LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Studie verknüpft die Fähigkeit, Gefühle zu benennen, mit aggressivem Verhalten in Haft. Wenn Alexithymie im Gefängnisumfeld auf Einsamkeit und tägliche Angst trifft, steigt offenbar auch die Neigung zu verbaler oder körperlicher Gewalt. Die Arbeit stützt sich auf Fragebögen von 415 männlichen Insassen. Gleichzeitig bleibt die Kausalrichtung offen, weil die Daten nur zu einem Zeitpunkt erhoben wurden.

Hinter verbalen Eskalationen und tätlichen Übergriffen in Haft steckt laut einer aktuellen Untersuchung nicht nur „Temperament“, sondern ein psychologischer Zusammenspielmechanismus. Im Zentrum steht das sogenannte Alexithymie-Phänomen: Betroffene haben Schwierigkeiten, eigene innere Gefühlszustände zu erkennen und in Worte zu fassen. Dadurch können sie Erregung nicht zuverlässig als „Angst“, „Wut“ oder „Scham“ einordnen, sondern erleben sie vor allem als körperliche Alarmzeichen. Für das Gefängnismanagement ist diese Unterscheidung relevant, weil Stress dort ohnehin stark gebündelt ist und persönliche Bewältigungsstrategien stark davon abhängen, wie gut Emotionen überhaupt adressiert werden können.
Die Studie, veröffentlicht im Journal Deviant Behavior, verwendet eine psychologische Basis, die in der Aggressionsforschung seit Jahren diskutiert wird: den „General Aggression Model“-Ansatz. Demnach ist Aggression kein spontanes Ereignis ohne Vorbedingungen, sondern entsteht aus der Kombination von situativen Auslösern und persönlichen Merkmalen. Das Haftsetting liefert die Situation überdeutlich: eingeschränkte Freiheit, weniger soziale Kontakte, kaum Privatsphäre und ein Alltag, der Identität häufig durch Uniformen und Nummern ersetzt. In einem solchen Umfeld werden auch soziale Regulationswege erschwert, etwa indem Unterstützung und emotionaler Austausch weniger erreichbar sind.
Um den Mechanismus empirisch zu prüfen, befragten Hejia Yu und Meng Zhang männliche Insassen in einer Haftanstalt in einer Provinz Chinas. Insgesamt konnten 415 Männer verwertbare Angaben zu standardisierten Messinstrumenten machen. Erhoben wurden unter anderem die Fähigkeit, Gefühle zu benennen, das Ausmaß von Einsamkeit, die tägliche Angst sowie Tendenzen zu physischer Aggression, verbalen Beschimpfungen und feindseligem Verhalten. Die Stichprobe lag im Mittel bei etwa 38 Jahren und unterschied sich zugleich in Haftdauer und Bildungshintergrund. In der statistischen Auswertung berücksichtigten die Forschenden außerdem Alter und körperlichen Gesundheitszustand, um zu vermeiden, dass diese Faktoren die Zusammenhänge zwischen den zentralen Variablen verfälschen.
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen positiven Zusammenhang zwischen vier psychologischen Elementen: Wer hoch auf Alexithymie-Skalen ausfällt, berichtet zugleich höhere Einsamkeit, mehr Angst und mehr Aggressionsneigung. Besonders aufschlussreich ist, dass die Autoren drei unterschiedliche „Wege“ der Verknüpfung modellieren, also Ketten, über die sich die Variablen gegenseitig aufschaukeln können. Auf dem ersten Weg wirkt Einsamkeit als eine Art Brücke: Wenn Menschen Gefühle nicht gut verarbeiten und auch Signale anderer schlechter lesen, fällt es ihnen schwerer, Bindungen aufzubauen oder Konflikte interpersonal zu entschärfen. So entsteht soziale Reibung, die im geschlossenen System Haft nicht „weggepuffert“ wird, sondern sich verdichtet. Die Studie beschreibt diesen Effekt dabei als eine Form von sozialem Mangel, der Aggression begünstigen kann, etwa um Kontakt herzustellen oder Monotonie zu durchbrechen.
Der zweite Pfad dreht sich stärker um Angst und zeigt im Datensatz den stärksten Prädiktor für aggressives Verhalten. Alexithymie führt offenbar zu anhaltender emotionaler Verwirrung: Betroffene können etwa Angst und Wut leichter vermischen, weil sie interne Zustände nicht sauber etikettieren können. Ohne die Möglichkeit, die eigene Belastung sprachlich oder kognitiv zu strukturieren, bleibt die innere Spannung offenbar dauerhaft erhöht. Psychologisch wird Angst als hoch-aktivierender Zustand verstanden: Sie verengt den Fokus, erhöht die Wachsamkeit und kann dazu führen, neutrale Handlungen von Mitinsassen oder Personal als direkte Bedrohung zu interpretieren. Im Gefängnis, wo jede Interaktion potenziell konfliktgeladen ist, kann dieser Wahrnehmungsfilter besonders schnell in Gegenangriffe münden.
Der dritte Ansatz fasst das Ganze als „emotionale Kaskade“ zusammen. Hier beginnt es wiederum mit der Schwierigkeit, Gefühle zu verarbeiten, was zunächst Einsamkeit und Isolation verstärkt. Da das Setting wenig Gelegenheit für Trost, Unterstützung oder strukturierte Gespräche bietet, kann diese Einsamkeit über die Zeit „festsetzen“. Danach kippt sie in einen Zustand, der sich eher wie ein Kreislauf aus negativen Gedanken anfühlt: Die emotionale Druckkurve steigt, bis der Selbstkontrollrahmen überschritten ist und schließlich ein aggressiver oder feindseliger Ausbruch erfolgt. Interessant ist auch die grundlegende Unterscheidung: Einsamkeit gilt als eher niedrig-erregter Zustand, der langsam anschwillt; Angst ist ein schnell dominierender, hoch-erregter Zustand. Genau diese Eskalation von low-arousal zu high-arousal wird in der Arbeit als gefährliche Dynamik beschrieben.
Für die Praxis leiten die Autoren aus den erkennbaren Wegen konkrete Interventionsideen ab. Wenn Angst der zentrale Treiber ist, könnten kurzfristige Entspannungsübungen helfen, die physiologische Grundanspannung zu senken, etwa über Achtsamkeits- oder Stressreduktionsmethoden. Parallel adressiert „emotional education“ ein Kernproblem: Menschen dabei zu unterstützen, Gefühle zu identifizieren und zu benennen, bevor sich Einsamkeit und Angst hochschaukeln. Solche Angebote werden im Artikel als relativ niedrigschwellige Maßnahmen skizziert, beispielsweise angeleitetes Journaling oder Peer-Support-Gruppen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Idee, „Aggression zu reduzieren“, sondern die psychologischen Übergänge zu verändern, über die Aggression im Modell überhaupt wahrscheinlicher wird.
Gleichzeitig betonen Yu und Zhang mehrere Einschränkungen, die für die Interpretation wichtig bleiben. Die Erhebung ist querschnittlich: Die Daten stammen aus einer Befragung zu einem Zeitpunkt. Damit lässt sich keine eindeutige Kausalrichtung beweisen, sondern nur zeigen, dass die Variablen in einer zeitlich plausiblen Sequenz auftreten. Zudem umfasst die Stichprobe ausschließlich männliche Insassen in einer einzelnen Einrichtung; ob sich die Muster 1:1 auf Frauen oder andere Hafttypen übertragen lassen, bleibt offen. Dazu kommt, dass alle Messwerte auf Selbstauskünften beruhen, die durch Müdigkeit oder Routineeffekte beeinflusst sein können. Für spätere Forschung schlagen die Autoren daher längsschnittliche Designs vor und ergänzen objektive Messungen wie Herzfrequenz- oder Hautleitfähigkeitsdaten, um emotionale Erregung körperlich zu verifizieren und so die „verdeckten“ Zwischenstufen der emotionalen Kaskade besser abzusichern.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Alexithymie und Gewalt in Haft: Studie zeigt Ketten über Einsamkeit und Angst" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Alexithymie und Gewalt in Haft: Studie zeigt Ketten über Einsamkeit und Angst" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Alexithymie und Gewalt in Haft: Studie zeigt Ketten über Einsamkeit und Angst« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!