LONDON (IT BOLTWISE) – Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ablösen und damit das Fördersystem deutlich neu aufstellen. Sparer erhalten eine direkte Grundzulage, deren maximale Höhe bei 540 Euro pro Jahr liegen soll. Zusätzlich sind Zuschüsse für Kinder und Berufseinsteiger vorgesehen. Zentraler Unterschied zur bisherigen Logik: Das Modell verzichtet auf verpflichtende Beitragsgarantien und setzt stärker auf flexible Kapitalanlage.

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge in Deutschland bekommt zum Jahreswechsel 2027 eine neue Leitidee: Das geplante Altersvorsorgedepot soll an die Stelle der Riester-Rente treten. Die Bundesregierung verfolgt dabei zwei Ziele, die sich in den Details wiederfinden. Zum einen will sie die Renditechancen für Sparer erhöhen, zum anderen soll das Fördersystem vereinfacht werden, indem es weniger über Produkt- und Garantiebedingungen organisiert wird und mehr über eine direkte, laufende Zulage.
Im Kern steht eine staatliche Grundförderung, die sich an der Höhe der Eigenbeiträge orientiert. Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag sind demnach 50 Prozent Förderung vorgesehen, was 180 Euro entspricht. Für zusätzliche Beiträge im Bereich von 361 bis 1.800 Euro soll eine F ö r d e r q u o t e von 25 Prozent greifen; damit kommen weitere 360 Euro pro Jahr zusammen. Die maximale Grundförderung wird so auf 540 Euro pro Jahr gedeckelt, wobei diese Logik vor allem diejenigen adressiert, die mehr als nur den Einstieg in die Förderung wählen, aber innerhalb eines klaren Rahmens bleiben.
Darüber hinaus ergänzt der Entwurf Familien- und Einstiegsanreize. Pro Kind soll eine Zulage von bis zu 300 Euro möglich sein, wodurch das System einen familienpolitischen Hebel erhält. Für junge Erwachsene, die neu in das Berufsleben starten, ist zusätzlich ein einmaliger Berufseinsteigerbonus in Höhe von 200 Euro Teil des Förderpakets. Damit verschiebt sich die Wirkung nicht nur auf die eigentliche Ansparphase, sondern auch auf den Zeitpunkt des Systemstarts, weil der Entwurf die frühen Jahre finanziell stärker abfedern will.
Bei vielen Fragen zur Attraktivität eines Altersvorsorgeprodukts geht es in der Praxis jedoch weniger um die Zulage selbst als um die steuerliche Wirkung in Kombination mit dem Beitragsrahmen. Im vorgeschlagenen Modell sollen sich für Gutverdiener zusätzliche Anreize ergeben: Als Rechenbeispiel wird genannt, dass Steuerpflichtige mit einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent – ab etwa 70.000 Euro Jahreseinkommen – eine Steuererstattung von 443 Euro geltend machen könnten. Bei 50 Prozent Grenzsteuersatz wird ein Wert von 630 Euro beschrieben. Entscheidend ist dabei auch die zeitliche Komponente: Während der Ansparphase sollen Umschichtungen innerhalb des Depots steuerfrei bleiben und keine Vorabpauschale erhoben werden, wodurch sich das Timing von Strategiewechseln im Depot weniger stark auf die laufende Steuerlast auswirken dürfte.
Der administrativ relevante Rahmen betrifft außerdem die sozialversicherungsrechtlichen Deckelungen. Der Text verweist darauf, dass parallel zu den geförderten Beiträgen auch zusätzliche, ungeförderte Einzahlungen möglich sein sollen, und nennt hierfür ein Gesamtvolumen von bis zu 11.880 Euro pro Jahr. Diese Summe könne auf zwei Depots verteilt werden, jeweils mit maximal 6.840 Euro. Für Unternehmen und Selbstständige ist das vor allem dann praktisch, wenn sie ihre Gesamtbeiträge in bestehende Personal- und Vorsorgeplanungen einpassen müssen, statt die Förderung isoliert zu betrachten.
Ganz anders als bei der Riester-Rente ist die Frage nach Beitragsgarantien und damit die Bandbreite möglicher Anlageentscheidungen. Das Altersvorsorgedepot sieht keine gesetzliche Garantie der eingezahlten Beiträge vor. Damit entfällt eine verpflichtende Sicherungslogik, die in klassischen Modellen häufig den Anlagenspielraum begrenzt. Für die Renditeerwartung bedeutet das: Laut Modellrechnungen soll bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 6,5 Prozent über 30 Jahre – bei Einbeziehung staatlicher Förderung – ein Endvermögen von 250.000 Euro möglich sein. Bei einer jährlichen Einzahlung von 14.000 Euro wird sogar ein rechnerisches Endkapital von über 1,3 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Solche Werte sind sensitiv gegenüber Rendite und Beitragsprofil, liefern aber ein klares Signal: Das Modell setzt weniger auf planbare Mindestrückflüsse, sondern stärker auf das langfristige Kapitalwachstum.
Spannend wird es auch beim Übergang vom bestehenden Vertragssystem in die Auszahlung. Die Auszahlungsphase soll flexibel sein und zwischen dem 65. und dem 70. Lebensjahr beginnen können; ein früherer Zugriff sei zwar möglich, führe aber in der Regel zum Verlust der staatlichen Förderung. Bei der Besteuerung wird zudem getrennt: Der staatlich geförderte Teil soll der vollen Besteuerung unterliegen, während der ungeförderte Teil nach einer Haltedauer von mindestens 12 Jahren dem Halbeinkünfteverfahren zugerechnet werden soll; andernfalls greift die Abgeltungsteuer. Für Auszahlungspläne werden Steuersätze von 18 Prozent ab 65 Jahren und 17 Prozent ab 67 Jahren genannt. Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, kann demnach in das neue Altersvorsorgedepot wechseln; Fachleute raten laut dem Text allerdings dazu, Kosten sowie den Wegfall bestehender Garantien im Einzelfall zu prüfen. Dass erste Finanzinstitute Angebote vorbereiten, zeigt die Dynamik: So wird für Comdirect eine Early-Bird-Prämie von 50 Euro genannt, wenn sich Kunden bis zum 31. Dezember für das neue Altersvorsorgedepot registrieren.
Für die Marktperspektive lässt sich daraus eine einfache Rechnung ableiten: Das Altersvorsorgedepot verlagert den Werthebel von Produktgarantien hin zu Depotstrategie, Kostenstruktur und steuerlicher Planung. Gerade für Entscheider in Unternehmen, die ihre Belegschaft über betriebliche und private Vorsorgebausteine koordinieren, wird damit die Schnittstelle zwischen Vorsorgekonzept und Kapitalanlage stärker. Gleichzeitig steigt die Bedeutung sauberer Annahmen in der Simulation: Renditepfade, Laufzeiten, Beitragshäufigkeit und der Zeitpunkt von Umschichtungen können die Endwerte spürbar bewegen. Die finale Ausgestaltung hängt wie immer von den Gesetzesdetails ab; wer sich bereits heute positionieren will, sollte die Förderschwellen und die steuerlichen Mechaniken frühzeitig mit dem eigenen Beitrags- und Lebensszenario abgleichen. (Keine Anlageberatung; Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich.)
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