LONDON (IT BOLTWISE) – Michael Saylor stellt Rückkäufe von Stammaktien vorerst zurück und setzt stattdessen auf den Ausbau von Cash-Reserven. In einem Q&A priorisierte er zudem das Vorzugsaktien-Produkt STRC sowie das Kreditgeschäft. Ganz geschlossen ist der Rückkauf-Mechanismus jedoch nicht: Bei einem sehr starken Abschlag zum Nettoinventarwert könnte Strategy laut Saylor wieder handeln. Parallel zeigt ein jüngstes Wochen-Filing, wie Cash-Aufbau und Kapitalrückflüsse konkret ineinandergreifen.

Bei Strategy zeichnet sich derzeit ein klarer Strategiewechsel in der Kapitalallokation ab: Rückkäufe von Stammaktien sollen zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, aber sie stehen nach Aussagen von Michael Saylor in einem aktuellen Q& A „vorerst“ nicht im Fokus. Stattdessen steht der Ausbau von Cash-Beständen ganz oben auf der Prioritätenliste. Das ist nicht nur eine Änderung im Kommunikationsstil, sondern wirkt sich unmittelbar auf die finanzielle Flexibilität aus. Saylor begründete den Kurswechsel mit der zusätzlichen Handlungsfreiheit, die Cash-Reserven etwa für künftige Bitcoin-Käufe, Rückkäufe von MSTR- oder Vorzugsaktien sowie für die Tilgung von Schulden bieten sollen.
Technisch betrachtet spielt dabei die Frage eine Rolle, wie ein börsennotiertes Vehikel mit seinem Nettoinventarwert (NAV) umgeht, wenn Marktpreise und Unternehmensbewertung auseinanderlaufen. Genau diese Logik spiegelt Saylor in der Bedingung wider, dass Rückkäufe von Stammaktien eher dann erwogen werden, wenn die Aktie mit einem sehr starken Abschlag zum Nettoinventarwert handelt. Damit kombiniert Strategy zwei Ziele: Erstens soll die Liquidität nicht aus kurzfristigen Kursbewegungen heraus verknappt werden, und zweitens bleibt ein aktiver Marktimpuls erhalten, falls die Aktie stark unter ihrem inneren Wert gehandelt wird. Für Investorinnen und Investoren bedeutet das: Die Rückkaufoption ist weiterhin ein Teil des Regelwerks, nur der Timing-Trigger verschiebt sich.
Die zweite Säule der Planung ist STRC, das Vorzugsaktien-Produkt von Strategy. Schon der Kontext des STRC-Kursrückgangs, den CEO Phong Le als „zentrale Lehre“ beschrieb, zielt auf eine praktische Konsequenz: Für Dividendenzahlungen braucht es ausreichend Cash. Dieses Prinzip erklärt, warum der Cash-Ausbau nicht nur als kurzfristige Pufferstrategie verstanden wird, sondern als Voraussetzung für die Stabilität eines renditeorientierten Kapitalbestandteils. In der aktuellen Bilanzlogik zeigt sich das auch in der Zuteilung: Strategy schob in den letzten Wochen den Schwerpunkt spürbar auf die Liquiditätsreserve, während es gleichzeitig das Kapital über das ATM-Programm (At-the-Market) bewegt hat.
Im Wochen-Filing zum 17. August wird die Prioritätenreihenfolge mit konkreten Zahlen greifbar. In der Woche zum 16. August verkaufte Strategy keine Bitcoin; der Bestand blieb bei 840.447 BTC. Stattdessen nutzte das Unternehmen über sein ATM-Programm rund 3,46 Millionen MSTR-Stammaktien, um für insgesamt 333,7 Millionen US-Dollar Mittel aufzunehmen. Diese Mittel wurden auf mehrere Verwendungszwecke verteilt: 132,2 Millionen US-Dollar flossen in den Rückkauf von 1.388.720 STRC-Anteilen, 52,4 Millionen US-Dollar in STRC-Dividenden und rund 150 Millionen US-Dollar in die Dollar-Reserve. Dadurch stieg die Reserve auf 4,80 Milliarden US-Dollar, die rechnerisch Verpflichtungen für etwa 2,8 Jahre abdecken sollen.
Damit entsteht auch eine Art „Preisband“ für STRC: Saylor stellte klar, dass STRC nahe der Ausgabemarke von 100 US-Dollar gehalten werden soll. Oberhalb dieser Marke wäre Strategy bereit, neue Anteile auszugeben; unterhalb stützt das Unternehmen den Kurs durch Rückkäufe. Dieses Korridormodell ist für den Kapitalmarkt wichtig, weil es kurzfristige Volatilität begrenzen soll, ohne die langfristige Zahlungsfähigkeit zu gefährden. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen nicht vollständig von Kursfeedback unabhängig: Saylor koppelte künftige Entscheidungen zum Bitcoin-Bestand ergänzend an den Abstand des Bitcoin-Kurses zu seinem 200-Wochen-Durchschnitt. Liegt der Kurs weit darüber, könne Strategy mehr Cash zurückhalten; liegt er nahe oder darunter, sei dies als Kaufsignal interpretierbar.
Aus Markt- und Bewertungslogik ergibt sich daraus ein zweistufiges Steuerungsprinzip. Die Kapitalreserve wird zunächst so bemessen, dass Dividendenzahlungen und strategische Optionen funktionieren, selbst wenn die Finanzierungslage an den Märkten kurzfristig anspruchsvoll wird. Erst danach entscheidet Strategy stärker über Maßnahmen wie Bitcoin-Käufe, Rückkäufe oder Schuldentilgung. CEO Phong Le hatte im August außerdem angekündigt, die Bitcoin-Bestände im weiteren Jahresverlauf 2026 wieder aufzustocken, ohne dabei ein konkretes Volumen oder einen genauen Zeitpunkt festzulegen. In den Zahlen, die Le dabei nannte, zeigt sich zudem die Richtung der Bewegung: Seit Jahresbeginn habe Strategy rund 175.000 Bitcoin gekauft, aber nur rund 7.000 BTC verkauft. Ergänzt wird das durch eine weitere Aussage, dass Strategy Bitcoin nicht nur kaufen, sondern auch verkaufen können müsse, um operativ handlungsfähig zu bleiben.
Parallel dazu bleibt die Aktie selbst im Fokus: Am Montag stieg die Strategy-Aktie an der NASDAQ um 4,99 Prozent auf 97,68 US-Dollar; vorbörslich am Dienstag lag sie zeitweise bei 96,15 US-Dollar, nachdem sie zwischenzeitlich um 1,57 Prozent zulegte. Auf der Analystenseite dominiert laut den genannten Rahmendaten zwar überwiegend eine positive Einschätzung, gleichzeitig streuen die Kursziele jedoch deutlich. Genannt wurden unter anderem Buy-Einstufungen mit Zielen von 186 US-Dollar (Cantor Fitzgerald) sowie 165 US-Dollar (Mizuho Securities, mit gesenktem Ziel bei beibehaltenem Kaufrating). Wichtig ist für die Einordnung: Ob Strategy den kommunizierten Kurs hin zu mehr „reinen Bitcoin-Käufen“ im späteren Verlauf 2026 tatsächlich stärker verfolgt, wird sich eher in den kommenden Wochen-Filings zeigen als in einzelnen Aussagen. Gerade weil Rückkäufe von Stammaktien an NAV-Abschläge geknüpft werden, kann sich die Reihenfolge der Maßnahmen zwischen Cash-Aufbau, STRC-Stabilisierung und Bitcoin-Transaktionen jederzeit wieder verschieben.
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