LONDON (IT BOLTWISE) – Die Immobilienabteilung von Gibson Dunn ist in den vergangenen zwei Jahren um 30 Prozent gewachsen und beschäftigt inzwischen mehr als 200 Anwälte. Besonders in London stieg die Zahl von sechs auf 21. Im Jahr 2025 begleitete die Kanzlei laut eigenen Angaben über 225 Rechenzentrum-Transaktionen und erreichte ein Immobilien-Geschäftsvolumen von 462 Millionen US-Dollar. Für 2026 erwartet die Abteilungsleitung einen Zuwachs auf „weit über 500 Millionen $“.

Das Wachstum der Immobilienpraxis von Gibson Dunn wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Personal- und Kanzlei-Story. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Expansion an konkrete Transaktionstypen gekoppelt ist: große, mehrphasige Deals mit vielen Beteiligten und entsprechend hoher juristischer Detailtiefe. Laut den Angaben der Kanzlei wuchs die Gruppe in den letzten zwei Jahren um 30 Prozent. Damit sind heute über 200 Anwälte in 17 von 23 weltweiten Büros aktiv, darunter New York, Washington, D.C., Los Angeles, San Francisco und London. Gerade London sticht heraus: Dort stieg die Zahl der Anwälte von sechs im Jahr 2021 auf 21.
Diese Geografie ist nicht zufällig, weil Immobiliengeschäfte selten nur lokal funktionieren. Safe Harbor Marinas, der größte Anbieter von Marinas und Superyacht-Services in den USA, wurde im April 2025 durch Blackstone von Sun Communities für 5,65 Milliarden $ übernommen. Gleichzeitig entstand ein Joint Venture zwischen Related Companies und Oxford Properties Group für die Entwicklung von 70 Hudson Yards mit 1,385 Millionen Quadratfuß Fläche, das als neuer US-Hauptsitz für Deloitte dienen wird. Auch die Rekapitalisierung von drei Bürostransaktionen in New York City durch RXR für 540 Millionen $ unterstreicht, dass die Praxis nicht auf einen einzelnen Asset-Typ reduziert ist, sondern Kapitalstrukturen und Eigentümerwechsel über unterschiedliche Immobiliensegmente hinweg abdeckt.
Technisch-juristisch betrachtet liegt ein Kern der Differenzierung offenbar in der Kombination aus Transaktionsrecht und Entwicklungslogik. Jesse Sharf, Partner und Co-Vorsitzender der Abteilung, ordnet die Marktrollen klar ein: Die wichtigsten Mandanten seien institutionelle Investoren, dicht gefolgt von Kreditgebern sowie Betreibern beziehungsweise Entwicklern. Seiner Darstellung zufolge unterscheidet Gibson Dunn Wettbewerber dadurch, dass die Kanzlei komplizierte Konstellationen nicht nur „juristisch“ begleitet, sondern mit einer Entwicklungsfunktion verbunden bleibt – etwa durch Joint Ventures, Fondsbildung und M&A. Für Kreditgeber und Eigenkapitalinvestoren ist das relevant, weil Verträge in der Praxis nicht nur Bedingungen und Risiken regeln, sondern auch die spätere Umsetzbarkeit von Projekten entlang der Finanzierungstakte sicherstellen müssen.
Auch die interne Expertise-Schichtung folgt dieser Logik. Laut Sharfs Einschätzung verfügt die Immobilienabteilung über die tiefste juristische Expertise im Bereich Gewerbeimmobilien, während viele andere Kanzleien zwar sehr stark bei der Vertretung von Nutzern und Entwicklern seien, aber weniger bei Kreditgebern und erst recht seltener bei Eigenkapitalinvestoren. Interessant ist zudem die Erklärung zur zyklischen Bewegung des Geschäfts: Wenn Verkaufsaktivitäten zurückgehen, verlagert sich der Fokus typischerweise auf Refinanzierungen und damit auf das Kreditgeschäft. Sharf argumentiert, dass Unternehmen bei Fälligkeit bestehender Darlehen refinanzieren müssten und sich dadurch die Priorität spürbar in Richtung Finanzierung verschiebt. Gleichzeitig bleibt er dabei: Das Geschäft sei zyklisch, sodass sich die Schwerpunkte bei Produkttypen innerhalb von zwei Jahren wieder verschieben können.
Ein besonders prominenter Wachstumsbereich ist laut den Angaben der Kanzlei die Beratung rund um Rechenzentren. Sharf beschreibt diese als Infrastrukturform, die im Immobilienbereich verankert sei, weil sie eine physische Einrichtung mit Energieanbindung darstellt. Genau hier wird der technische Unterbau zum juristischen Hebel: Rechenzentren verlangen die Verknüpfung mehrerer Disziplinen, darunter Energie, Entwicklung, Landnutzung, Genehmigungen, Finanzierung und Leasing. Feuerstein, ebenfalls Partner und seit 2014 Co-Vorsitzender der Abteilung mit Sharf, ergänzt diese Sicht um Steuer- und Rechtsstreitigkeiten. Bei Multimilliarden-Dollar-Transaktionen seien alle genannten Disziplinen gleichzeitig gefordert – ein Kontext, in dem Kanzleien mit klarer Cross-Disziplin-Organisation typischerweise im Vorteil sind, weil die Verhandlungspfade zwischen Projektentwicklung, Finanzierung und Betrieb nicht auseinanderlaufen dürfen.
Der Zahlenrahmen zeigt, warum die Rechenzentrumspraxis einen eigenen Investitions- und Rekrutierungszyklus auslöst. Im Jahr 2025 schloss Gibson Dunn mehr als 225 Transaktionen im Bereich Rechenzentren ab, darunter die Beratung bei einem 16 Milliarden $ Joint Venture zwischen Blackstone und Related Digital. Insgesamt erwirtschaftete die Immobilienabteilung 2025 ein Geschäftsvolumen von 462 Millionen $. Sharf schätzt, dass dieser Wert in diesem Jahr auf „weit über 500 Millionen $“ steigen werde. Solche Wachstumsraten lassen sich organisatorisch meist nur halten, wenn die Kanzlei nicht nur Personal nachschiebt, sondern Spezialisierungen entlang der Projektphasen verstärkt.
Genau dafür spricht die Reihe der Neueinstellungen, die die Kanzlei im Kontext der Strategie nennt. Sharf hebt die Einstellung von Emily Naughton hervor, die im Dezember 2024 zu Gibson Dunn kam und als führende Anwältin für Rechenzentren-Leasing im Land eingeordnet wird. Daneben wurde auch Tory Lauterbach eingestellt, ein führender Energie-Regulierungsanwalt. Feuerstein führt das auf den Bedarf an Spezialwissen zurück: Wer Rechenzentren entwickeln und finanzieren will, benötigt nicht nur ein Verständnis für Grundstück und Vertragsrecht, sondern auch für Energie- und Einnahmeströme, weil Netzanschluss, regulatorische Rahmenbedingungen und die wirtschaftliche Auslegung des Projekts eng zusammenhängen. Damit entsteht ein Spannungsfeld, in dem juristische Präzision und operative Umsetzbarkeit zusammenwirken.
In der Marktwirkung bedeutet das: Immobilienrecht verschiebt sich zunehmend von reinem Vertrags- und Eigentumsmanagement hin zu einer Schnittstellenrolle zwischen Infrastruktur, Energie und Kapitalmärkten. Für Mandanten ist das vor allem dann wertvoll, wenn Projekte mehrere Jahrgänge umfassen und sich Annahmen anpassen müssen, etwa bei Finanzierungstakten, Genehmigungsständen oder Betreiberstrukturen. Gleichzeitig bleibt der Blick auf die nächsten Schritte pragmatisch: Der Zyklus kann Schwerpunkte innerhalb kurzer Zeit drehen, aber die zugrunde liegende Infrastruktur- und Kapitallogik bleibt. Wenn Gibson Dunn die Rechenzentrumskompetenz ausbaut und parallel das Kredit- und Refinanzierungsgeschäft stärkt, passt das Bild zu einer Kanzlei, die Wachstum nicht nur über mehr Volumen, sondern über breitere Spezialisierung in komplexen Transaktionspfaden adressiert.
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