LONDON (IT BOLTWISE) – Invitation Homes-CEO Dallas Tanner erwartet, dass das im Juli in Kraft getretene Verbot für Investoren mit mehr als 350 Bestandswohnungen die Kaufpreise für bestehende Einfamilienhäuser mittelfristig senken kann. Kurzfristig hält er den Effekt jedoch für begrenzt, weil Faktoren wie volatile Hypothekenzinsen, hohe Baukosten sowie Zoning- und Regulierungsgefälle überwiegen. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Neubauten für den Mietmarkt und hat hierfür in den vergangenen fünf Jahren mehr als 6.000 Häuser gebaut oder über Partnerschaften übernommen. Auch eine Portfolio-Umstellung spielt hinein, da Invitation Homes laut Aussagen bereits ältere Mietobjekte abgibt.

Invitation Homes gehört zu den größten Akteuren im US-Markt für Einfamilienhaus-Mietobjekte. In diesem Kontext ordnet CEO Dallas Tanner die jüngst beschlossene Gesetzeslage ein, die institutionelle Käufer wie ihn für den Erwerb bestehender Einfamilienhäuser am Markt einschränkt. Das Verbot, das im Juli rechtskräftig wurde, soll Investoren mit mehr als 350 gehaltenen Häusern den weiteren Zukauf bestehender Einheiten untersagen. Tanner sagt dabei klar, dass die Preiswirkung nicht von heute auf morgen kommt, sondern erst über einen längeren Zeitraum entstehen dürfte.
Als Grund nennt er vor allem die fehlende unmittelbare Kopplung zwischen einem Anlageverbot und dem Tagesgeschehen am Immobilienmarkt. Die Kreditseite, also insbesondere die Volatilität der Hypothekenzinsen, könne die Nachfrage weiterhin stark beeinflussen. Daneben schlagen nach seiner Darstellung die hohen Baukosten durch, weil sie die Neubauaktivität begrenzen oder zumindest verteuern. Zusätzlich sieht er strukturelle Verzerrungen bei der Flächenplanung und den regulatorischen Rahmenbedingungen: Zoning und regulatorische Ungleichgewichte könnten den Weg neuer Angebote in den Markt ausbremsen, auch wenn das Gesetz Investoren beim Bestandskauf bremst.
Dass Tanner dennoch einen Effekt für möglich hält, liegt für ihn in der mittleren bis langen Frist vor allem an zwei Stellschrauben: Entlastung durch Deregulierung in Teilen des Gesetzespakets sowie die Frage, wie Kapital künftig einfacher in Wohnraum fließen kann. Er argumentiert dabei weniger mit einer isolierten Maßnahme „nur“ gegen Investorenkäufe, sondern mit dem Zusammenspiel mehrerer Regelungen. Gerade diese Mehrschichtigkeit erschwert seiner Einschätzung nach eine kurzfristige Prognose, weil die Marktreaktion nicht nur davon abhängt, wer Häuser kaufen darf, sondern auch davon, wie schnell zusätzliches Angebot überhaupt gebaut oder genehmigt werden kann.
Konkreter wird Invitation Homes beim Thema Angebotsaufbau. Das Unternehmen setzt laut seinen Aussagen gezielt auf neu gebaute Häuser für den Mietmarkt. In den vergangenen fünf Jahren habe man in Partnerschaften mit Bauunternehmen mehr als 6.000 neue Häuser gebaut oder übernommen. Diese Strategie passt zu der Ausnahme im Gesetz: Investoren, die mehr als 350 Bestandsobjekte halten, dürfen zwar keine weiteren bestehenden Einheiten kaufen, können jedoch neue Einfamilienhäuser erwerben, die ausdrücklich für den Mietbetrieb errichtet wurden. Für operative Umsetzung ist das entscheidend, weil es die klassische „Bestand drehen“-Logik durch eine „Neubau liefern“-Logik ersetzt.
Um diese Neubau-Schiene zu beschleunigen, hat Invitation Homes nach eigenen Angaben auch entlang der Wertschöpfung investiert. Kurz nach dem öffentlichen Vorstoß von Präsident Donald Trump, der Anfang Januar einen generellen Ausschluss großer Investoren aus dem Erwerb von Einfamilienhäusern für die Vermietung forderte, kaufte Invitation Homes einen Bauentwickler namens ResiBuilt. Zusätzlich wurden nach Darstellung des Unternehmens Häuser von großen öffentlichen Bauunternehmen wie Pulte Homes und Lennar übernommen, um sie als Mietobjekte zu nutzen. Im gleichen Atemzug deutet Tanner an, dass es parallel zu dieser Neuausrichtung auch Verkaufsaktivitäten gibt: Das Unternehmen habe hunderte ältere Mietimmobilien abgestoßen.
Für die Marktwirkung spielt zudem die Konzentration der größten Player eine Rolle. Der Text verweist darauf, dass Investoren mit mehr als 1.000 Häusern zwar weniger als 3% am gesamten Markt für Einfamilienhaus-Mietobjekte ausmachen, jedoch in einzelnen Metropolregionen einen überproportionalen Einfluss besitzen. Genannt werden Anteile von 25% in Atlanta, 21% in Jacksonville und 18% in Charlotte. Genau dort könnte ein Kaufstopp für bestehende Einheiten spürbarer sein, während sich die nationale Preisentwicklung stärker an den gesamtwirtschaftlichen Treibern orientiert – also an Finanzierungskosten, Baupreisen und Genehmigungsdynamik.
Auf Unternehmensseite beschreibt Tanner außerdem einen laufenden Stimmungswechsel bei den Fundamentaldaten. Invitation Homes habe zum Ende des Julis Ergebnisse gemeldet, die besser ausgefallen seien als erwartet, auch wenn Mieten und Nachfrage laut seiner Einordnung nicht mehr so robust seien wie in den ersten Jahren nach Beginn der Pandemie. Im Rahmen der letzten Ergebnisrunde habe man von einem „Reset“ bei den Fundamentaldaten gesprochen und nun in mehreren Märkten erste positive Signale („green shoots“) gesehen. Damit verknüpft er die Frage, wie man in diesem Übergang navigieren und was diese Signale für die weitere Entwicklung bedeuten könnten.
Für Entscheider im Immobilien- und Finanzierungsumfeld ist damit vor allem zweierlei sichtbar: Erstens wird die Preisdebatte im Einfamiliensegment nicht allein durch Investorendruck entschieden, sondern durch die Geschwindigkeit, mit der neues Angebot entstehen kann. Zweitens verlagert sich der strategische Hebel vieler großer Vermieter von Bestandskäufen hin zu Neubau-Partnerschaften und Portfolio-Umstellungen. Ob der gesetzliche Rahmen die versprochene Entspannung bringt, entscheidet sich daher weniger an der formalen Regelung selbst, sondern an der praktischen Pipeline für Neubauten, an der Zinsentwicklung und daran, wie stark lokale Genehmigungs- und Bauhürden tatsächlich abgebaut werden.
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