NEUWIED / LONDON (IT BOLTWISE) – In Neuwied können 60 Kinder der AWO Kita „Am Schlosspark“ kostenlos Schwimmen lernen. Ermöglicht wird das durch das Projekt „Sicher im Wasser“, das in den Freibädern der Stadt praxisnah umgesetzt wird. Zu Beginn konnten nur sechs der Kinder bereits schwimmen, am Ende der zweiwöchigen Kurse legen laut Angaben bis zu 10 bis 15 Kinder das „Seepferdchen“ ab. Die Initiative setzt dabei bewusst auf Barrierefreiheit und stärkt gleichzeitig das Ziel der kinderfreundlichen Stadt.

Neuwied nutzt den Sommer als Lernfenster: Im Projekt „Sicher im Wasser“ erhalten 60 Kinder der AWO Kita „Am Schlosspark“ die Chance, kostenlos Schwimmen zu lernen. Hintergrund ist eine längst veränderte Realität am Beckenrand – Schwimmen gilt vielen Kindern nicht mehr als selbstverständlich, obwohl Temperaturen und Freibadangebot gerade in heißen Monaten locken. Damit aus dem Besuch im Freibad nicht nur Abkühlung wird, sondern echte Kompetenz entsteht, arbeiten mehrere lokale Akteure seit Jahren an einer Lösung, die direkt dort ansetzt, wo Kinder das Schwimmen später brauchen.
Technisch betrachtet geht es bei solchen Kursen vor allem um strukturierte Übungsabschnitte, klare Sicherheitsabläufe und eine Lernumgebung, in der Angst abgebaut werden kann. Genau das adressiert die Kursform: Die Kinder nehmen an drei Kursen teil, die jeweils über einen festgelegten Zeitraum laufen, und üben in einer „geschützten Umgebung“ mit dem Ziel, Bewegung im Wasser zu automatisieren und Selbstvertrauen aufzubauen. In den Angaben zur diesjährigen Durchführung wird ein deutlicher Ausgangspunkt sichtbar – von den 60 Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren konnten zu Kursbeginn nur sechs bereits schwimmen.
Die Lernkurve bleibt dabei nicht bei theoretischen Versprechen stehen. Laut Projektangaben erreichen am Ende der zweiwöchigen Kurszeit etwa 10 bis 15 Kinder erfolgreich die „Seepferdchen“-Prüfung. Das ist auch deshalb relevant, weil es sich um ein messbares Zwischenziel handelt, das vielen Kindern als klare Orientierung dient. Gleichzeitig zeigt der Projektansatz, dass das Verhältnis von Startniveau und Fortschritt realistisch gedacht wird: Statt jedes Kind gleich zu versprechen, wird konsequent auf Etappen gesetzt, die im Alltagserleben der Familien ankommen.
Unterm Strich ist „Sicher im Wasser“ vor allem ein Gemeinschaftsprojekt mit mehreren Verantwortungsbereichen. Die Kurse finden bereits seit drei Jahren regelmäßig statt, und 2024 entstand zudem der Wunsch, die Schwimmkurse stärker zu verstetigen. Genau hier liegt die strategische Besonderheit: Förderprogramme von Bund und Land haben laut Bürgermeister Peter Jung häufig sehr kurze Laufzeiten, weshalb man in Neuwied mit dem „Neuwieder Weg“ ein dauerhaftes Fördermodell aufgesetzt hat. Solche Modelle sind für soziale Initiativen entscheidend, weil sie nicht jedes Jahr neu bei null starten müssen – Planbarkeit wirkt direkt auf Personal, Kapazitäten und die Kontinuität in den Kursgruppen.
Finanziert und operativ getragen wird das Vorhaben durch ein Bündel aus städtischer Unterstützung und lokaler Stiftungsarbeit. Dieses Jahr konnte das KiJub Fördermittel aus dem „Ferienprogramm RLP“ sichern, während die Sparkasse Neuwied das Projekt mit 2.000 Euro über die „WIR FÜR HIER“-Stiftung unterstützt. Die Neuwieder Bürgerstiftung übernimmt außerdem die Durchführung im Familienfreibad Oberbieber, das sie seit Ende 2023 ehrenamtlich betreibt – und öffnet hierfür das Bad außerhalb der regulären Zeiten. Zusätzlich stellt die Stiftung laut den Angaben Personal zur Verfügung, wodurch aus einem Freizeitangebot ein Lernsetting wird, das zeitlich und organisatorisch zu den Kursen passt.
Für die gesellschaftliche Einordnung spielt dabei weniger die einzelne Spende als das Zusammenspiel eine zentrale Rolle. Bürgermeister Peter Jung und der KiJub-Sozialpädagoge Stephan Amstad werten die erfolgreichen Kurse als Bestätigung des „Neuwieder Wegs“ – und betonen, dass die Umsetzung nur mit vielen engagierten Akteuren gelingt. Auch an anderer Stelle wird der Nutzen direkt in den Alltag der Kinder übersetzt: Der Vorsitzende der Neuwieder Bürgerstiftung, Charly Starfeld, stellt die Kinderperspektive in den Mittelpunkt, während der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Neuwied, Thomas Paffenholz, hervorhebt, dass die Stiftung genau solche Projekte fördern will. Für die Kita-Leitung fasst Anne Hertling den Kern zusammen: Kinder zu fördern bedeutet, ihnen Chancen für ihre Zukunft zu eröffnen – und Schwimmen ist dabei nicht nur Sport, sondern Lebenskompetenz.
Aus Sicht von Bildung, Prävention und lokaler Infrastruktur wird damit eine Blaupause sichtbar, die auch in anderen Städten übertragbar sein kann: Wenn Schwimmkurse an festen Partnern, planbaren Förderstrukturen und konkreten Lernorten hängen, sinkt die Hürde für Familien mit weniger Zugang zu Kursangeboten. Neuwied setzt außerdem auf nachvollziehbare Ziele, messbare Fortschritte und eine Umsetzung in den vorhandenen Schwimmressourcen statt in isolierten Einzellösungen. So entsteht am Ende ein Modell, das nicht nur im Sommer funktioniert, sondern durch die Verstetigung über Jahre Wirkung entfalten soll – mit dem Freibad als Bühne und dem „Seepferdchen“ als greifbarer Etappenerfolg.
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