LONDON (IT BOLTWISE) – Die für Startups zuständige Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat den Startup-Rat für die kommenden drei Jahre neu aufgestellt. Neun Expertinnen und Experten aus dem österreichischen Startup- und Innovations-Ökosystem sollen das Wirtschaftsministerium bei Rahmenbedingungen für Gründungen und schnelles Wachstum beraten. Im Fokus stehen dabei mehr privates Wachstumskapital, weniger Hürden auf dem Weg zu Scale-ups sowie schnellere und einfachere Gründungsprozesse. Damit rückt auch die Einbettung Österreichs in einen gemeinsamen europäischen Innovations- und Kapitalmarkt stärker in den Mittelpunkt.

Die Neuaufstellung des Startup-Rats wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Personalentscheidung – in der Praxis geht es jedoch um die Frage, wie sich die Bedingungen für junge Unternehmen in den kommenden Jahren konkret verändern sollen. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET), setzt dabei auf ein Gremium, das nicht nur aus Politik- und Verwaltungsnähe besteht, sondern aus neun Expertinnen und Experten unterschiedlicher Bereiche des österreichischen Startup- und Innovations-Ökosystems gespeist wird. Gerade diese Mischung aus Gründungserfahrung, Finanzierungslogik und Technologiekompetenz ist entscheidend, weil sich die Anforderungen an Startups nach Angaben der Regierungsseite laufend verschieben und die Politik ihren Blick darauf nachziehen müsse.
Inhaltlich nimmt die kommende Funktionsperiode mehrere Hebel gleichzeitig in die Hand: Erstens soll privates Wachstumskapital besser mobilisiert werden. Zweitens plant das BMWET, Gründungsprozesse „einfacher und schnellere“ zu machen – also weniger Reibung im frühen Stadium, mehr Tempo von der Idee zur Rechtsform, von der ersten Finanzierung zur Produktentwicklung. Drittens stehen „bessere Bedingungen für Scale-ups“ im Mittelpunkt, was in der Umsetzung meist bedeutet, dass Hürden entlang des Wachstumswegs überprüft und reduziert werden müssen. Viertens wird Unternehmertum stärker in Bildung und Gesellschaft verankert, weil sich der Startup-Pipeline-Effekt nicht allein durch Förderprogramme, sondern auch durch frühere Kompetenzaufbauten erreichen lässt.
Technisch betrachtet liegt in dieser Zielsetzung ein strukturelles Problem vieler Ökosysteme: Startups scheitern selten nur an einer fehlenden Idee, sondern an dem Zeitpunkt, an dem Finanzierung, Compliance- und Betriebsfragen, Recruiting sowie der Marktzugang zusammenkommen. Genau an dieser Schnittstelle setzt der Startup-Rat als beratendes Koordinationsinstrument an. Das BMWET nutzt das Gremium laut Mitteilung als Schnittstelle zwischen Politik und Startup-Community, um Erfahrungen aus der Praxis in die Weiterentwicklung von Rahmenbedingungen einzuspeisen. Der Rat selbst besteht seit 2020 und vereint Expertise aus Startups, Venture Capital, Business Angels, Inkubatoren und Interessenvertretungen – also aus Perspektiven, die typischerweise unterschiedliche Risiken priorisieren. Während Seed-Investoren oft auf Team- und Produktkompetenz blicken, verlangen Wachstumsphasen zunehmend belastbare Go-to-Market-Modelle, skalierbare Prozesse und eine Finanzierungstaktung, die nicht nur den nächsten Meilenstein finanziert, sondern die eigene Betriebslogik über Jahre trägt.
Besonders konkret wird die wirtschaftspolitische Ausrichtung in der Ankündigung eines geplanten Scale-up-Dachfonds. Dabei handelt es sich nicht um eine reine Begriffsbildung, sondern um einen Ansatz, der auf die Mobilisierung privaten Kapitals hinausläuft: Wenn öffentlicher Einfluss in der Frühphase häufig als Katalysator funktioniert, muss sich diese Rolle im Scale-up-Kontext anders darstellen. Ein Dachfonds kann in der Praxis helfen, Kapitalströme zu bündeln, unterschiedliche Beteiligungsmodelle zu koordinieren und Investitionen so zu strukturieren, dass sie zum jeweiligen Reifegrad passen. Zugleich nennt Zehetner als Leitlinie, nicht nur „mehr Gründungen“, sondern „mehr Wachstumsgeschichten aus Österreich“ erreichen zu wollen. Für Entscheiderinnen und Entscheider in Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil „Wachstum“ in der Regel andere Ressourcen als „Gründung“ verlangt: Vertrieb, Customer-Success, internationale Skalierung und ein Operating Model, das zusätzliche Komplexität sauber absorbiert.
Mit der neuen Zusammensetzung bringt der Startup-Rat zusätzliche Perspektiven aus sehr unterschiedlichen Umfeldern. Neu berufen wurden Clemens Schmidgruber, Franz Zöchbauer und Lukas Keplinger; Hannah Wundsam übernimmt den bisherigen Ratssitz von Markus Raunig. Schmidgruber ist CEO und Co-Founder von HELFERLINE, einem Anbieter von Technikdienstleistungen im deutschsprachigen Raum, und zudem Mitglied des Bundesvorstands der Jungen Wirtschaft. Damit kommt eine operative Perspektive in das Gremium, die sich an konkreter Dienstleistungs- und Skalierungsrealität ablesen lässt. Zöchbauer verantwortet als Managing Director bei VERBUND X die Innovations- und Corporate-Venture-Aktivitäten der VERBUND AG; seine Expertise verbindet damit Innovation, Investments und die Brücke zwischen Wirtschaft und Politik. Keplinger wiederum führt tech2b, einen der größten Startup-Inkubatoren Österreichs, und bringt Erfahrung in Technologie, Unternehmensentwicklung sowie in der Begleitung junger Unternehmen mit – also in jenes „Mittelfeld“, in dem sich aus Prototypen tragfähige Unternehmen entwickeln müssen.
Auch der Blick nach innen adressiert typische Engpässe. In Ökosystemen mit wachsender Internationalisierung entscheidet oft, wie schnell Regulatorik, Finanzierung und Skalierungsplanungen zusammenfinden. Das BMWET nennt deshalb explizit den Abbau von Hürden entlang des gesamten Wachstumswegs sowie Verbesserungen bei Gründung, Finanzierung und Skalierung. Gleichzeitig stellt die Regierungsseite Österreich stärker als Teil eines gemeinsamen europäischen Innovations- und Kapitalmarkts heraus. Genau hier liegt der strategische Kern für die nächsten Jahre: Selbst wenn nationale Programme gut designt sind, bleibt der Marktzugang und der Kapitalzufluss zunehmend europäisch gedacht. Darauf müssen Gründerteams mit passenden Investment-Pitches, Internationalisierungsstrategien und belastbarer Unternehmensplanung reagieren – und die Rahmenbedingungen sollten diesen Weg weniger fragmentieren, sondern klarer unterstützen. Dass der Startup-Rat neben privaten Kapitalquellen auch die Verankerung von Unternehmertum in Bildung und Gesellschaft betont, ergänzt diese Logik um eine langfristige Ressourcenschicht: Wer mehr Talente in die Startup-Umgebung bringt, erhöht die Chance, dass aus Ideen auch wirklich dauerhafte Wachstumskandidaten werden.
Am Ende steht damit weniger ein neues Gremium als ein Signal für Prioritäten: Mobilisierung von Wachstumskapital, weniger Reibung in frühen Prozessen, bessere Bedingungen für Scale-ups und eine engere Kopplung von Politik und Praxis. Zehetner betont zudem den Mehrwert des „Rundumblicks“ über Gründung, Finanzierung, Wachstum, Technologie und Innovation. Für die Startup-Community in Österreich bedeutet das konkret, dass künftig mehr Aufmerksamkeit auf der Umsetzungsebene liegen dürfte: Welche Prozesse lassen sich beschleunigen, welche Finanzierungsstrukturen harmonisieren, und wo fehlt heute noch die passende Übersetzung zwischen Investorenlogik und Unternehmensrealität. Für Unternehmerinnen und Unternehmer ist entscheidend, dass solche Beratungsforen die Lücke zwischen Strategie und operativ nutzbaren Verbesserungen schließen – denn genau dort entscheidet sich, ob sich aus „mehr Gründungen“ auch messbar „mehr Wachstumsgeschichten“ entwickeln.
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