LONDON (IT BOLTWISE) – Strategy hat erneut Bitcoin verkauft und damit einen Teil des Bestands in Richtung Barreserve verlagert. Laut einem 8-K-Filing ging der Konzern dabei von Michael Saylor geäußerten Beständen von rund 1.690 Bitcoin aus und erzielte aus dem Verkauf eigener Aktien rund 653 Millionen US-Dollar. Davon flossen etwa 650 Millionen US-Dollar in die Barreserve, während separate Verkäufe von Bitcoin zusätzlich rund 108 Millionen US-Dollar einbrachten. Der Schritt sorgt für neuen Diskussionsstoff in der Auseinandersetzung zwischen Strategy und den Bitcoin-Kritikern rund um Saylor.

Strategy, der größte börsennotierte Bitcoin-Halter der Welt, macht seine bisherige Tonalität rund um „nicht hergeben“ sichtbar weniger absolut. Wie aus einem aktuellen 8-K-Filing hervorgeht, hat der Konzern um Michael Saylor nicht nur Bitcoin veräußert, sondern parallel auch über den Verkauf eigener Aktien erhebliche Mittel in die Liquiditätsreserve verschoben. An der NASDAQ notierte die Strategy-Aktie am Montag zeitweise 2,32 % tiefer bei 97,69 US-Dollar. Inhaltlich ist das für Anleger vor allem deshalb relevant, weil der Verkauf nicht als einmaliger Ausreißer wirkt, sondern in eine Serie früherer Umschichtungen eingebettet ist.
Technisch betrachtet ist die Kernlogik dabei weniger die reine Kursannahme, sondern die Kapitalallokation über mehrere „Ports“: Liquidität für die operative Handlungsfähigkeit und zugleich Zugriff auf Rückkaufprogramme. Im Filing wird beschrieben, dass Strategy rund 1.690 Bitcoin verkaufte. Ergänzend nahm der Konzern gut 653 Millionen US-Dollar durch den Verkauf von 6,59 Millionen eigenen Aktien ein. Von dieser Summe wurden rund 650 Millionen US-Dollar in die Barreserve gebucht; der Konzern beziffert diese Reserve auf 4,65 Milliarden US-Dollar. Die restlichen Beträge flossen in den Kassenbestand, was in der Praxis häufig die kurzfristige Steuerung von Auszahlungen und Programmkosten betrifft.
Auch die Detailtiefe bei den Rückflüssen lohnt den Blick: Die verkauften Bitcoin brachten dem Bericht zufolge separat rund 108 Millionen US-Dollar ein. Damit kaufte Strategy laut Filing gut 1,15 Millionen eigene Vorzugspapiere der Gattung STRC zurück. Bemerkenswert ist vor allem der Preis: Die Tranche ging zu durchschnittlich rund 64.300 US-Dollar je Coin über den Tisch. Das liegt unter dem Einstandsschnitt von gut 75.000 US-Dollar, zu dem Strategy nach Angaben des Textes die verbleibenden 840.447 Bitcoin angehäuft hat. Damit wird ein Teil der Umschichtung nicht als „billig verkaufen, teuer zurück kaufen“ inszeniert, sondern als harte Abwägung zwischen Bilanzstruktur und Timing.
Die Debatte um Michael Saylor liefert den politischen und psychologischen Kontext. Schon Anfang August erhielt Strategy bzw. Saylor neue Gegenargumente von Frank Giustra, der in einer Diskussion auf X sinngemäß Saylor als das „Schlimmste“ für Bitcoin bezeichnete. Giustra hatte zuvor das Anhäufungsmodell von Strategy als werbewirksam, aber von Gier und FOMO getrieben kritisiert. Als Vergleichspunkt führte er an, dass Bitcoin seit einem Streitgespräch mit Saylor im April 2021 kaum vom Fleck gekommen sei, während sich Gold von damals rund 1.700 auf über 4.000 US-Dollar je Unze vervielfacht habe. Saylor selbst hält dagegen: Sein Credo, man solle notfalls eine Niere verkaufen, aber den Bitcoin behalten, gelte für private Sparer, nicht für ein börsennotiertes Unternehmen wie Strategy; zudem habe er persönliche Bestände nicht öffentlich „angerührt“ und keinen einzigen Satoshi in die Diskussion gegeben.
Für die Marktwirkung ist entscheidend, wie ein solcher Schritt die Wahrnehmung von Strategy als „reiner Bitcoin-Proxy“ verändert. Der Verkauf reiht sich in eine Serie aus dem laufenden Jahr ein: Im Text wird erwähnt, dass Strategy 2026 mehrfach Bitcoin abgerufen hat statt ausschließlich aufzustocken. Besonders schwer wog demnach ein Verkauf von rund 3.588 Coins für gut 216 Millionen US-Dollar Ende Juni und Anfang Juli; der aktuelle Schritt betrifft anschließend über 1.690 Bitcoin. Für ein Unternehmen, das jahrelang mit dem Versprechen angetreten ist, Bitcoin niemals herzugeben, wirkt das wie eine erkennbare Kehrtwende im Selbstbild – selbst wenn Strategy weiterhin als der größte börsennotierte Bitcoin-Halter geführt wird.
Was als Nächstes zählt, ist die Frage nach dem „Restmosaik“ im Rahmen der Kapitalprogramme. Unter dem laufenden Aktienrückkaufprogramm stehen dem Konzern noch rund eine Milliarde US-Dollar für eigene Stammaktien zur Verfügung, dazu gut 785 Millionen US-Dollar für die Vorzugspapiere. Die nächste belastbare Einschätzung dürfte daher weniger aus der Schlagzeile kommen als aus dem kommenden Filing: Dort ist der Stand der Barreserve der zentrale Datenpunkt, weil er zeigt, wie weit die Umschichtung aus Verkäufen und Rückkäufen tatsächlich reicht. Für Entscheider im FinTech- und Investment-Umfeld bleibt daran vor allem zweierlei hängen: Erstens wird Bitcoin-Bilanzmanagement zunehmend als aktives Liquiditäts- und Kapitalstrukturthema betrieben. Zweitens verschiebt sich der Fokus weg von der reinen „Hodl“-Story hin zu einem ständig aktualisierten Mix aus Verkaufs-, Rückkauf- und Timing-Entscheidungen.
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