HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Reederei Hapag-Lloyd will ihre Fahrten durch das Rote Meer und den Suezkanal schrittweise wieder hochfahren. Nach Einschätzung des Managements hat sich die Lage im Vergleich zum Jahresbeginn etwas entspannt, zugleich bleibt die Sicherheitslage ein aktiver Risikofaktor. Als Reaktion auf die Angriffe im Seegebiet mussten viele Schiffe zuletzt lange Umwege fahren. Offen ist aber, ob sich auch die Lage rund um die Straße von Hormus weiter stabilisiert.

Hapag-Lloyd erhöht Fahrten durch Rotes Meer wieder schrittweise
Hapag-Lloyd erhöht Fahrten durch Rotes Meer wieder schrittweise (Foto: IT BOLTWISE)
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Hapag-Lloyd geht nach eigener Einschätzung einen vorsichtigen Schritt zurück in den klassischen Handelsweg: Die Hamburger Reederei will Fahrten durch das Rote Meer und den Suezkanal wieder langsam erhöhen. Reedereichef Rolf Habben Jansen erklärte in Hamburg, die Lage dort sei inzwischen etwas besser als zu Beginn des Jahres. Damit rückt für Verlader und Transportplaner ein Teil der bisherigen Routenlogik wieder näher an die Normalisierung, allerdings nur mit enger Begleitung der Sicherheitslage.

Technisch und operativ bedeutet das vor allem, dass sich das Netzwerk der Linienverkehre und die Kapazitätsdisposition wieder stärker an den kürzeren Verbindungen ausrichten. In der Praxis heißt das: Schiffe müssen weniger häufig auf den Umweg ausweichen, der sich aus dem erhöhten Risiko im Roten Meer ergibt. Hintergrund sind die Angriffe der radikalislamischen Huthi-Miliz seit Mitte November 2023, die insbesondere im Roten Meer und in der Meerenge Bab al-Mandab begonnen hatten. Laut Angaben der Vereinten Nationen attackierten sie mindestens 130 internationale Schiffe, woraufhin Reedereien routeseitig reagierten und häufig über das Kap der Guten Hoffnung auswichen.

Auch wenn Jansen von einer Verbesserung spricht, bleibt die Lage nicht überall gleich. Eine andere Baustelle ist die von Iran weiter blockierte Straße von Hormus. Hier sieht der Reedereichef noch keine Entspannung: Er sagte, man hoffe zwar, dass es dort bald ruhiger wird, „aber soweit sind wir noch nicht“. Vor dem Ende Februar begonnene Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran verlief die Schifffahrt in der Meerenge zwischen Persischem Golf und Golf von Oman laut Bericht weitgehend ungestört. Für die Branche ist diese Unterscheidung entscheidend, weil schon einzelne Engpässe in einem Korridor die Transportzeiten, die Liegezeiten in Häfen und damit die Planbarkeit ganzer Ketten beeinflussen können.

Jenseits der Routenfrage liefert Hapag-Lloyd auch operative Kennzahlen, die zeigen, wie stark der Nahost-Konflikt auf Kosten und Nachfrage durchgeschlagen ist. Im zweiten Quartal blieb das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahresquartal zwar deutlich hinterher: Es sank auf 71 Millionen Euro. Gleichzeitig stiegen Transportmengen und Spotraten im zweiten Quartal spürbar, nachdem es im Jahresauftakt noch weniger überzeugend gelaufen war. Als Treiber nennt das Unternehmen vor allem starke Exporte aus Asien sowie eine verbesserte Nachfrage in den USA.

Besonders relevant ist dabei der Kostenblock, weil er erklärt, warum selbst eine bessere Nachfrage nicht automatisch zu einem proportionalen Ergebnisanstieg führt. Hapag-Lloyd beziffert die durch den Nahost-Konflikt ausgelösten erheblichen Belastungen auf knapp 520 Millionen Euro. Offensichtlich war die Preisseite teilweise in der Lage, diese Mehrkosten abzufedern, aber sie hat sie nicht vollständig „weggerubelt“. Diese Logik ist in Reedereien typisch: Höhere Spotraten können kurzfristig stützen, doch wenn gleichzeitig Umwege, Sicherheitsaufschläge und erhöhte Komplexität in der operativen Planung auftreten, bleibt der Ergebniseffekt gedämpft.

Für den Markt ist deshalb auch die Anpassung der Jahresprognose ein Signal. Hapag-Lloyd hatte bereits Mitte Juli die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2026 angehoben: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll nun in einer Bandbreite zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Euro liegen. Das Unternehmen schränkt aber ein, dass die Prognose wegen der sehr volatilen Entwicklung der Frachtraten sowie wegen des Nahost-Konflikts mit erheblichen Unsicherheiten behaftet ist. Genau diese Wortwahl passt zu einer Branche, in der bereits kleine Verschiebungen in Risikoappetit und Auslastung den Unterschied zwischen „solide“ und „angespannt“ ausmachen können.

Aus Unternehmenssicht hat die schrittweise Rückkehr durch das Rote Meer vor allem zwei Konsequenzen: Erstens sinkt potenziell der Bedarf an langen Umleitungen, was Planzeiten für Einkauf, Produktion und Distribution stabilisieren kann. Zweitens wächst der Druck auf das Risikomanagement, etwa bei der laufenden Bewertung von Risikoereignissen und der Entscheidung, wann Kapazitäten wirklich wieder auf den kürzeren Korridor gelegt werden. In solchen Phasen setzen viele Logistik- und Reedereigruppen auf eng getaktete operative Leitplanken; auch KI-gestützte Fahrplan- und Routenoptimierung spielt dabei in der Praxis zunehmend eine Rolle, weil sie verschiedene Szenarien schneller durchrechnen kann. Entscheidend bleibt jedoch: Hapag-Lloyd macht klar, dass die Sicherheitslage beobachtet wird – eine vollständige Rückkehr zur „alten“ Normalroute ist damit noch nicht fest eingeplant.

Für den weiteren Verlauf dürfte damit weniger die einzelne Ankündigung zählen als die Abfolge der nächsten Wochen: Wie konstant verbessert sich die Lage im Roten Meer, und wie entwickeln sich parallele Risiken entlang anderer Engstellen wie der Straße von Hormus? Der Bericht lässt erkennen, dass selbst bei einer spürbaren Entspannung der operative Betrieb nicht auf Sicht „durchgewunken“ wird, sondern schrittweise wieder skaliert. Gerade für Transportkunden heißt das: Wer langfristige Planungen erstellt, muss die Bandbreiten in den Transitzeiten und mögliche Kostenvolatilität weiterhin berücksichtigen, bis die Lage breiter als stabil gilt.


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