BERNKASTEL-KUES / LONDON (IT BOLTWISE) – In Bernkastel-Kues hat ein selbstständiger Garten- und Pflasterbauer einen Bolzplatz auf eigene Initiative mit Kunstrasen aufwertet. Der bisherige Belag aus Sand und Schotter war für Kinder und Jugendliche deutlich weniger spielbar. Die Stadt trägt die Materialkosten in Höhe von 14.500 Euro, während das Verlegen kostenlos blieb. Für die Saison bedeutet das: mehr Trainingszeit, weniger Ausfall und ein Platz, der wieder Spaß macht.

Der Bolzplatz in der Friedrichstraße in Kues hatte lange einen Ruf, den man nicht unbedingt laut ausspricht: Er war da, aber er machte auf Dauer keinen Spaß. Genau diese Lücke hat in Bernkastel-Kues jetzt ein Handwerker geschlossen, indem er den Platz von einer eher staubigen, sandig-schottrigen Spielfläche auf Kunstrasen umgestellt hat. Seitdem wirkt der Betrieb spürbar intensiver, weil der Belag weniger wetterabhängig ist und sich auch nach Regen deutlich gleichmäßiger bespielen lässt. Dass das Ergebnis nicht nur funktional, sondern auch sichtbar besser ist, zeigt sich daran, dass die Umgestaltung inzwischen zum konkreten Gesprächsthema in der lokalen Jugendarbeit geworden ist.
Technisch betrachtet war die Arbeit dabei mehr als das Aufrollen eines Vlieses: Vor dem Verlegen musste der Untergrund aufwendig hergerichtet werden, damit der Kunstrasen dauerhaft gerade liegt und beim Spiel nicht nachgibt. Dafür kamen im Frühjahr zwei Bagger, ein Radlader und ein Lkw zum Einsatz. Solche Maschinen stehen für den Kern der Bauaufgabe, nämlich die Tragschicht und das Planum so vorzubereiten, dass Wasser ablaufen kann und die Oberfläche das Ballgefühl stabilisiert. Erst wenn diese Basis stimmt, lässt sich der Rasen wirklich so einbauen, dass er auch bei häufigem Lauf, abrupten Richtungswechseln und dem typischen Spielbetrieb von Jugendmannschaften seine Form behält.
Für die Stadt Bernkastel-Kues lag der finanzielle Hauptanteil bei den Materialien: Laut Angaben der Stadt kostete das Material 14.500 Euro. Das Verlegen übernahm Nek Alicku dagegen kostenlos, nachdem er sich mit Stadtbürgermeister Roman Bastgen abgestimmt hatte. Alicku begründet das Engagement mit persönlicher Rückkopplung: Er wollte „etwas zurückgeben“, weil die Stadt ihm viel gegeben habe. Diese Motivation bekommt in der Geschichte der Familie Alicku einen konkreten Hintergrund, denn Alicku ist vor 28 Jahren aus dem Kosovo geflüchtet, als dort Krieg herrschte, und hat sich in Bernkastel-Kues über viele Jahre beruflich und sozial etabliert. Nicht zufällig stammen auch frühere Projekte seines Unternehmens aus dem öffentlichen Raum, etwa beim Ausbau der Cusanusstraße und bei den Parkplätzen am Kueser Moselufer.
Aus Markt- und Kostenperspektive ist gerade der Vergleich interessant, den Alicku selbst liefert: Wäre eine Firma beauftragt worden, nennt er eine Größenordnung von etwa 80.000 Euro für das Verlegen. Diese Spanne wirkt in jedem Fall wie ein Weckruf für Entscheider, die solche Infrastrukturmaßnahmen kalkulieren müssen. Denn selbst wenn der genaue Preis stark von Umfang, Untergrundzustand, Material und Ausschreibung abhängt, zeigt der Unterschied zwischen „nur Material“ und „Material plus professionelle Bauleistung“, wie stark ehrenamtliche oder gemeinschaftliche Beiträge die Gesamtbilanz entlasten können. Für den laufenden Sportbetrieb heißt das im Alltag vor allem eins: Der Verein kann eher investieren, ohne dass gleichzeitig der nächste Baustein in den Haushalt gedrückt werden muss.
Damit der Kunstrasen nicht nur „fertig“ ist, sondern auch sofort Wirkung entfaltet, wurde die Neueröffnung gleich mit einem Turnier verknüpft. Christian Schneider, Mitglied des Stadtrats und beim Freizeitsportverein Viktoria Kues aktiv, berichtet, dass die Idee für die Veranstaltung im Austausch mit Stadtbürgermeister Bastgen entstand. Der Verein übernimmt dabei am Wochenende vom 15. und 16. August jeweils ab 13 Uhr auch die Bewirtung, und Schneider bindet den Ablauf selbst mit ein. Auf dem Spielplan stehen Partien für Jugendmannschaften wie U16 und U10, außerdem Damen- und Herrenbegegnungen aus mehreren Stadtteilen, darunter Bernkastel, Kues, Plateau, Wehlen und Andel. Ein Platz, der sich spielerisch verbessert, braucht genau so eine „erste Saison“ mit echter Nachfrage, damit er nicht schnell wieder zum Randthema wird.
Auch die Motivation im Hintergrund wirkt dabei nicht wie ein abstraktes Sozialprojekt, sondern wie ein gelebtes Netzwerk. Alicku beschreibt, dass er bei Bedarf gern zur Stelle ist – etwa an Grundschule und Kindergarten – und mehrere Jugendmannschaften mit Trikots ausgestattet hat. Seine drei Söhne Denis, Dion und Dior spielen jeweils in unterschiedlichen Teams, sodass die Familienebene und die Vereinswelt in der Praxis zusammenspielen. Diese Nähe erklärt, warum der Umbau bei aller Bauleistung nicht als isolierter Auftrag wirkt, sondern als Teil einer längeren Linie: Der Platz wird nicht nur saniert, sondern in eine Lebenswelt eingebettet, in der Jugendliche regelmäßig trainieren und sich messen können.
Für den Freizeitsport in der Region ist der Nutzen damit doppelt: Zum einen reduziert Kunstrasen den Aufwand bei wechselndem Wetter, weil ein Belag aus Sand und Schotter typischerweise schneller uneben wird und sich der Spielbetrieb häufiger anpassen muss. Zum anderen entsteht durch den neuen Belag eine Art „Planbarkeit“, die gerade bei Jugendteams zählt, die oft auch organisatorisch von Trainingsterminen abhängen. Die Geschichte passt außerdem in eine breitere Entwicklung, die man vielerorts in Kommunen beobachtet: Statt reine Flickarbeit in kurzen Abständen zu leisten, entstehen nachhaltigere Lösungen, wenn Untergrund, Belag und Vereinsorganisation zusammen gedacht werden. In Bernkastel-Kues ist genau dieses Zusammenspiel sichtbar – vom Erd- und Maschinenaufwand über die Materialfinanzierung bis zur Turnierwoche, die den neuen Bolzplatz direkt in den Alltag zurückholt.
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