NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Exasol passt die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 an und erwartet beim Annual Recurring Revenue (ARR) nur noch eine Veränderung zwischen -2 % und +2 %. Beim Umsatz geht das Unternehmen nun von einem Rückgang im oberen einstelligen Prozentbereich aus. Das EBITDA soll sich im Korridor von 3,0 bis 3,5 Mio. Euro bewegen. Als Haupttreiber nennt Exasol eine geringere Dynamik bei der Ausweitung bestehender Kundenbeziehungen sowie verzögerte technische Integrationsarbeiten bei einer gemeinsamen Lösung.

Die Exasol AG hat die Erwartungen für 2026 nach unten und gleichzeitig stärker bandbreitenorientiert justiert. Der Vorstand rechnet nun beim Annual Recurring Revenue (ARR) mit einer Veränderung zwischen -2 % und +2 % gegenüber 2025. Zuvor hatte das Unternehmen noch ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Diese Verschiebung ist für Investoren vor allem deshalb relevant, weil ARR typischerweise die wiederkehrende Umsatzbasis widerspiegelt und damit die Planbarkeit für Cloud- und On-Premise-nahe Geschäftsmodelle stützt. Parallel dazu erwartet Exasol beim Umsatz einen Rückgang im oberen einstelligen Prozentbereich, statt wie zuvor einen Rückgang im mittleren einstelligen Bereich.
Finanziell konkretisiert Exasol die neue Zielspanne beim Ergebnis: Für das EBITDA nennt der Vorstand eine Bandbreite von 3,0 Mio. bis 3,5 Mio. Euro (zuvor: 3,0 Mio. bis 4,0 Mio. Euro). Damit bleibt die Ergebnisspanne zwar grundsätzlich positiv, aber die Unterkante sinkt nicht, während die Oberkante enger und damit konservativer ausfällt. Aus Sicht der operativen Steuerung wirkt das wie eine Kombination aus Kostenkontrolle und der vorsichtigen Annahme, dass die Umsatzhebel (insbesondere Expansion bei bestehenden Kunden) in der zweiten Jahreshälfte nicht die frühere Dynamik erreichen. Dazu passt, dass Exasol als maßgeblichen Grund eine geringere Ausweitung bestehender Kundenbeziehungen nennt.
Technisch und geschäftsseitig führt das Unternehmen die Anpassung auf die reduzierte Investitionsbereitschaft von Bestandskunden in neue On-Premise-Infrastruktur zurück. Als Kontext nennt Exasol gestiegene Hardwarebeschaffungskosten und ein angespanntes gesamtwirtschaftliches Umfeld in den Kernmärkten. Das ist mehr als nur ein „Budget-Delay“: Bei On-Premise-Projekten hängen Rollouts häufig an konkreten Budgetzyklen, Kapazitätsplanungen der IT-Abteilungen und an der Verfügbarkeit von Rechenzentrumskapazitäten. Wenn Hardware teurer wird, verschiebt sich nicht selten der Zeitpunkt, an dem zusätzliche Umgebungen aufgebaut oder bestehende Plattformen erweitert werden. Exasol verweist außerdem darauf, dass der Vertriebsstart einer gemeinsamen Lösung mit einem strategischen Kooperationspartner langsamer verlief als erwartet, weil technische Integrationsarbeiten verzögert waren.
Interessant ist dabei der Blick darauf, wie Exasol versucht, das Geschäft dennoch zu stützen: Die strategische Ausrichtung auf Datensouveränität und agentische KI habe die positive Entwicklung im Neukundengeschäft im ersten Halbjahr 2026 unterstützt. Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen in Bereichen wettbewerbsfähig bleibt, in denen Unternehmen KI-Workloads nicht (oder nicht vollständig) in öffentliche Cloud-Umgebungen verlagern möchten. Gleichzeitig betont Exasol, dass dieser Rückenwind die deutlich geringere Dynamik bei der Expansion bestehender Kundenbeziehungen nicht kompensieren konnte. Diese Gegenläufigkeit ist typisch für viele Enterprise-Software-Modelle: Neukunden wachsen oft schneller, während Upselling in etablierten Konten besonders stark von Investitionszyklen der Kunden abhängt.
Die vorläufigen Kennzahlen liefern dafür eine Datengrundlage. Zum 30. Juni 2026 lag der ARR bei 37,9 Mio. Euro, nach 38,1 Mio. Euro zum 30. Juni 2025. Im ersten Halbjahr 2026 beliefen sich die Umsatzerlöse auf 19,0 Mio. Euro (H1 2025: 21,5 Mio.). Die wiederkehrenden Erlöse lagen bei 18,9 Mio. Euro gegenüber 18,6 Mio. Euro im Vorjahreshälftevergleich. Das EBITDA betrug 1,6 Mio. Euro nach 2,0 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2025. Für die Interpretation ist die Kombination aus leichtem ARR-Rückgang und deutlich niedrigeren Umsatzerlösen zentral: Sie spricht dafür, dass nicht nur die wiederkehrende Basis schwankte, sondern dass der gesamte Umsatzmix im Halbjahr hinter den Erwartungen zurückblieb.
Im Marktumfeld ist das Timing der Prognaturanpassung ebenfalls ein Signal. Exasol positioniert sich in einem Segment, in dem Datenplattformen, analytische Verarbeitung und KI-Nähe zunehmend zusammenlaufen – während gleichzeitig Budgets für neue Infrastrukturen unter Druck geraten, sobald Hardwarekosten steigen oder Projekte aufgrund interner Abnahmetests länger dauern. Wenn Integrationsarbeiten bei gemeinsamen Lösungen langsamer laufen, wirkt das in der Regel direkt auf die Vertriebspipeline: Technische Voraussetzungen bestimmen, wann Angebote in produktive Umgebungen überführt werden können. Für Unternehmen, die Exasol einsetzen oder evaluieren, bedeutet das konkret, dass sie bei Rollout-Plänen vermehrt auf Integrationspfade, Abnahmefenster und Abhängigkeiten in der Zielarchitektur achten müssen – gerade, wenn Datensouveränität und agentische KI als Anforderungen gleichzeitig hoch priorisiert werden.
Für die weitere Entwicklung bleibt entscheidend, ob Exasol die vorhandene On-Premise- und Datensouveränitäts-Strategie im zweiten Halbjahr so in Umsatz umsetzt, dass sie die Bremswirkung bei Bestandskunden wieder ausgleicht. Operativ wäre dafür weniger ein einzelner großer Abschluss nötig als eine gleichmäßigere Dynamik über mehrere Accounts hinweg, weil genau diese Ausweitung bestehender Kundenbeziehungen die bisherige Prognose gestützt hätte. Gleichzeitig zeigt die engere EBITDA-Bandbreite, dass Exasol auch im Kosten- und Ressourcenmanagement konservativer plant. Welche Hebel dafür genutzt werden, wird sich erst in den nächsten Zwischenberichten zeigen – für Stakeholder ist die aktuelle Anpassung jedoch bereits eine klare Priorisierung: Planbarkeit von wiederkehrenden Strömen vor aggressivem Wachstum.
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