BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die lange Trockenheit in Deutschland trifft die Ernte spürbar. Laut Deutschem Raiffeisenverband sind seit Mitte Juni rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren gegangen. Der Verband beziffert Einnahmeverluste von 600 Millionen Euro und erwartet bei der Getreideernte 40,6 Millionen Tonnen nach 45 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Trotz der Sorgen bei Transport und Wasserwegen sieht die Branche beim Endpreis von Backwaren derzeit keinen unmittelbaren Preisdruck.

Die Dürreperiode seit Mitte Juni zeigt in Deutschland inzwischen nicht nur Wetterbilder, sondern wirkt direkt in der Lieferkette der Landwirtschaft. Der Deutsche Raiffeisenverband beziffert den Schaden auf rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps, die in diesem Sommer verloren gegangen seien. Damit verbunden sieht der Verband Einnahmeverluste von 600 Millionen Euro, ein Betrag, der vor allem die wirtschaftliche Robustheit der Betriebe und der nachgelagerten Verarbeitung betrifft. Gerade in einem Umfeld, in dem viele Kostenpositionen bereits gestiegen sind, verschärft eine geringere Erntemenge den Handlungsdruck kurzfristig, weil Erträge nicht beliebig nachgeholt werden können.
Technisch betrachtet ist die Ernte nicht nur eine Frage der Feldarbeit, sondern auch eine Frage von Ertragsbildungsphasen: Wenn Trockenheit in kritischen Entwicklungsfenstern auftritt, sinken Tausendkorngewicht und Bestandesdichte häufig gleichzeitig. Der Verband nennt als Hintergrund, dass die günstige Witterung im Frühjahr größere Schäden verhindert habe. Unterm Strich bleibe es deshalb bei einer noch ausreichenden, aber unterdurchschnittlichen Ernte. Für die konkrete Erwartung nennt der Raiffeisenverband eine kleinere Getreideernte von 40,6 Millionen Tonnen nach 45 Millionen Tonnen im Jahr 2025, was eine sichtbare Abweichung gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Für Verbraucher und Handel ist vor allem die Frage relevant, ob sich die Ernteverluste rasch in den Preisen für Brot und Brötchen niederschlagen. Der Verband erwartet hierzu keinen starken Preissprung, weil der Anteil des Getreides am Endpreis von Backwaren im niedrigen Cent-Bereich liege. Diese Einordnung ist entscheidend, denn sie lenkt den Blick weg von der Rohstoffmenge als einzigem Preistreiber. Stattdessen stehen für die Preisentwicklung laut Verband vor allem Energie-, Lohn- und Bürokratiekosten im Vordergrund. In der Praxis heißt das: Selbst wenn die Ernte mengenmäßig zurückgeht, kann die Weitergabe an den Endpreis durch andere dominierende Kostentreiber gedämpft oder verzögert werden.
Parallel verschiebt sich jedoch das Risiko in Richtung Logistik, und hier spielt Niedrigwasser in den Binnengewässern eine zentrale Rolle. Der Raiffeisenverband sieht Probleme, weil Binnenschiffe auch Getreide transportieren; wenn Wasserstände fallen, werden Routen weniger leistungsfähig, Fahrzeiten verlängern sich oder Ladekapazitäten sinken. Der Verband betont aber auch, dass Logistik ein entscheidender Faktor ist und dass die aktuelle Planung nicht zwangsläufig an den ersten Engpässen scheitert: Für die Annahme von Getreide gebe es dank ausreichender Lagerkapazitäten keine akuten Probleme. Gleichzeitig bleibt das Folgeproblem real, nämlich das Weiterleiten der Ware, die Versorgung mit Futtermitteln sowie der Transport von Düngemitteln. Genau diese Kette entscheidet dann, ob die geringere Ernte kurzfristig „nur“ weniger Volumen liefert oder ob sich daraus zusätzliche Effekte für Futterkosten und nachgelagerte Produktionsschritte ergeben.
Für die Landwirtschaft und den Agrarhandel entsteht daraus ein doppeltes Lagebild: Einerseits stabilisieren Lager und Annahmekapazitäten kurzfristig die Übergänge zwischen Ernte, Verarbeitung und Vermarktung. Andererseits werden in späteren Schritten die Engpässe wahrscheinlicher, wenn Wasserwege eingeschränkt sind und Transportaufwand steigt. Das betrifft nicht nur das Timing der Lieferungen, sondern auch die Kostenstruktur, etwa durch zusätzliche Umlagerungen oder alternative Transportwege. Entscheidend wird zudem, wie sich die Situation auf den Feldern weiterentwickelt, denn die Spätfolgen der Trockenheit zeigen sich nicht immer unmittelbar, sondern können sich in Qualität und in der Verfügbarkeit bestimmter Erzeugnisse niederschlagen.
Auf Branchenebene lassen sich daraus mehrere strategische Konsequenzen ableiten. Erstens rückt die Widerstandsfähigkeit der Logistikketten stärker in den Fokus, inklusive Planungsszenarien für Niedrigwasserphasen. Zweitens gewinnt die Bevorratung relativ zu „Just-in-time“-Modellen an Bedeutung, weil Ernte-Volatilität im Sommer kurzfristig neue Unsicherheiten erzeugt. Drittens müssen Unternehmen ihre Kostenblöcke, insbesondere Energie- und Personalkosten, noch genauer steuern, damit Mengeneffekte nicht durch zusätzliche Kostenschocks überlagert werden. Der Verband liefert mit seinen Zahlen damit auch eine klare Einordnung: Die Ernte ist in Summe zwar noch ausreichend, aber die Verluste treffen eine Landwirtschaft, die ohnehin unter starken Kostensteigerungen leidet.
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