LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Fünf Keramikmarken zeigen, wie stark sich moderner Tischstil heute unterscheiden kann. Onomao verbindet portugiesische Handarbeit mit eigener Form- und Glasurentwicklung in Köln, während Serax mit Kollaborationen bis in die Sternegastronomie wirkt. Hay setzt auf dänischen Purismus, Ferm Living macht aus Designgeschichte gelebte Keramik-Ästhetik und Bitossi Home bringt eine italienische Manufakturtradition auf den Esstisch. Der gemeinsame Nenner: klare Identitäten statt Einheitslook – und echte Handwerksdetails, die man beim Nutzen spürt.

Mix-&-Match-Keramik: Onomao, Serax, Hay, Ferm Living und Bitossi Home im Fokus
Mix-&-Match-Keramik: Onomao, Serax, Hay, Ferm Living und Bitossi Home im Fokus (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer „Keramik“ sagt, meint im Kopf oft die eine Bildwelt: handgetöpferte Schalen, erdige Farbtöne und eine rustikale Atmosphäre, die eher nach Sommerurlaub als nach Alltag aussieht. Die fünf Marken in dieser Auswahl drehen das Bild allerdings deutlich weiter. Statt nur „schön“ zu sein, erzählen Onomao, Serax, Hay, Ferm Living und Bitossi Home davon, wie Material, Formgebung und Produktionswege heute die Designsprache prägen. Das Entscheidende dabei: Diese Keramik ist weniger ein Style-Trend als eine Arbeitsweise – vom Rohstoff über die Glasur bis zum letzten Finish, das sich zwischen glatt, unperfekt und skulptural bewegt. Genau diese Bandbreite erklärt auch, warum ein Mix & Match aus einzelnen Herstellern längst funktioniert, ohne dass der Tisch beliebig wird.

Mit Onomao startet die Liste an der Schnittstelle zwischen klassischer Produktion und eigenem Designprozess. Die beiden Kölner Brüder Arthur und Felix Wystrychowski sind nach Angaben der Markenstory seit ihrer Kindheit stark mit Portugal und dem Surfen verbunden und haben 2018 gezielt nach Manufakturen gesucht, die noch klassisch auf der Töpferscheibe arbeiten. Gefunden haben sie einen Familienbetrieb im Norden Portugals, mit dem sie bis heute eng zusammenarbeiten. Spannend ist dabei das Modell aus Verantwortungskette und Designkontrolle: Formen und Glasuren entwickelt Onomao selbst in Köln, produziert wird ausschließlich in Portugal – mit regionalem Steinzeug und Terrakotta, fair bezahlt und plastikfrei verpackt. Für den Look heißt das: erdige Töne, sanft gewellte Ränder und Geschirr, das bewusst nach „eingespieltem Zuhause“ aussieht, nicht nach industriell perfekter Gleichförmigkeit. Dass die Marke zudem auch Keramik für eine eigene SCHÖNER WOHNEN-Kollektion produziert, zeigt, wie stark die Designidee in den Mainstream transferierbar ist – ohne ihre handwerkliche Herkunft zu verlieren.

Serax dagegen nimmt den Weg über Kollaborationen und Designgeschichte, nicht über den klassischen Manufaktur-Mythos. Die Marke geht auf die Gründung in Antwerpen zurück, und schon der Ursprung wird in der Darstellung als bodenständig beschrieben: vom Blumentopf-Handel geprägt, sollte Serax Alltagsgegenstände mit puristischem Design aufwerten. Der große Schub wird für 2009 verortet, als die Keramikkünstlerin Roos van de Velde die Kollektion „Perfect Imperfection“ entwarf. Genau dieser Titel wirkt wie ein technisches Prinzip, nicht nur wie ein ästhetisches Versprechen: Serax adressiert die Spannung zwischen gezielter Gestaltung und bewusst nicht vollständig „glatter“ Ausführung. Danach zieht sich ein Netz aus Designerpartnerschaften durch die Produktwelt – etwa über kreative Linien, die von Sterneköch: innen mitentwickelt werden, bis hin zu Kooperationen mit bekannten Namen aus der Designszene. Für Nutzer: innen macht das vor allem einen Unterschied: Auf dem Tisch stehen nicht nur Vasen oder Porzellan-Serien, sondern eigenständige Handschriften, die sich in Materialwirkung, Oberflächencharakter und Formlogik unterscheiden. Serax beweist damit, dass eine Marke nicht nur „einen Look“ liefern muss, sondern verschiedene Stile unter einem Qualitäts- und Gestaltungsrahmen verbinden kann.

Die nächste Kurve führt zu Hay, wo der Fokus klar auf dänischem Purismus liegt – und damit auf einer ganz anderen Logik als bei „unperfekter“ Keramik. Hay entstand 2002 aus dem Umfeld eines Ehepaars, das sich beim gemeinsamen Arbeitgeber Gubi kennengelernt hatte. Schon die Grundidee wird als demokratisches Design formuliert: Gutes skandinavisches Design nicht als Luxusgut, sondern alltagstauglich und bezahlbar zu denken. Bei Keramik zeigt sich dieser Ansatz in klaren Formen, fröhlichen Farben und in der Strategie, internationale Kreative einzubinden, statt alles intern zu „glätten“. Die Kollektion „Barro“ wird mit dem portugiesischen Designer Rui Pereira verbunden, der sich mit dem roten Ton seiner Heimat auskennt; die Serie „Sobremesa“ wiederum geht auf die Zusammenarbeit mit der New Yorker Künstlerin Laila Gohar zurück. Der Effekt auf die Tischgestaltung ist spürbar: Während der rustikale Look Unregelmäßigkeiten zelebriert, arbeitet Hay mit Reduktion und grafischer Klarheit – fast industriell gedacht, aber mit einer Wärme, die im täglichen Gebrauch nicht kalt wirkt. Genau deshalb eignet sich Hay besonders für Mix-&-Match-Setups, weil die Stücke als „ruhige Achse“ funktionieren, wenn andere Marken stärker skulptural oder handwerklich ausgeprägt sind.

Ferm Living nimmt anschließend den Umweg über eine andere Materialwelt: Textil- und Tapetenästhetik, die in Keramik übersetzt wird. In der Markenstory beginnt es mit einer ungewöhnlichen Ausgangslage – einer erfolglosen Suche nach passenden Tapeten, die Trine Andersen damals in Kopenhagen für ihr neues Zuhause nicht fand. Ergebnis: Sie entwarf 2006 ihre eigene Tapetenlinie und stellte sie auf der dänischen Messe Formland vor. Aus zehn Tapetendesigns wurde in der Darstellung ein „Interior-Imperium“ mit mittlerweile weit über 30 Kollektionen. Für den Keramikteil bedeutet das mehr als eine bloße Themenübernahme: Ferm Living verbindet organisch geformte Vasen, gesprenkeltes Geschirr und Schalen in erdigen, aber leicht auffälligen Farbtönen zu einer wiedererkennbaren Markenunruhe. Dänische Zurückhaltung trifft auf einen grafischen, fast retro-verspielten Twist. Dass in der Redaktion „Flow“-Teller und die „Plait“-Schale zu Lieblingen wurden, ist dabei eher ein Hinweis auf das Nutzungsszenario als auf einen einzelnen Trend: Keramik wird hier als Alltagsobjekt verstanden, das visuell Spannung liefert, ohne den Tisch zu überfrachten. Technisch betrachtet steckt in dieser Strategie auch eine Form der Portfolioplanung: Unterschiedliche Oberflächen (gesprenkelt, organisch, geflochten wirkend) schaffen Abwechslung bei gleichbleibendem Design-Vokabular.

Den Abschluss bildet Bitossi Home – das Schwergewicht der Keramikgeschichte, mit einer Tradition, die deutlich länger zurückreicht als die aktuellen Branding-Formate. Guido Bitossi gründete die Manufaktur im toskanischen Montelupo Fiorentino bereits 1921, während die Region selbst in der Darstellung seit dem 15. Jahrhundert als Töpfereizentrum beschrieben wird. In den 1950er-Jahren wird es dann konkreter: Kreativdirektor Aldo Londi entwarf die legendäre „Rimini Blu“-Serie und experimentierte gemeinsam mit dem Architekten Ettore Sottsass. Diese Klammer macht deutlich, dass Bitossi nicht nur Materialkompetenz, sondern auch Designkultur mitliefert. Die separate Marke Bitossi Home wurde 2007 gegründet und bringt die Tradition auf den Esstisch – mit verspielten Formen, satten Glasurfarben und dem „unverkennbar handgemachten Touch“. Für Käufer: innen und Interior-Planer: innen ist das relevant, weil solche Stücke oft als gestalterischer Anker dienen: Sie harmonieren mit minimalistischen Setups ebenso wie mit farbigen Tafelwelten, ohne beliebig zu wirken. Damit schließen sich die Kreise zur Ausgangsfrage: Nicht jeder Stil braucht dieselbe Herkunft, aber guter Mix & Match braucht eine klare Wiedererkennbarkeit.

Auch wenn die Quelle hier keine technische Vergleichsstudie liefert, lässt sich aus den beschriebenen Produktions- und Designwegen eine praktische Erkenntnis ableiten: Moderne Tischkeramik entsteht zunehmend als Kombination aus kontrollierter Gestaltung und bewusst variierender Ausführung. Onomao verteilt die Verantwortung zwischen Köln (Form und Glasur) und Portugal (Produktion), Serax kuratiert Designvielfalt über Kollaborationen und Hay macht Reduktion zum Alltagsthema. Ferm Living übersetzt Interior-DNA in Keramik, Bitossi Home zeigt, wie historische Manufakturkompetenz in ein zeitgemäßes Nutzungskonzept übersetzt werden kann. Für Unternehmen, die etwa in Retail, Gastgewerbe oder Interior-Projekten planen, heißt das: Es reicht nicht, „schöne“ Produkte einzukaufen. Entscheidend ist, wie konsistent die Markenlogik über Oberflächen, Kanten und Farbwahrnehmung funktioniert – und wie gut sich einzelne Serien im echten Mixed-Service-Setup ergänzen. Genau daran entscheidet sich, ob Keramik nur Deko ist oder zum wiederkehrenden Erlebnis auf dem Tisch wird.


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