LONDON (IT BOLTWISE) – Der Startup-Rat der österreichischen Bundesregierung ist für die Periode 2026 bis 2029 neu bestellt worden. Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus setzt dabei auf neun Expertinnen und Experten, die vor allem Gründungen und wachstumsorientierte Unternehmen begleiten sollen. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner benennt als Schwerpunkte unter anderem schnellere Gründungsprozesse und bessere Bedingungen für Scale-ups. Außerdem soll ein geplanter Scale-up-Dachfonds privates Wachstumskapital mobilisieren.

Der Startup-Rat der österreichischen Bundesregierung bekommt für die Funktionsperiode 2026 bis 2029 frischen Zuschnitt – und das nicht nur personell. Im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) sieht man in der neuen Zusammensetzung auch eine inhaltliche Weichenstellung: Das Gremium aus neun Expertinnen und Experten soll die Weiterentwicklung von Rahmenbedingungen für Gründungen und für wachstumsorientierte Unternehmen beratend begleiten. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat den Rat für drei Jahre neu bestellt und damit einen Zyklus übernommen, der laut Ministerium bereits 2020 gestartet ist.
Neu in den Rat berufen wurden gleich drei Personen aus sehr unterschiedlichen Ökosystem-Rollen. Clemens Schmidgruber, CEO und Co-Founder von HELFERLINE sowie Mitglied des Bundesvorstands der Jungen Wirtschaft, bringt den Blick aus der operativen Unternehmenspraxis mit. Franz Zöchbauer verantwortet als Managing Director bei VERBUND X die Innovations- und Corporate-Venture-Aktivitäten der VERBUND AG; damit erhält der Rat mehr Gewicht aus dem Corporate-Venturing-Umfeld. Lukas Keplinger, Geschäftsführer des oberösterreichischen Inkubators tech2b, ergänzt die regionale Perspektive aus dem Inkubations- und Beschleunigungsbereich – ein Punkt, der später auch in den Schwerpunktfeldern wieder auftaucht.
Daneben gibt es einen weiteren Wechsel, diesmal auf einem bereits bestehenden Sitz: Hannah Wundsam übernimmt den Ratssitz von Markus Raunig. Wundsam ist Geschäftsführerin von AustrianStartups und zudem Vorstandsmitglied des European Startup Network. Raunig war seit der Einberufung des Gremiums im Juli 2022 durch den damaligen Wirtschaftsminister Martin Kocher Mitglied und hatte sich anfangs den Vorsitz mit Laura Raggl geteilt. Zehetner würdigt Raunig in der Aussendung explizit für seinen „langjährigen Einsatz“ und für Impulse, die die österreichische Startup-Politik mitgeprägt haben; der personelle Übergang deutet damit auch auf Kontinuität in der strategischen Ausrichtung hin.
Von den bisherigen Mitgliedern bleiben fünf weitere Expertinnen und Experten dem Rat erhalten. Dazu zählen Rudolf Dömötör (WU Gründungszentrum / Entrepreneurship Center Network), Claudia Falkinger, Stefan Haubner (APEX Ventures), Laura Raggl (ROI Ventures) und Werner Wutscher (New Venture Scouting). Damit besteht der Rat künftig aus neun statt zuletzt sechs Mitgliedern. Für das BMWET ist der Startup-Rat dabei ausdrücklich als unabhängiges Beratungsgremium konzipiert: Er soll Praxiserfahrung aus Startups, Venture Capital, Business Angels, Inkubatoren und Interessenvertretungen in die Arbeit des Wirtschaftsministeriums einbringen und so die Brücke zwischen Politikdesign und Umsetzung schlagen.
Inhaltlich nennt das Ministerium für die kommenden drei Jahre vier Arbeitsschwerpunkte. Dazu gehören erstens die Mobilisierung von privatem Wachstumskapital, zweitens einfachere und schnellere Gründungsprozesse, drittens bessere Bedingungen für Scale-ups sowie viertens eine stärkere Verankerung von Unternehmertum in Bildung und Gesellschaft. Daneben betont das BMWET die Positionierung Österreichs innerhalb eines gemeinsamen europäischen Innovations- und Kapitalmarkts. Diese Kombination ist strategisch: Wer Gründungen beschleunigt, muss parallel auch die Anschlussfähigkeit sicherstellen – also sicherstellen, dass aus guten Ideen Wachstumsgeschichten werden können, die Kapital und Talent entlang der späteren Skalierungsphase erreichen.
Als konkretes Vorhaben verweist das Ministerium auf den geplanten Scale-up-Dachfonds, mit dem privates Kapital mobilisiert werden soll. Staatssekretärin Zehetner formuliert das Ziel dabei klar: Man wolle nicht nur mehr Gründungen, sondern vor allem mehr Wachstumsgeschichten aus Österreich. Im Kern geht es um die typische Lücke zwischen Seed- oder frühen Wachstumsrunden und der Phase, in der Unternehmen mehr Geschwindigkeit, internationale Skalierung und größere Finanzierungsrunden benötigen. Zehetner verknüpft dieses Ziel zudem mit der Zusammensetzung des Gremiums: „Menschen am Tisch, die wissen, wo es in der Praxis hakt“ – das ist weniger ein Symbolsatz als ein Hinweis darauf, dass Hürden häufig nicht in der Theorie entstehen, sondern in Prozessdetails, Förderlogiken oder der Frage, wie schnell Kapital in skalierbare Betriebsmittel übersetzt werden kann.
Die Anordnung der Kräfte im Rat passt zu dieser Logik. Mit Neuzugängen aus einem Energiekonzern-CVC-Umfeld, einem Landesinkubator und der Interessenvertretung Junge Wirtschaft verschiebt sich die Zusammensetzung erkennbar Richtung Corporate Venturing, regionale Inkubation und unternehmerische Nachwuchsarbeit. Gleichzeitig bleibt die VC- und Scouting-Perspektive erhalten, weil mit APEX Ventures, ROI Ventures und New Venture Scouting mehrere Stimmen vertreten sind, die unterschiedliche Stadien von Unternehmensaufbau und Marktanbahnung beobachten. Aus technischer Sicht ist diese Mischung relevant, weil digitale wie physische Innovationen selten nur an einem Engpass scheitern: Produktentwicklung, Recruiting, Go-to-Market und Kapitalbeschaffung greifen in der Praxis ineinander – und genau dort soll das Beratungsformat nach Angaben des Ministeriums wirksam werden.
Für Unternehmen und Startups bedeutet der neue Zuschnitt vor allem eines: Die politische Arbeit dürfte stärker auf Durchlaufzeiten und Skalierungsbedingungen ausgerichtet werden. Wenn das BMWET Gründungsprozesse als eigenen Schwerpunkt setzt, wird das typischerweise Themen wie Antragswege, rechtliche und administrative Hürden oder die Koordination zwischen Förderstellen berühren; wenn parallel bessere Bedingungen für Scale-ups im Fokus stehen, rückt die Frage nach Anschlussfinanzierung und Investierbarkeit in den Vordergrund. Daneben bleibt die Ausrichtung auf Bildung und Gesellschaft entscheidend, weil sie langfristig Talentpools und Gründerkultur beeinflusst. Ob sich daraus für die nächsten drei Jahre konkrete Programme ableiten lassen, hängt jedoch nicht nur von den Schwerpunkten ab, sondern auch davon, wie der Scale-up-Dachfonds ausgestaltet und wie schnell privates Kapital tatsächlich in größere Wachstumsrunden fließt.
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