LONDON (IT BOLTWISE) – Der Startup Biolyz erweitert sein Speicheltest-Programm für Profi-Sportteams und baut dafür zusätzliche Laborkapazitäten im Vereinigten Königreich auf. Nach einer Finanzierungsrunde in Höhe von 5,3 Millionen US-Dollar arbeitet das Unternehmen nun mit insgesamt 13 Fußballklubs, darunter Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Gründer Marlon Millard peilt außerdem 2027 den Markteintritt in den USA an und skizziert bereits Gespräche für eine größere Kapitalrunde. Technisch setzt Biolyz dabei auf komplexe Massenspektrometrie, um Dutzende Biomarker aus Speichelproben auszuwerten.

Mit der Lockerung der COVID-19-Testlandschaft ist Speichel-Diagnostik nicht verschwunden – sie findet inzwischen eine neue Einsatzbühne: den Leistungssport. Das Startup Biolyz hat sich auf Speicheltests für professionelle Teams fokussiert und ordnet die Proben entlang mehrerer Biomarker-Gruppen ein, die mit Immunologie, Entzündungsprozessen, Schlaf, Hydration und auch psychischem Stress in Verbindung gebracht werden. Die Teams nutzen die Resultate nicht als isolierte „Gesundheitswerte“, sondern als Teil eines größeren Datenbilds, um Trainingsbelastungen und Performance ihrer Athletinnen und Athleten über den Saisonverlauf hinweg besser zu steuern.
Aus technischer Sicht ist dabei weniger die Probenart entscheidend als die Analytik dahinter. Laut der Darstellung arbeitet Biolyz mit massenspektrometrischer Technologie in einer Größenordnung, die nicht einfach in jedes beliebige Labor oder in die unmittelbare Nähe der Sportstätte „mitgenommen“ werden kann. Obwohl die Probenentnahme beim Athleten nur etwa eine Minute dauert, benötigen die Spezimen eine Verarbeitung im nahen Labor, wobei der Berichtsturnaround typischerweise im Bereich von 24 Stunden liegt. Im Jahresdurchsatz kann das System derzeit ungefähr 160.000 Proben abdecken; Biolyz rechnet mit einer Steigerung auf etwa 200.000 durch Verbesserungen der Methoden und zusätzliche Infrastruktur.
Der Markt bewegt sich dabei schrittweise von Pilotprojekten hin zu wiederkehrenden Verträgen. Biolyz startet nach eigenen Angaben mit acht Fußballkunden in Kontinentaleuropa, darunter Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen, sowie Teams aus den Niederlanden und Italien; außerdem arbeiten mehrere Radsport-Organisationen mit dem Anbieter. Im nächsten Schritt wurde die Präsenz im Vereinigten Königreich ausgebaut: Nach einer Finanzierungsrunde über 5,3 Millionen US-Dollar (4,5 Millionen Euro) entstand in England ein drittes Labor – zusätzlich zu bestehenden Kapazitäten in Deutschland und Österreich. Diese Erweiterung soll die Grundlage für weitere Profi-Kunden schaffen, darunter zwei Vollzeitkunden in der EFL Championship sowie drei Probeteilnehmer aus dem Premier-League-Umfeld, womit Biolyz insgesamt auf 13 Fußballklubs kommt.
Die Expansionslogik bleibt dabei klar an die Sportarten gekoppelt. Gründer Marlon Millard plant für 2027 den Sprung über den Atlantik und verfolgt dafür frühe Gespräche zu einer Kapitalrunde zwischen 17 Millionen US-Dollar (15 Millionen Euro) und 29 Millionen US-Dollar (25 Millionen Euro). Er nennt zudem eine mögliche Bewertung, die „ein bisschen mehr“ als 50 Millionen US-Dollar betragen könnte – ohne einen konkreten Wert zu bestätigen. Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen Zielgröße und aktueller Skalierung: Biolyz bewegt sich laut Darstellung bei rund 1,2 Millionen US-Dollar Jahresumsatz in Form wiederkehrender Einnahmen (Recurring Revenue), also noch deutlich vor einer Phase, in der globale Laborstandorte automatisch als „Routinebetrieb“ gelten. Genau deshalb wirkt der Ausbau der Laborinfrastruktur wie ein strategisches Vorprodukt für die USA.
Dass Speicheltests im Fußball nicht nur als „Trend“ wahrgenommen werden, zeigt auch die regionale Nachfrage in Deutschland. Malte Krueger, der am Bayer 04 Leverkusen die Sportwissenschaft leitet, kam über einen Hinweis aus seinem Umfeld auf die frühen Dortmund-Tests von Biolyz. Leverkusen setzte die Lösung zunächst bis zum Ende der vergangenen Saison in eigenen Abläufen ein und unterzeichnete anschließend einen mehrjährigen Vertrag. In seiner Einordnung betont Krueger, dass Biolyz nicht die einzige Methode im Klub ist: Leverkusen greift ebenfalls auf kapillare Blutentnahmen per Finger- oder Ohrläppchen-Technik zurück. Sein Hauptargument lautet, dass sich Trainingsregime durch die Kombination verschiedener interner Last-Daten weiter individualisieren lassen – ähnlich wie GPS-Tracking in vielen Sportarten zum Standard wurde.
Wer Biotech-Startups mit diagnostischer Vermarktung verfolgt, landet gedanklich schnell bei früheren Negativbeispielen wie Theranos. In der Quelle wird explizit darauf verwiesen, dass Theranos durch falsche Behauptungen zu medizinischen Tests und einer späteren Betrugsaffäre schließlich zusammenbrach; diese Geschichte dient Biolyz als Warnsignal für die eigene Außendarstellung. Marlon Millard adressiert die Skepsis laut Darstellung direkt, indem er nicht die gesamte Testinfrastruktur auf ein kleines Gerät schrumpfen will, sondern die komplexe Analytik beibehält. Er wird dabei mit dem Satz zitiert, man könne „nicht einfach jedem Labor oder jeder Person“ eine Technologie geben, um „hundert Biomarker“ herauszuholen. Für den Aufbau von Vertrauen heißt das im Kern: Nicht nur Daten liefern, sondern die Messkette transparent und replizierbar halten, auch wenn das Skalieren damit operativ schwerer wird – ein Aspekt, den Millard als Bestandteil eines „Trust“-Geschäfts umreißt.
Für Unternehmen und Sportorganisationen ergibt sich daraus ein konkretes Bild: Speicheltests können, richtig integriert, zum Baustein einer modernen Trainings- und Regenerationssteuerung werden. Gleichzeitig zeigen der geplante Ausbau der Laborstandorte und die diskutierten Durchsatzgrenzen, dass die Engpässe selten in der Probenlogistik allein liegen, sondern in der Analytik- und Prozesskapazität. Sobald Anbieter wie Biolyz den Standard von Pilotdaten hin zu belastbaren Langzeitvergleichen in mehreren Ligen schaffen, dürfte der Wettbewerb stärker über Time-to-Insights, Konsistenz der Messwerte und die Fähigkeit zur Skalierung entscheiden. Millard bringt es dabei auf den Punkt: Die „Geschäftsidee“ ist nicht auf eine einzelne Sportart begrenzt, doch die größte Marktdynamik sieht er – nach dem Ausbau in Großbritannien – mittelfristig auch in den USA.
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