LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Bitcoin Red Team hat nach eigenen Angaben einen ersten breiten Scan über das Open-Source-Ökosystem rund um Bitcoin abgeschlossen. Dabei wurden bereits im August 4.962 potenzielle Schwachstellen in 390 Projekten gemeldet, darunter 85 als kritisch und 635 als schwerwiegend. Besonders schwierig zu prüfen gelten Lightning-Projekte, weil ihre Softwarearchitektur als komplex beschrieben wird. Für die Zukunft fordert der Teamleiter regelmäßige KI-Audits und eigene Prüfprozesse in Bitcoin-Projekten.

Bitcoin Red Team: KI-gestütztes Audit findet tausende Schwachstellen in Open Source
Bitcoin Red Team: KI-gestütztes Audit findet tausende Schwachstellen in Open Source (Foto: IT BOLTWISE)
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Das auffälligste Signal der aktuellen Sicherheitsarbeit rund um Bitcoin kommt weniger aus einzelnen “Big-Bugs” als aus der Breite: Das Bitcoin Red Team berichtet von einem ersten grundlegenden Scan nahezu des gesamten Open-Source-Ökosystems rund um Bitcoin. Im Zentrum steht dabei eine wiederholbare Vorgehensweise, bei der Verdachtsfälle zuerst von Menschen überprüft und erst danach an die verantwortlichen Entwickler gemeldet werden. Allein dieses zweistufige Muster ist für die Praxis entscheidend, denn automatisierte Schwachstellensuche produziert gerade in großen Repos immer auch False Positives. Dass das Team trotzdem eine belastbare Größenordnung nennen kann, liegt an der Kombination aus strukturiertem Code-Screening und anschließender manueller Verifikation.

Konkrete Zahlen unterstreichen, wie groß der bisherige Untersuchungsumfang war: Bereits Anfang August meldete das Red Team 4.962 potenzielle Schwachstellen in 390 Projekten. Davon wurden 85 Funde als kritisch und 635 als schwerwiegend eingestuft. Interessant ist auch, was bislang nicht veröffentlicht wurde: Technische Details zu bestätigten Sicherheitslücken teilt die Gruppe laut den vorliegenden Informationen bislang nicht. Das ist aus Sicht von Security-Teams nachvollziehbar, weil zu frühe Disclosure Angriffswege offenlegen kann, ohne dass die Community die betroffenen Änderungen rechtzeitig implementieren kann. Gleichzeitig erhöht eine solche Informationsstrategie die Relevanz für Entwickler und Unternehmen, die Sicherheitsrisiken intern bewerten müssen, ohne die konkreten Indikatoren öffentlich zu kennen.

Für die Methodik nennt das Red Team konkrete KI-Modelle, die im Prozess inzwischen eine zentrale Rolle spielen. Besonders häufig wird Kimi K3 eingesetzt, das Modell des chinesischen Start-ups Moonshot AI, das sich lokal betreiben lässt und große Codebestände analysieren kann. Daneben nutzt das Team GLM 5.2 des chinesischen Entwicklers Z.ai sowie Modelle von OpenAI und Anthropic. Genau hier zeigt sich ein praktisches Spannungsfeld für KI-gestützte Codeanalyse: Selbst wenn ein Modell grundsätzlich leistungsfähig ist, können Sicherheits- oder Zugriffsmechanismen die konkrete Arbeit am “offenen” Sicherheitskontext limitieren. Laut Teamleiter Calle soll das Red Team bei US-amerikanischen Modellen wiederholt auf Einschränkungen gestoßen sein, was er in einem Beitrag auf X ausdrücklich adressiert. Diese Beobachtung ist weniger eine politische Debatte als ein Engineering-Problem: In sicherheitskritischen Workflows muss die Modellverfügbarkeit so stabil sein, dass wiederholte Prüfungen ohne Reibungsverluste möglich sind.

Die Tonalität der Ergebnisse wirkt gleichzeitig wie ein Warnhinweis und wie ein Statusreport. Calle beschreibt die Untersuchungen drastisch und ordnet sie als Kollision zwischen “jahrzehntelangem menschlichem Open-Source-Murks” und der schnellen Auswertung durch Kimi K3 ein. In seinen Worten, die im Quellmaterial wörtlich wiedergegeben werden, heißt es: „Wir erleben gerade einen massiven Zusammenprall zwischen jahrzehntelangem menschlichem Open-Source-Murks und zwei Wochen Kimi K3“. Direkt danach fällt der Satz „Alles ist kaputt, Bitcoin brennt.“ Außerdem schreibt Calle, es seien inzwischen „eine Menge echter kritischer und schwerwiegender Schwachstellen“ von den verantwortlichen Entwicklern bestätigt worden, ohne dass die betroffenen Projekte bereits öffentlich benannt werden. Für Entscheider ist an dieser Stelle vor allem die Konsequenz relevant: Bestätigungen durch Entwickler zeigen, dass es nicht nur bei theoretischen Hinweisen bleibt, sondern dass das Scanning in der Lage ist, echte Security-Defizite zu identifizieren.

Besonders stark hebt Calle aber einen Teilbereich hervor, der aus Sicherheitssicht historisch ohnehin schwierig ist: Lightning-Software. Die Prüfung gilt ihm zufolge als „kaputter als der Durchschnitt“, und zwar nicht, weil das Team unfähig wäre, sondern weil die Komplexität der Systeme die Verifikation erschwert. Lightning-Anwendungen setzen typischerweise auf Zustandsmodelle, verteilte Abläufe und eine Vielzahl an Randbedingungen, die in klassischen statischen Scans schwer vollständig abzudecken sind. In der Praxis bedeutet das: Während ein Standardbibliotheks-Repo häufig durch klare Eintrittsflächen, gut unterscheidbare Komponenten und überschaubare Datenflüsse überprüfbar wird, erfordert Lightning-Software ein besonders engmaschiges Zusammenspiel aus Code-Review, Logikverständnis und Testabdeckung. Wenn das Red Team hier wiederholt “härtere” Befunde meldet, passt das zur bekannten Realität, dass Protokoll- und Wallet-Nähe oft mehr Angriffsfläche erzeugt als nur einzelne API-Endpunkte.

Aus den bisherigen Meldungen leitet Calle außerdem eine Art operativen Reifegradtest ab: Wie schnell Entwicklerteams auf gemeldete Sicherheitsprobleme reagieren, zeige, wie gesund ein Projekt ist. Das ist mehr als Stimmung – es ist eine Art Metrik für Security Governance. Projekte, die früh begonnen hätten, KI-gestützte Audits in ihre Arbeitsweise zu integrieren, seien demnach heute deutlich besser aufgestellt. Genau daraus folgt die zentrale Empfehlung für die nächsten Monate: Bitcoin-Projekte sollten eigene Prozesse für regelmäßige KI-Audits etablieren. Calle beschreibt die bisherigen Prüfungen ausdrücklich als Anfang einer breiteren Entwicklung: „Bitcoin ist das offensichtliche erste Ziel, aber der Rest der Welt wird bald folgen.“ Damit wird klar, dass es nicht nur um die kurzfristige Fehlerbereinigung geht, sondern um die Etablierung eines wiederholbaren Sicherheitszyklus im Ökosystem.

Für Unternehmen und Produktteams ergibt sich daraus ein pragmatischer Handlungsrahmen, selbst wenn die konkreten betroffenen Repositories noch nicht benannt sind. Erstens verschiebt sich der Fokus von “einmaliger” Penetration hin zu kontinuierlichem Threat Modeling und regelmäßigen Code-Reviews, die KI als Beschleuniger nutzen, aber mit menschlicher Verifikation koppeln. Zweitens wird die Abhängigkeit von Modellzugang und lokaler Betriebsfähigkeit greifbar: Wenn ein Team seine wichtigsten Prüfmodelle lokal betreiben kann, reduziert es nicht nur Latenz und Ausfallrisiko, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass externe Sicherheitsmechanismen den Workflow unterbrechen. Drittens zeigt die separate Hervorhebung von Lightning, dass einzelne Subsysteme im Krypto-Stack unterschiedlich reif sind und daher unterschiedlich viel Test- und Audit-Tiefe benötigen. Wer hier nur auf generische Scans setzt, riskiert blinde Flecken genau in jenen Logiken, die im Live-Betrieb den Unterschied zwischen “funktioniert” und “sicher” ausmachen.


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