NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Exasol meldet für das erste Halbjahr 2026 eine gemischte Entwicklung: Bestandskunden halten Investitionen zurück, während gleichzeitig elf Neukunden gewonnen wurden. Der ARR lag zum 30. Juni 2026 bei 37,9 Mio. Euro, der ARR-Churn sank gegenüber Ende 2025 planmäßig auf unter die Hälfte. Für 2026 passt der Vorstand die Prognose an und erwartet eine ARR-Spanne von -2 % bis +2 % sowie ein EBITDA von 3,0 bis 3,5 Mio. Euro. Im Fokus stehen Datensouveränität und agentische KI-Workloads auf On-Premises- und hybriden Umgebungen.

Exasol beginnt das Jahr 2026 mit einer klaren Botschaft aus dem Markt: Bei Bestandskunden dominiert Investitionszurückhaltung, obwohl gleichzeitig das Thema agentische KI immer mehr Aufmerksamkeit in Richtung Datenplattformen zieht. Das Unternehmen nennt für das erste Halbjahr unter anderem verzögerte Erweiterungsinvestitionen in bestehende stationäre Datenbankinfrastrukturen sowie eine angespannte Konjunkturlage in seinen Kernmärkten. Zusätzlich bremst der verzögerte Vertriebsstart einer gemeinsamen Lösung mit einem strategischen Kooperationspartner, weil technische Integrationsarbeiten länger gedauert haben als geplant.
Finanziell zeigt sich der Spagat zwischen zurückhaltendem Bestandsgeschäft und neuer Dynamik über Zuwächse bei Neukunden. Exasol berichtet, im ersten Halbjahr elf neue Kunden gewonnen zu haben, während der ARR zum 30. Juni 2026 bei 37,9 Mio. Euro lag (30. Juni 2025: 38,1 Mio. Euro). Der zentrale Hebel im Umsatzmix blieb dabei die erwartungsgemäß niedrigere Dynamik bei der Ausweitung existierender Lizenzen: Die niedrigeren Ausgaben für neue On-Premises-Infrastrukturen führt das Unternehmen unter anderem auf die seit Jahresbeginn stark gestiegenen Hardwarepreise zurück.
Bei der Kundenbindung kommt jedoch Bewegung in die Kennzahlen: Der ARR-Churn ging deutlich zurück. Exasol beziffert das Volumen von Vertragskündigungen und -anpassungen in den ersten sechs Monaten 2026 auf 1,9 Mio. Euro, nach 8,1 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Auch die ARR-Kündigungsquote (auf den Zwölfmonatszeitraum „12-months rolling churn-rate“ berechnet) sank zum 30. Juni 2026 auf 10 % (31. Dezember 2025: 24 %). In Summe erwartet der Vorstand, dass der ARR-Churn gegenüber 2025 mehr als halbiert werden kann – ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Investitionszurückhaltung nicht automatisch in massiven Abwanderungen endet.
Die Ergebnis- und Umsatzentwicklung liefert zugleich die Erklärung, warum sich diese Entspannung bislang nicht vollständig im Gesamtbild niederschlägt. Exasol nennt für die ersten sechs Monate 2026 einen Umsatzrückgang um 11,6 % auf 19,0 Mio. Euro (H1 2025: 21,5 Mio. Euro). Der Rückgang sei im Wesentlichen auf weniger einmalige Umsätze mit Hardware und Services zurückzuführen: Hardware- und Serviceumsätze lagen in H1 2026 bei 0,1 Mio. Euro nach 2,9 Mio. Euro in H1 2025; die wiederkehrenden Erlöse stiegen dagegen leicht auf 18,9 Mio. Euro (H1 2025: 18,6 Mio. Euro). Beim EBITDA weist das Unternehmen 1,6 Mio. Euro aus, nach 2,0 Mio. Euro im Vorjahr; als maßgeblicher Grund wird der Einmaleffekt aus den genannten Hardware- und Serviceerlösen benannt.
Technisch und strategisch verknüpft Exasol die gute Nachricht im Neukundengeschäft mit einem konkreten Architekturversprechen: Datensouveränität soll für Organisationen mit hohen Anforderungen an Datenhoheit, Sicherheit und Compliance die Voraussetzung schaffen, damit agentische KI belastbare Analysen und Entscheidungen unterstützen kann. Agentische KI benötigt dafür einen schnellen, kontrollierten Zugang zu strukturierten und kontextualisierten Daten. Exasol beschreibt, dass es Daten integriert und transformiert, um sie für analytische Workloads in einer leistungsfähigen Analyseumgebung nutzbar zu machen – damit KI-Agenten große Unternehmensdaten schneller und verlässlicher auswerten können, ohne die Kontrolle über Datenverarbeitung und Governance aus der Hand zu geben.
„Agentische KI ist für uns nicht nur ein Zukunftsthema. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung steigen Datenvolumina und Abfragevolumina erheblich – und damit die Anforderungen an Performance, Skalierbarkeit und Datensouveränität. Genau hierfür ist unsere Analytics-Datenbank ausgelegt. Eine leistungsfähige und souveräne Datenbasis ist entscheidend dafür, dass KI-Agenten zuverlässig Mehrwert schaffen. Diese strategische Ausrichtung stärkt unsere Positionierung im anziehenden Neukundengeschäft im ersten Halbjahr 2026.“ So ordnet Jörg Tewes, CEO von Exasol, die Entwicklung ein. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen realistisch: Das Neugeschäft und die Reduktion des ARR-Churn konnten die geringere Dynamik im Bestandskundengeschäft im ersten Halbjahr nicht kompensieren – und es sei aus heutiger Sicht nicht davon auszugehen, dass sich dieser Effekt bis Jahresende ausreichend abschwächt, um die bisher gesteckten Wachstumsziele zu halten.
Vor diesem Hintergrund passt der Vorstand die Prognose für 2026 an. Gegenüber dem ARR von 38,4 Mio. Euro zum Ende 2025 erwartet Exasol nun eine Veränderung zwischen -2 % und +2 % bis Ende 2026 (bisher: Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich). Beim Umsatz geht das Unternehmen von einem Rückgang im oberen einstelligen Prozentbereich aus (bisher: Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich). Beim EBITDA nennt Exasol eine Bandbreite von 3,0 Mio. Euro bis 3,5 Mio. Euro, nach bisher 3 Mio. Euro bis 4 Mio. Euro. Für den Markt dürfte dabei vor allem spannend sein, wie sich das Zusammenspiel aus Datensouveränität, agentischen KI-Workloads und Hardwarepreis-Dynamik in den nächsten Quartalen konkret auswirkt; Exasol will die Entwicklung im Rahmen eines Webcasts am 19. August detailliert erläutern und beim Kapitalmarkttag am 15. Oktober konkrete Einsatzszenarien zeigen.
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