1.000 Einheiten realisiert wird. Die Roboter bewegen sich dabei mit 4 Metern pro Sekunde; entscheidend ist aber vor allem die Frequenz der Kommunikation: Die Einheiten tauschen bis zu zehnmal pro Sekunde Daten mit dem zentralen Steuerungssystem aus, um Laufwege und Übergaben im laufenden Betrieb zu koordinieren. Für Unternehmen ist diese Art „kontinuierlicher Leitsteuerung“ besonders relevant, weil sie nicht auf starre Zeitfenster setzt, sondern Reaktionsfähigkeit auf dynamische Zustände erlaubt – etwa wenn Bestellwellen eintreffen oder Zonen zeitgleich belegt sind.
Die Dimensionen des Standorts liefern zudem einen Eindruck davon, wie stark Lotte Mart in Infrastruktur investiert. Insgesamt wurden 200 Milliarden KRW für den Standort Busan veranschlagt, entsprechend etwa 144 Millionen US-Dollar. Das vierstöckige Gebäude deckt rund 40.000 Quadratmeter ab und ist für die Lagerhaltung von bis zu 35.000 unterschiedlichen Produkten ausgelegt. Diese Produktbreite ist in der Praxis ein harter Test: Je vielfältiger das Sortiment, desto komplexer werden Zuordnung, Pick-Routen und die Priorisierung im Warenfluss. Damit ein solches System auch bei temperatursensiblen Artikeln stabil läuft, nutzt das Zentrum spezialisierte Bereiche wie Auto-Freezer mit einer konstanten Temperatur von -25 Grad Celsius für Tiefkühlprodukte. Insgesamt sollen 10.000 gekühlte oder frische Artikel sowie 4.000 Tiefkühlprodukte verarbeitet werden können, was zeigt, dass die Automatisierung nicht erst „ab dem Kühlregal“, sondern bereits über die Temperaturzonen hinweg geplant ist.
Operativ wird das Zeta Smart Center auf hohe Durchsätze getaktet: Zielgröße ist, täglich bis zu 33.000 Bestellungen zu bearbeiten, bei entsprechend hoher Taktung sollen bis zu 13 Lieferzyklen pro Tag möglich sein. Damit werden rund 4 Millionen Haushalte im Einzugsgebiet von Busan und der umliegenden Yeongnam-Region adressiert. Für die Wettbewerbsdynamik im Handel ist dabei weniger die reine Bestellzahl entscheidend als die Kombination aus Geschwindigkeit und Serviceversprechen: Ein prominentes Element ist die sogenannte Dawn Delivery, bei der Kunden ihre Bestellungen bereits vor 7 Uhr morgens erhalten. Solche Zeitfenster sind nur realistisch, wenn das System nicht nur automatisiert, sondern auch im Ausnahmefall sauber priorisiert – etwa bei unterschiedlichen Temperaturklassen oder bei ungleich verteilten Bestellpositionen.
Der Projektumfang geht zudem über die rein technische Infrastruktur hinaus. Im Zentrum selbst sollen 200 Mitarbeiter beschäftigt sein; gleichzeitig wird im Kontext der Kooperation mit dem Technologiepartner Ocado die Schaffung von insgesamt 2.000 Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit dem Customer Fulfilment Centre (CFC) genannt. Für Entscheider in der KI- und Robotics-Industrie ist das ein Signal, dass es bei solchen Projekten nicht um „Vollautomatisierung ohne Personal“ geht, sondern um neue Rollen entlang des Betriebs: Wartung, Prozesskontrolle, Qualitätsprüfung, IT-Betrieb und Eskalationshandling. Interessant ist außerdem die wirtschaftliche Zielsetzung, innerhalb der ersten fünf Betriebsjahre die Gewinnschwelle auf Ebene des EBITDA zu erreichen – ein Punkt, der üblicherweise davon abhängt, wie stabil Auslastung, Durchsatz und Fehlerquoten über längere Zeit im laufenden Handelssystem bleiben.
Auch beim Thema Nachhaltigkeit setzt der Betreiber laut Projektangaben auf konkrete technische Maßnahmen statt nur auf Begleitkommunikation. Die Betriebsabläufe sollen durch eine zu 100 Prozent elektrische Lieferflotte unterstützt werden. Daneben kommen Roboter zum Einsatz, deren Komponenten teilweise aus dem 3D-Drucker stammen, was in der Summe auf eine Strategie hindeutet, Baugruppen schneller zu iterieren und bei Bedarf Anpassungen effizienter zu fertigen. Zusätzlich sollen installierte Solaranlagen jährlich etwa 1.000 Tonnen CO2 einsparen. In der Gesamtbetrachtung zeigt das Projekt damit, wie KI-gestützte Logistik, Energiekonzepte und Fertigungsprozesse zusammenwirken: Ein automatisiertes System erzeugt nicht nur Daten und Durchsatz, sondern beeinflusst auch, wie Emissionen entlang der Lieferkette entstehen.
Für die Markt- und Investitionsperspektive ist schließlich relevant, dass die Inbetriebnahme Teil einer größeren Expansionsstrategie sein soll. Lotte Mart plant ein Gesamtbudget von 1 Billion KRW (rund 710,3 Millionen US-Dollar) für die Stärkung der Online-Logistik und nennt konkrete nächste Schritte: Ab 2027 soll eine Expansion in die Regionen Daegu und Ulsan erfolgen, ein weiteres Zentrum ist in Goyang geplant. Langfristig strebt das Unternehmen an, bis 2030 insgesamt sechs automatisierte Logistikzentren dieser Art in SüdKorea zu betreiben. Für IT- und KI-Teams in der Praxis bedeutet das: Wenn solche CFC-Setups skaliert werden, steigen die Anforderungen an Integration (ERP/WMS/WCS), an Monitoring von Modell- und Regelverhalten sowie an kontinuierliche Optimierung von Routen- und Bestellalgorithmen. Zudem verschiebt sich die Abhängigkeit vom „einmaligen Rollout“ hin zu wiederholbaren Betriebsstandards, bei denen sowohl Software als auch Robotik-Parameter über Standorte hinweg konsistent gemanagt werden müssen.
Unterm Strich steht das Zeta Smart Center als Beispiel dafür, wie Künstliche Intelligenz im Lebensmittel-Fulfillment operativ genutzt wird: nicht als isoliertes Feature, sondern als zentrale Steuerung, die Robotik, Lagerlogik und Lieferketten-Timing koordiniert. Die Kombination aus 240.000 Lagerplätzen, bis zu 1.000 Robotern, klar definierten Temperaturzonen und einem auf Dawn Delivery ausgerichteten Liefermodell macht das Setup technologisch greifbar. Gleichzeitig zeigt die angekündigte Skalierung auf sechs Zentren bis 2030, dass dieses Modell nicht nur Pilot-Charakter haben soll, sondern als wiederholbares Automatisierungs-Muster in der Fläche gedacht ist.
Hinweis: Die Quelle enthält einen generellen Disclaimer zu Finanz- und Anlagefragen sowie die Aussage, dass Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr sind. Für den technischen Blick bleibt damit vor allem der konkrete Implementierungsgrad relevant: KI-gesteuerte Prozesse, ein robotergestütztes Raster-Lagersystem und die produktionsnahe Auslegung auf hohe Taktung. Genau hier entscheiden sich für viele Organisationen die nächsten Schritte, wenn es darum geht, KI-Infrastruktur und Automatisierung so zusammenzubringen, dass sie im Dauerbetrieb zuverlässig funktionieren.
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