HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche Unternehmen zeigen, dass der KI-Hype nicht nur auf Chips stattfindet, sondern in der Infrastruktur dahinter. Der Kühltechnik-Anbieter Stulz baut Liquid-Cooling in Hamburg aus und rechnet mit deutlich höheren Wärmelasten in Rechenzentren. Parallel wächst die Nachfrage nach präziser Halbleiterfertigung, vom Bonding bis zur Messung gestapelter Chips. Damit rücken Themen wie Leistung, Energiebedarf und Datenanbindung enger zusammen als bisher gedacht.

Deutscher KI-Boom: Von Liquid Cooling bis Rechenzentrum-Bau
Deutscher KI-Boom: Von Liquid Cooling bis Rechenzentrum-Bau (Foto: IT BOLTWISE)
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Der KI-Boom wirkt von außen oft wie ein Wettrennen um Rechenleistung. In der Praxis entscheidet jedoch häufig, ob Rechen- und Speicherchips unter echten Lastprofilen stabil laufen und wie schnell Daten fließen. Genau an dieser Schnittstelle setzen mehrere deutsche Unternehmen an, die nicht nur „KI macht’s möglich“ behaupten, sondern entlang der Wertschöpfung von der Fertigungstechnik bis zur Gebäudetechnik investieren. Ein Beispiel liefert Stulz aus Hamburg: Das Unternehmen ist seit Jahrzehnten in der Kühlung von Rechenzentren und Industrieanlagen aktiv und übersetzt den Trend zu höherer Leistungsdichte inzwischen direkt in seine Produktstrategie. Der Grund ist simpel: Wenn KI-Workloads mehr rechnen, steigen die Wärmelasten nicht linear, sondern mit dem Systemdesign der Rechenzentren. In einem Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums wird für die Zukunft von einem Anstieg der zu bewältigenden Wärmeleistungen um das Fünf- bis Zwölffache gesprochen.

Stulz verlagert damit den Fokus von klassischen Kühlkonzepten hin zu komplexeren Systemen, die „flüssige Kühlung direkt am Chip“ unterstützen. Diese Architektur ist für viele Betreiber attraktiv, weil sie nicht nur abstrahiert Kühlung liefert, sondern die Verlustwärme dort abführen kann, wo die Leistungsdichte entsteht. Das ist ein Unterschied zu einem Ansatz, bei dem erst der Raum oder der Luftstrom adressiert wird. Entscheidend ist außerdem, dass solche Umrüstungen in der Regel nicht auf einen einzelnen Server beschränkt sind, sondern mit der gesamten Rechenzentrumsplanung zusammenspielen. Stulz hat dafür nach eigenen Angaben die Produktion von Liquid-Cooling-Systemen am Hauptsitz Hamburg ausgebaut. Gleichzeitig zeigt der Blick in die USA, dass der Umbau nicht auf einen Markt beschränkt bleibt: Dort eröffnete das Unternehmen noch im gleichen Jahr ein Werk, bereits das dritte.

Während Kühlung in deutschen Rechenzentren stärker in den Vordergrund rückt, wird die Fertigungstechnik für KI-Bauteile ebenso zum Engpass. SUSS MicroTec mit Standort in Garching fertigt Anlagen für die Chipherstellung, wobei für KI-Chips besonders das sogenannte Bonding relevant ist. Der Begriff beschreibt das Fügen von Wafern zu mehrteiligen Strukturen, etwa wenn mehrere Wafer übereinandergestapelt und nahtlos verbunden werden. Damit geht es auch um die Kopplung von Rechen- und Speicherchips: Ein leistungsfähiger KI-Prozessor bleibt sonst unter Umständen ungenutzt, wenn die Speicheranbindung zu langsam ist. Für das Unternehmen ist der Markt damit zweigeteilt: Wer KI-Architekturen in Richtung stärkerer Chipintegration unterstützt, braucht Anlagen, die extrem präzise arbeiten. SUSS MicroTec hat zur Ausweitung der Produktion 2025 zudem einen Standort in Taiwan eröffnet; der Aktienkurs hat sich seit einem Jahr mehr als verdoppelt, außerdem stieg das Unternehmen in den M-Dax auf. Beim Blick auf die Ergebnisentwicklung bleibt die Planung dennoch anspruchsvoll, weil 2025 laut Angaben von Burkhardt Frick ein „strategisch wichtiges Übergangsjahr“ sein soll.

Dass KI nicht nur Chipindustrie, sondern auch Material- und Prozessketten antreibt, sieht man unter anderem bei Aixtron. Anfang des Jahres stand das Unternehmen aus Herzogenrath laut Quelle unter Druck, weil mehr als zehn Prozent der Beschäftigten aufgrund schwacher Nachfrage abgebaut wurden. Danach drehte sich die Stimmung: Der Aktienkurs schoss seit Jahresbeginn zeitweise um mehr als 200 Prozent. Als Treiber nennen sich vor allem die gestiegenen Aufträge für Anlagen zur Herstellung von Optoelektronik; im ersten Quartal entfielen knapp zwei Drittel der Aufträge auf diesen Bereich. Der weit überwiegende Teil davon hängt mit dem Ausbau von Rechenzentren zusammen, in denen Laserverbindungen klassische Kupferkabel zunehmend ersetzen. Auch die Hoffnungsträger für die Zukunft sind klar benannt: Anlagen zur Herstellung von Galliumnitrid. Das Material gilt als interessanter Kandidat, weil es bei weniger Energieverlusten und geringerer Wärmeentwicklung als Silizium ansetzen kann. Für Betreiber sind das mehrdimensionale Vorteile, für Aixtron entsteht dadurch eine Marktlage, in der das Geschäft indirekt an den Erfolg von KI gekoppelt ist – über schnelle Datenverbindungen und effiziente Energieversorgung.

Eine weitere Erfahrung im Markt: KI verstärkt nicht nur Investitionen, sondern erhöht auch die Anforderungen an Mess- und Qualitätsprozesse. PVA Tepla aus Wettenberg gilt in der Quelle zunächst als Beispiel dafür, dass sich der KI-Hype zeitweise nicht unmittelbar über den Aktienkurs übertragen hat. Mittlerweile hat sich der Kurs laut Text mehr als verdoppelt, weil beide Geschäftsbereiche vom KI-Boom profitieren. Im Bereich „Material Solutions“ werden Anlagen entwickelt, die unter anderem zur Zucht von Indiumphosphid-Kristallen dienen – Material, das auch in Laserchips für schnelle Datenübertragung genutzt wird. In der „Metrologie“ trifft KI dagegen auf die harte physikalische Realität moderner Chipfertigung: Hochsensible KI-Chips dürfen zum einen nur mit ausreichender Genauigkeit geprüft werden, zum anderen darf die Prüfung selbst keine Schäden erzeugen. Bei neueren Generationen werden mehrere Chips übereinandergestapelt; für ein Messgerät wird das zur Herausforderung, weil es per Ultraschall in die gestapelten Strukturen „hineinschauen“ muss. Gleichzeitig lassen sich KI-Anteile am Umsatz nicht sauber herausrechnen. Ein Sprecher verweist darauf, dass KI viele technologische Anforderungen beschleunigt, von denen das Unternehmen profitiert; allerdings meldet die Quelle auch Rückgänge bei Umsatz und Gewinn. Bei der Dividende wurde zudem gestrichen, weil man stärker auf Geschäftsbereiche setzen wolle, die künftig großes Wachstumspotenzial bieten.

Über die Fertigung und die Bauteile hinaus zeigt die Meldung, wie stark auch „sichtbare“ Infrastruktur profitiert: von Serverschränken bis zum Bau ganzer Rechenzentrumsareale. Rittal produziert seit 1969 Serverschränke in Serie und erweitert die Produktpalette mit den steigenden Anforderungen an die physische Verpackung von Elektronik. Als Innovationstreiber nennt die Quelle aktuell die KI: Die Hessen setzen dazu auf Kooperationen mit Siemens und dem Technologieunternehmen ABB, um Komponenten für Rechenzentren der KI-Generation besser aufeinander abzustimmen. Ein Schwerpunkt lag in den vergangenen Jahren in der Integration von Kühlsystemen in Serverschränke. Mit dem GSI Helmholtz-Zentrum in Darmstadt und dem Startup Etalytics hat Rittal ein eigenes anwendungsfertiges Liquid-Cooling-System entwickelt, das laut Quelle auf kleinstem Raum Leistungen von einem Megawatt erreicht – dreihundertmal so viel wie eine handelsübliche Klimaanlage. Besonders relevant ist hier auch das Vertriebsmuster: Rittal liefert laut Quelle jährlich 180.000 Schaltschränke an wichtige Anbieter von Cloud-Infrastruktur in Asien und Amerika. Beim Rechenzentrumsbau wiederum ist Hochtief ein Beispiel dafür, dass KI-Investitionen nicht nur in der Technik, sondern auch in Baulogistik und Netzintegration ankommen: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Auftragseingang um 25 Prozent, der Gewinn um 35 Prozent, getrieben vor allem durch die US-Tochter Turner. Zudem erwartet Hochtief eine Vervierfachung der Investitionen im Bereich Rechenzentren bis 2035 – ein Hinweis darauf, dass KI-Clusters auch als Großprojekte planbar werden.

Je weiter man die Kette nach oben zeichnet, desto stärker verschiebt sich das Augenmerk hin zu Energie, Bauteilpräzision und Industriebündnissen. Zeiss liefert optische Bestandteile für Lithografie- und Chipfertigungsprozesse, konkret etwa Spiegel, die ultraviolettes Licht eines Hochleistungslasers auf den Wafer ausrichten. Die Quelle nennt Zeiss als langjährigen Partner von ASML und erinnert daran, dass Zeiss’ Halbleitersparte inzwischen 45 Prozent des Umsatzes ausmacht, während das Kerngeschäft insgesamt eher stagnierte. Daneben steht Jenoptik, hervorgegangen aus dem früheren DDR-Zeiss-Kontext, das ebenfalls optische und photonische Bauteile liefert und laut Quelle ein Auftragswachstum von über 70 Prozent meldete. Siemens Energy schließlich illustriert, wie der Stromhunger der KI in der Energieinfrastruktur ankommt: Ein Viertel der Aufträge im Gasgeschäft geht in der Quelle auf Rechenzentren zurück; die Auftragsbücher seien teilweise bis 2030 gefüllt, und Kunden zahlten Reservierungsgebühren, um Produktionskapazität zu sichern. Vorstandsmitglied Tim Holt wird mit den Worten zitiert: „Wir werden in den nächsten 15 Jahren weltweit Investments in das Netz sehen, die so groß sind wie die der letzten 150 Jahre“. Auch wenn der Ausbau in der Quelle als globaler Trend beschrieben wird, zeigt das Zitat vor allem den Zeithorizont: KI zwingt Betreiber dazu, nicht nur Rechenleistung nachzurüsten, sondern auch Netze, Turbinenkapazitäten und steuerbare Energieflüsse. Am Ende passt diese Logik auch zu Umwelt- und Anlagenbauern wie DAS Environmental Expert aus Dresden, deren Abwasseranlagen besonders in der Halbleiterproduktion gebraucht werden, weil bestimmte Chemikalien nach Nutzung wieder gefiltert werden müssen. So entsteht ein KI-Boom, der nicht als einzelner Chip-Hype endet, sondern als breiter Investitionszyklus in Präzisionsindustrie, Bau und Energieversorgung sichtbar wird.


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